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Vorhofflimmern
VHF · AF (atrial fibrillation) · bei schnellem Puls: Tachyarrhythmie
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Häufigste Herzrhythmusstörung: Die Vorhöfe werden sehr schnell (über 300/min) und ungeordnet erregt („flimmern“), die Kammer schlägt dadurch völlig unregelmäßig.
Was im Körper passiert
Die Vorhöfe flimmern nur noch und ziehen sich nicht mehr wirksam zusammen. Nur ein Teil der vielen Erregungen kommt zur Kammer durch, und zwar unregelmäßig → Puls arrhythmisch, unbehandelt oft zu schnell. Nicht jeder Herzschlag erzeugt eine tastbare Pulswelle → Pulsdefizit. Im flimmernden Vorhof fließt das Blut langsam und gerinnt leichter. Löst sich ein Gerinnsel, kann es ins Gehirn gelangen → Schlaganfall.
Ursachen und Risikofaktoren
- oft ohne erkennbare Ursache
- am Herzen: KHK, Herzinfarkt, Herzmuskelerkrankungen, Herzklappenfehler
- außerhalb des Herzens: Hormone, Medikamente, Elektrolytstörungen
Symptome
- Herzstolpern, Herzrasen, Herzklopfen → Kammer schlägt ungeordnet und schnell
- Schwindel, Synkope → das Herz fördert zu wenig Blut (hämodynamisch relevant)
- manche merken jahrelang nichts – der unregelmäßige Puls fällt erst beim Tasten auf
Therapie
- Schlaganfallschutz durch orale Antikoagulation: Phenprocoumon (Vitamin-K-Antagonist; Ziel-INR 2,0–3,0, Wirkung erst nach einigen Tagen) oder DOAK (Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban, Dabigatran; keine Routine-Gerinnungskontrollen); in der Klinik anfangs Heparin; ASS ist dafür nicht geeignet
- Herzfrequenz senken: Betablocker, Digitalis
- Rhythmus: Antiarrhythmika (z. B. Amiodaron – können selbst Rhythmusstörungen auslösen), elektrophysiologische
- Untersuchung
Pflege
- Puls eine volle Minute zählen; neue Arrhythmie → Arzt; Monitor-Alarmgrenzen 2-mal pro Schicht prüfen
- Sturzprophylaxe bei Schwindel und Synkopen
- Beratung zur Antikoagulation: Ausweis mitführen; täglich zur gleichen Zeit; vergessene Dosis nicht eigenmächtig nachholen; auf Blut in Urin/Stuhl und Hämatome achten; Ärzte und Zahnarzt informieren; keine i. m.-Spritzen; keine Nassrasur, weiche Zahnbürste; Vitamin-K-Gemüse gleichmäßig essen; INR-Kontrolle
- Therapietreue stärken: Herr S. setzte ab, weil es ihm „gut ging“
- Digitalis: auf Übelkeit, Farbsehstörungen, Bradykardie achten
Vorbeugung
- Risikofaktoren senken und Früherkennung (siehe „Ergänzt“)
Komplikationen
- Schlaganfall durch verschleppte Gerinnsel
- Blutungen unter Antikoagulation (v. a. Hirnblutung)
- Stürze durch Schwindel oder Synkopen
Ergänzt aus Leitlinien
- Diagnose nur per EKG-Dokumentation über mind. 30 s: keine P-Wellen, Flimmerwellen, völlig unregelmäßige RR-Abstände; Formen: paroxysmal (endet innerhalb von 7 Tagen), persistierend (über 7 Tage), lang anhaltend persistierend (über 12 Monate), permanent (Quelle: S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025; MSD Manual 2024)
- Im Vorhof fließt das Blut langsamer und gerinnt leichter; Thromben meist im linken Vorhofohr; Schlaganfallrisiko etwa 4–5-fach erhöht (Quelle: Deutsche Herzstiftung; MSD Manual 2024; S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025)
- Risiko-Score CHA2DS2-VA (Herzinsuffizienz, Hypertonie, Alter ab 75 = 2 Punkte, Diabetes, Schlaganfall/TIA = 2 Punkte, Gefäßerkrankung, Alter 65–74): ab 2 Punkten Antikoagulation, bei 1 Punkt individuell, bei 0 keine (Quelle: S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025)
- DOAK oder Phenprocoumon je nach Patient; ESC bevorzugt DOAK – außer bei mechanischer Herzklappe oder mittel-bis schwerer Mitralstenose (Quelle: S3-Leitlinie 2025; ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024) Frequenzkontrolle (Betablocker oder Verapamil/Diltiazem; Ziel Ruhepuls unter 110/min) oder Rhythmuskontrolle
- (Kardioversion, Katheterablation); vor geplanter Kardioversion 3 Wochen Antikoagulation oder Thrombenausschluss
- per TEE (Quelle: S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025)
- Risikofaktoren behandeln: Hypertonie, Diabetes, Schlafapnoe, Übergewicht, Alkohol, Rauchen; ab 75 Jahren oder bei erhöhtem Schlaganfallrisiko mind. einmal ein EKG (Quelle: S3-Leitlinie Vorhofflimmern 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: S3-Leitlinie Vorhofflimmern (AWMF 019-014, DGK 2025, Pocket-Version); ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (DGK-Pocket-Leitlinie); MSD Manual Profi: Vorhofflimmern (2024), Vorhofflattern; MSD Manual für Patienten: Vorhofflimmern und Vorhofflattern; Deutsche Herzstiftung: Vorhofflimmern – Symptome, Schlaganfall durch Vorhofflimmern. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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