Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse und Blut
Virushepatitis (A bis E)
Leberentzündung durch Hepatitisviren; HAV, HBV, HCV, HDV, HEV
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Entzündliche Schädigung des Lebergewebes durch Hepatitisviren A bis E. Verlauf akut oder chronisch (chronisch = nach 6 Monaten nicht ausgeheilt).
Was im Körper passiert
Die Viren befallen die Leberzellen. Bei Hepatitis B schädigt vor allem die eigene Immunabwehr die befallenen Zellen, nicht das Virus selbst. Die entzündete Leber schwillt an. Kranke Leberzellen holen das Bilirubin nicht mehr aus dem Blut. Bleibt die Entzündung bestehen, baut sich die Leber bindegewebig um – bis zur Zirrhose.
Ursachen und Risikofaktoren
- A: fäkal-oral (Hände, Wasser, Essen)
- E: in Deutschland v. a. nicht durchgegartes Schweine- oder Wildfleisch; in Entwicklungsländern verunreinigtes Wasser B: v. a. sexuell; außerdem Blut (Drogenbesteck, Nadelstich) und unter der Geburt
- C: v. a. Blut-zu-Blut (gemeinsames i. v.-Drogenbesteck); sexuell selten
- D: nur zusammen mit B (vermehrt sich nur mit dem HBV)
Symptome
- oft kaum Beschwerden (A bei Kleinkindern, C in ca. 75 %)
- Vorphase grippeähnlich: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, leichtes Fieber
- Schmerz im rechten Oberbauch → Leber geschwollen
- Ikterus, ggf. mit Juckreiz → Bilirubin staut sich im Blut
- dunkler Urin → Bilirubin geht über die Niere; heller Stuhl → wenig Gallenfarbstoff im Darm
- chronisch: ausgeprägte Müdigkeit
Therapie
- akut: symptomatisch; leberschädigende Stoffe und Medikamente absetzen; kein Alkohol; körperliche Schonung
- chronische Hepatitis B: meist dauerhaft Nukleos(t)id-Analoga (bremsen die Virusvermehrung), alternativ befristet Interferon-α
- Hepatitis C: interferonfreie Kombination direkt antiviral wirkender Mittel (DAA), meist 8–12 Wochen
- Folgeschäden wie bei Leberzirrhose behandeln
Pflege
- beobachten: Gelbfärbung von Haut/Schleimhäuten, Stuhl (Farbe, Beimengungen, Konsistenz, Häufigkeit), Oberbauchschmerz, Blutzucker
- Hepatitis A: Händehygiene mit viruzidem Mittel; bei starkem Durchfall oder fehlender Compliance Einzelzimmer mit eigener Toilette
- Hepatitis B/C/D: keine Isolierung, Basishygiene; Blutkontakt und Stichverletzungen vermeiden, Schutzbrille bei Spritzgefahr
- beraten: Hygiene, Impfung gefährdeter Angehöriger, kein Alkohol, Selbsthilfegruppen, Kontrolle mind. 1-mal jährlich
Vorbeugung
- Impfung A: u. a. Reisende in Endemiegebiete, Gesundheitsdienst, Kitas, Abwasserbereich; bis 14 Tage nach Kontakt Impfung B: alle Säuglinge, Risikogruppen (auch Pflegende) – schützt zugleich vor D
- C: keine Impfung; E: kein Impfstoff in Europa → Fleisch durchgaren
- Kondome, eigenes Drogenbesteck, Hepatitis-B-Test in der Schwangerschaft, getestete Blutprodukte
Komplikationen
- fulminantes Leberversagen (B ca. 0,5–1 %; A v. a. bei Älteren und Lebervorschaden; E bei Schwangeren, Genotyp 1) chronischer Verlauf: B bei Erwachsenen bis 10 %, bei Neugeborenen ca. 90 %; C 60–85 %; A nie
- Leberzirrhose, Leberzellkarzinom
Ergänzt aus Leitlinien
- Hepatitis E: in Deutschland v. a. über nicht durchgegartes Fleisch, meist symptomlos, chronisch nur bei Immunschwäche (Quelle: RKI-Ratgeber Hepatitis E, 2026)
- Leberschaden bei Hepatitis B v. a. durch die Immunabwehr (Quelle: RKI-Ratgeber Hepatitis B/D)
- Bilirubin als Ursache von Ikterus, dunklem Urin, hellem Stuhl (Quelle: MSD Manual Akute Virushepatitis, 2026)
- Virusmarker zur Diagnose (Quelle: RKI-Ratgeber Hepatitis A, B/D, C, E)
- Hepatitis C mit DAA zu über 95 % heilbar; chronische B: Dauertherapie (Quelle: gesund.bund.de Hepatitis B und C, 2025) Check-up ab 35 Jahren: einmaliger Test auf Hepatitis B und C (Quelle: gesund.bund.de Hepatitis C, 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: RKI-Ratgeber Hepatitis A (2026), B und D (2018), C (2018), E (2026); gesund.bund.de Hepatitis B und C (2025); MSD Manual Akute Virushepatitis (2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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