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Vergiftung (Intoxikation)
Intoxikation · Überdosierung (z. B. von Medikamenten, Opioiden, Alkohol)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei einer Vergiftung schädigt ein Stoff den Körper – geschluckt, eingeatmet, über die Haut (z. B. Schmerzpflaster) oder gespritzt. Die Beschwerden können plötzlich beginnen.
Was im Körper passiert
Je nach Gift werden andere Organe gestört. Zentral dämpfende Stoffe wie Opiate oder Alkohol hemmen das Gehirn: Das Bewusstsein trübt ein, das Atemzentrum arbeitet langsamer bis zum Atemstillstand. Schutzreflexe wie der Hustenreflex fallen aus – Erbrochenes kann in die Lunge gelangen. Manche Gifte stören die Erregung des Herzens (Bradykardie, Rhythmusstörungen) oder lösen Krämpfe aus. Gifte im Essen reizen Magen und Darm.
Ursachen und Risikofaktoren
- Medikamente (Überdosierung, z. B. Opioide, auch als Pflaster)
- Alkohol, Drogen
- Gase, z. B. Kohlenmonoxid
- Nahrungsmittel (mehrere Personen nach derselben Mahlzeit krank)
- ätzende Stoffe (innere Verätzung)
Symptome
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall → Magen-Darm gereizt
- Schwindel, Schweißausbrüche
- Bewusstseinsstörung bis Koma → Gehirn gedämpft
- Atemdepression, Bradypnoe → Atemzentrum gehemmt
- Krämpfe
- Opioide: stecknadelkopfgroße Pupillen, sehr langsame Atmung, Bewusstlosigkeit, schlaffe Muskeln, niedrige
- Temperatur
- Begleitumstände: leere Medikamentenpackungen, Hinweise auf Drogen oder Alkohol, mehrere Betroffene mit gleichen
- Beschwerden
Therapie
- Selbstschutz: Schutzhandschuhe; bei Verdacht auf Gas (z. B. Kohlenmonoxid) Raum nicht ohne Atemschutz betreten → Notruf 112, Feuerwehr rettet; draußen an die frische Luft bringen
- Vitalparameter prüfen, Notruf; bewusstlos mit ausreichender Atmung → stabile Seitenlage
- Reanimation bei Bedarf; bei innerer Verätzung oder Kohlenmonoxid nur mit Beatmungsbeutel beatmen
- regional zuständigen Giftnotruf anrufen (für Niedersachsen: GIZ-Nord 0551 19240) und den Anweisungen folgen
- kein Erbrechen auslösen
- Giftreste und Erbrochenes dem Rettungsdienst mitgeben
- Klinik: Zufuhr stoppen (z. B. Schmerzpflaster entfernen), Atemweg sichern, ggf. beatmen; Gegenmittel, z. B. Naloxon bei Opioiden (kann Entzug auslösen)
Pflege
- nicht allein lassen; Atmung, Bewusstsein und Puls engmaschig überwachen – auch nach Naloxon, denn seine Wirkung
- endet früher als die der meisten Opioide
- Aspiration vermeiden (bewusstlos mit Atmung → stabile Seitenlage)
Vorbeugung
Komplikationen
- Atemstillstand, Aspiration
- Rhythmusstörungen bis Kammerflimmern
- Krampfanfälle
- erneute Vergiftungszeichen, wenn die Naloxon-Wirkung nachlässt
Ergänzt aus Leitlinien
- Kleinkinder vergiften sich meist unabsichtlich; bei Jugendlichen und Erwachsenen steckt oft ein Suizidversuch dahinter (Quelle: MSD Manual Vergiftung 2026)
- Magenentleerung hat sich nicht als wirksam erwiesen und wird nur noch selten gemacht; Aktivkohle (ärztlich) innerhalb von 1–2 h nach Einnahme, nicht bei Säuren, Laugen, Alkoholen, Metallen (Quelle: MSD Manual Vergiftung 2026)
- Gegenmittel: Naloxon (Opioide), N-Acetylcystein (Paracetamol), Flumazenil (Benzodiazepine), Sauerstoff
- (Kohlenmonoxid) (Quelle: MSD Manual Vergiftung 2026)
- Vorbeugung: Kindersicherungen, Stoffe im Originalbehälter, verschlossene Schränke (Quelle: MSD Manual Vergiftung 2026)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi: Allgemeine Grundlagen zu Vergiftungen (2026); Giftnotruf Berlin der Charité; Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) Göttingen. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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