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Unterkühlung und Erfrierung
Unterkühlung = Hypothermie; Erfrierung = örtlicher Kälteschaden
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Unterkühlung: Die Körperkerntemperatur fällt unter 35 °C, der ganze Körper ist betroffen. Erfrierung: Ein einzelnes Körperteil war zu lange der Kälte ausgesetzt und wird geschädigt.
Was im Körper passiert
Bei Kälte zittern zuerst die Muskeln stark. Hört das Zittern auf, sinkt die Temperatur schneller. Dann verlangsamen sich alle Körperfunktionen: Denken, Bewusstsein, Atmung, Herzschlag. Das kalte Herz gerät leicht aus dem Takt – bis zum Kammerflimmern. Bei der Erfrierung wird das Körperteil kaum noch durchblutet; Eiskristalle und Gerinnsel schädigen das Gewebe, es kann absterben.
Ursachen und Risikofaktoren
- Kälte, Nässe, Wind, kaltes Wasser; z. B. Nacht im Freien, oft unter Alkohol
- Narkose und OP (gestörte Temperaturregulation, kalter OP-Saal)
- gefährdet: ältere Menschen (spüren Kälte weniger), Früh- und Neugeborene, Kleinkinder, Bewusstlose, Immobile, Intoxikierte
- Erfrierung: Körperteil zu lange einem Kältereiz ausgesetzt
Symptome
- Unterkühlung zuerst: starkes Kältezittern; Puls und Atmung anfangs schneller
- dann: Zittern hört auf, langsame, schwerfällige Bewegungen, Verwirrtheit
- Schwere Unterkühlung: Schläfrigkeit bis Bewusstlosigkeit; Puls und Atmung können stark verlangsamt sein. Herzrhythmusstörungen und Kreislaufstillstand sind möglich. (Quelle: RCUK besondere Umstände 2025)
- Erfrierung: kalt, hart, weiß, gefühllos; nach Erwärmen rot, geschwollen, schmerzhaft; klare Blasen = oberflächlich, blutige = tief; später schwarze Nekrose
Therapie
- Sofortmaßnahmen Unterkühlung: Vitalzeichen, Notruf, ggf. Reanimation
- in einen Raum mit Raumtemperatur bringen, nasse Kleidung entfernen, in Decken hüllen
- ganz vorsichtig bewegen: keine Schocklage, Arme und Beine nicht massieren → sonst drohen Kreislaufkollaps und Kammerflimmern
- Warme alkoholfreie Getränke nur anbieten, wenn die Person vollständig wach ist und sicher schlucken kann. Bei Bewusstseinsstörung nichts oral geben. (Quelle: NHS Hypothermia 2023)
- Bei fehlender normaler Atmung: Notruf 112 und Reanimation. Fortsetzen bis zur Übernahme bzw. Anweisung des Rettungsdienstes, wieder normaler Atmung oder eigener Erschöpfung. Bei schwerer Unterkühlung entscheidet das Rettungsteam über spezialisierte Wiedererwärmung. (Quelle: RCUK Erste Hilfe und besondere Umstände 2025)
- Sofortmaßnahmen Erfrierung: ruhigstellen, locker steril abdecken, nicht reiben
- keine trockene Hitze (Feuer, Heizkissen) → Verbrennungsgefahr, weil die Haut gefühllos ist nicht gefrorene Teile mit eigener Körperwärme erwärmen
- Klinik: Wasserbad 37–39 °C für 15–30 min, Schmerzmittel; Operation möglichst lange aufschieben – unter dem schwarzen Schorf bleibt oft lebendes Gewebe
Pflege
- Temperatur, Puls, Atmung, Bewusstsein engmaschig kontrollieren
- langsam und schonend lagern
- OP-Patienten warm zudecken, nicht unterkühlt in den OP bringen; danach Temperatur messen
- milde Hypothermie dem Arzt melden, wenn warmes Zudecken nicht hilft
Vorbeugung
- Nässe, Wind und langes Liegen in der Kälte vermeiden; Ältere und Kinder besonders schützen
- OP-Patienten vor und nach der Operation warm halten
Komplikationen
- Kammerflimmern, Herz-Kreislauf-Stillstand
- weiteres Absinken der Kerntemperatur nach der Rettung (After-drop); Kreislaufkollaps beim Bergen oder Aufwärmen (Bergungstod)
- Infektionen, Wundheilungs- und Gerinnungsstörungen
- Erfrierung: Gewebeverlust, Operation; Nervenbeschwerden können lange bleiben
Ergänzt aus Leitlinien
- Zittern hört mit sinkender Temperatur auf → Temperatur fällt schneller; am Ende Kammerflimmern oder Asystolie (Quelle: MSD Manual Profi Hypothermie 2025)
- Kerntemperatur rektal/ösophageal elektronisch messen; EKG (Quelle: MSD Manual Profi Hypothermie 2025)
- grobe Handhabung kann Kammerflimmern auslösen; Kerntemperatur kann nach der Rettung weiter fallen (After-drop); bei leichter Hypothermie
- Warme alkoholfreie Getränke nur anbieten, wenn die Person vollständig wach ist und sicher schlucken kann. Bei Bewusstseinsstörung nichts oral geben. (Quelle: NHS Hypothermia 2023)
- Bei fehlender normaler Atmung: Notruf 112 und Reanimation. Fortsetzen bis zur Übernahme bzw. Anweisung des Rettungsdienstes, wieder normaler Atmung oder eigener Erschöpfung. Bei schwerer Unterkühlung entscheidet das Rettungsteam über spezialisierte Wiedererwärmung. (Quelle: RCUK Erste Hilfe und besondere Umstände 2025)
- Risikogruppen: Ältere, sehr junge Kinder, Bewusstlose, Immobile, Intoxikierte (Quelle: MSD Manual Profi Hypothermie 2025) Erfrierung: Hautzeichen, klare Blasen = oberflächlich, blutige = tief; nicht reiben, keine trockene Hitze; Wasserbad 37–39 °C; OP möglichst spät; Nervenbeschwerden können bleiben (Quelle: MSD Manual Profi Erfrierung 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi Hypothermie 2025; MSD Manual Unterkühlung 2024; MSD Manual Profi Erfrierung 2025; ergänzende Korrekturquellen: RCUK besondere Umstände 2025; NHS Hypothermia 2023; RCUK Erste Hilfe und besondere Umstände 2025. Korrigierte Abschnitte abgerufen am 30.09.2026. Stand 30.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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