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Übelkeit und Erbrechen unter Krebstherapie (CINV)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) sind mögliche Nebenwirkungen von Chemotherapie, anderen Krebsmedikamenten und Bestrahlung. Übelkeit ist ein unangenehmes Gefühl im Rachen oder in der Magengegend, das nur die betroffene Person spürt. Beim Erbrechen wird Mageninhalt kräftig durch den Mund ausgestoßen.
Was im Körper passiert
Ein Brechzentrum im Hirnstamm steuert das Erbrechen. Zytostatika reizen Zellen der Darmschleimhaut. Diese geben den Botenstoff Serotonin ab, der Nervenbahnen wie den Vagusnerv erregt. Außerdem bemerkt ein kleines Gebiet im Hirnstamm (Area postrema, Chemorezeptor-Triggerzone) fremde Stoffe im Körper. Weitere wichtige Botenstoffe sind Substanz P und Dopamin.
Auch das Großhirn wirkt mit: Gerüche, Angst und Schmerz können Übelkeit auslösen oder verstärken. So entsteht erlernte (antizipatorische) Übelkeit: Der Körper verknüpft etwa den Geruch der Station mit früherem Erbrechen. Viele Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) besetzen die Andockstellen (Rezeptoren) dieser Botenstoffe.
Ursachen und Risikofaktoren
- Chemotherapie, andere Krebsmedikamente (auch als Tabletten) und Bestrahlung
- Das Risiko hängt von Wirkstoff, Dosis und Plan ab, etwa bei Gabe an mehreren Tagen (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Bei Bestrahlung zählt der bestrahlte Körperbereich (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Persönliche Risiken: Frauen, Alter unter 50 Jahren, Übelkeit in früheren Zyklen, Erbrechen in der Schwangerschaft (Quelle: NCI PDQ 2025)
- Neigung zu Reiseübelkeit, Angst und Nervosität (Quelle: KID 2026)
- Andere Auslöser bedenken: Magen-Darm-Trakt, Gehirn, Stoffwechsel, andere Medikamente (Quelle: NCI PDQ 2025)
Symptome
- Übelkeit, Würgen, Erbrechen, wenig Appetit
- Akute Form: in den ersten 24 Stunden nach der Gabe (Quelle: NCI PDQ 2025)
- Verzögerte Form: beginnt nach mehr als 24 Stunden (Quelle: NCI PDQ 2025) und kann bis zu 5 Tage anhalten (Quelle: KID 2026).
- Antizipatorische Form: schon vor dem nächsten Zyklus, ausgelöst durch Gerüche, Bilder oder Geräusche der Behandlung
- Durchbruch: Erbrechen trotz Vorbeugung. Refraktär: keine Besserung durch die Behandlung.
Therapie
- 5-HT3-Rezeptorantagonisten hemmen die Wirkung von Serotonin.
- NK1-Rezeptorantagonisten hemmen die Wirkung von Substanz P.
- Glukokortikoide wie Dexamethason sind Teil vieler Kombinationen.
- Olanzapin (ein Neuroleptikum) wird bei hohem Risiko vorbeugend und bei Durchbruch-Übelkeit eingesetzt; gegen Übelkeit geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).
- Reservemittel sind unter anderem Dopamin-Antagonisten. Bei erlernter oder stressbedingter Übelkeit können angstlösende Mittel (Benzodiazepine) helfen.
- Bei erlernter Übelkeit: Muskelentspannung, schrittweise Gewöhnung (systematische Desensibilisierung) oder Hypnose
- Ingwer: Die Studienlage ist uneinheitlich.
Pflege
- Regelmäßig nachfragen: Nur die Person selbst kann die Stärke der Übelkeit beschreiben.
- Häufigkeit, Menge und Zeitpunkt des Erbrechens dokumentieren.
- Zeichen von Flüssigkeitsmangel beobachten: Durst, trockene Lippen und Haut, Kopfschmerz, Schwindel, Schwäche. Trinkmenge und Ausscheidung erfassen.
- Gewicht und Essmenge verfolgen.
- Wirkung der Vorbeugung erfassen und Übelkeit trotz Mitteln dem ärztlichen Team melden.
- Nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser ausspülen lassen. Zähneputzen erst später, weil die Magensäure den Zahnschmelz angreift.
- Gerüche fernhalten, lüften, mehrere kleine Portionen anbieten, wenig Fettiges und scharf Gewürztes, oft in kleinen Mengen trinken.
- Angst ernst nehmen, Entspannung anbieten, bei erlernter Übelkeit psychologische Hilfe vermitteln.
- Sofort dem ärztlichen Team melden: wiederholtes Erbrechen trotz Vorbeugung und Reservemittel, keine Flüssigkeit bleibt im Körper, Zeichen von Austrocknung. Zu Hause gilt: Erbrechen über mehrere Tage ist ein Grund für ärztliche Hilfe (Quelle: KID 2026).
Vorbeugung
- Die Vorbeugung beginnt vor der Gabe der Therapie. Wie viele Wirkstoffgruppen nötig sind, richtet sich nach dem Risiko; bei minimalem Risiko gibt es keine routinemäßige Vorbeugung (Quelle: MASCC/ESMO 2023; NCI PDQ 2025).
- Bei manchen Therapien gehört eine Vorbeugung für die folgenden Tage dazu (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Erlernte Übelkeit verhindern: Übelkeit vom ersten Zyklus an gut kontrollieren (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Bei Bestrahlung mit gleichzeitiger Chemotherapie richtet sich die Vorbeugung nach dem Risiko der Chemotherapie – außer das Risiko der Bestrahlung ist höher (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Vor Beginn persönliche Risiken erfragen und die Einnahme der Mittel erklären.
Komplikationen
- Austrocknung und schwere Stoffwechselstörungen
- Gewichtsverlust und Mangelernährung
- Einrisse der Speiseröhre
- Aufgehen frischer Operationswunden
- Körperlicher und seelischer Abbau, Verlust an Selbstständigkeit
- Abbruch einer wirksamen, auch heilenden Krebstherapie
- Erlernte Übelkeit in späteren Zyklen
Ergänzt aus Fachquellen
- Vier Risikoklassen – so viele Behandelte erbrechen ohne Vorbeugung: hoch über 90 %, moderat 30–90 %, gering 10–30 %, minimal unter 10 % (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Hohes Risiko zum Beispiel Cisplatin, moderates Risiko zum Beispiel Carboplatin (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Anthrazyklin plus Cyclophosphamid (AC): jeder Wirkstoff allein (in der üblichen AC-Dosis) moderat, zusammen hohes Risiko (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Tumortherapien als Tabletten: nur zwei Gruppen, minimal bis gering und moderat bis hoch (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Hohes Risiko: vier Wirkstoffgruppen – 5-HT3- und NK1-Rezeptorantagonist, Dexamethason, Olanzapin (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Moderates Risiko: drei Gruppen (5-HT3- und NK1-Rezeptorantagonist, Glukokortikoid) bei Carboplatin ab AUC 5 und bei Frauen unter 50 Jahren mit Oxaliplatin, sonst zwei (5-HT3-Rezeptorantagonist, Glukokortikoid); das Glukokortikoid nur am Therapietag (Quelle: MASCC/ESMO 2023).
- Geringes Risiko: ein einzelnes Mittel am Therapietag, zum Beispiel ein 5-HT3-Rezeptorantagonist oder ein Glukokortikoid. Minimales Risiko: keine routinemäßige Vorbeugung (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Erlernte Übelkeit zeigt sich meist nach drei bis vier Zyklen mit Übelkeit und Erbrechen (Quelle: NCI PDQ 2025).
- Zähne erst 30 bis 60 Minuten nach dem Erbrechen putzen (Quelle: KID 2026).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: MASCC/ESMO 2023 – Multinational Association of Supportive Care in Cancer und European Society for Medical Oncology, 2023 updated MASCC/ESMO consensus recommendations (Teile zu Risikoeinteilung, hohem und moderatem Risiko sowie Strahlentherapie), Supportive Care in Cancer, Band 32, 2023/2024; NCI PDQ 2025 – National Cancer Institute, PDQ Supportive and Palliative Care Editorial Board, Nausea and Vomiting Related to Cancer Treatment, Fachkreisversion, Fassung vom 10.03.2025; KID 2026 – Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, Übelkeit und Erbrechen während der Krebstherapie, aktualisiert am 20.07.2026; MASCC MAT o. J. – Multinational Association of Supportive Care in Cancer, MASCC Antiemesis Tool (MAT), Seite ohne Datum, Suchauszug vom 30.09.2026. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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