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Sepsis (Blutvergiftung)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Störung der Organfunktion. Sie entsteht, wenn die Abwehr des Körpers auf eine Infektion fehlgesteuert und überschießend reagiert. Umgangssprachlich heißt sie „Blutvergiftung“. Beim septischen Schock ist der Kreislauf so gestört, dass Infusionen allein den Blutdruck nicht mehr halten.
Was im Körper passiert
Normalerweise hält die Abwehr eine Infektion dort fest, wo sie begonnen hat, etwa in der Lunge. Bei einer Sepsis gerät die Abwehrreaktion außer Kontrolle. Erreger und Entzündungsbotenstoffe verteilen sich im Körper und schädigen Organe an vielen Stellen.
Der Kreislauf wird schwach, der Blutdruck kann fallen. Organe bekommen zu wenig Blut und Sauerstoff. Daraus folgen die Zeichen: Das Gehirn reagiert mit Verwirrtheit, Atmung und Herzschlag werden schneller, die Nieren bilden weniger Urin. Im Blut steigt das Laktat – ein Hinweis auf Sauerstoffmangel im Gewebe.
Ursachen und Risikofaktoren
- Jede Infektion kann zur Sepsis führen, zum Beispiel Lungenentzündung, Harnwegsinfekt, eitrige Hautwunde, entzündete Zähne, Hirnhautentzündung oder Durchfallerkrankung.
- Infizierte Prothesen oder Katheter.
- Erreger sind meist Bakterien, seltener Viren, Pilze oder Parasiten.
- Besonders gefährdet: ältere Menschen, Schwangere, Neugeborene, Menschen im Krankenhaus und Menschen mit geschwächter Abwehr.
Symptome
- Plötzliche Verwirrtheit oder veränderter Bewusstseinszustand.
- Schnelle Atmung, Kurzatmigkeit.
- Herzrasen, schwacher Puls oder niedriger Blutdruck.
- Fieber mit Schüttelfrost – oder eine zu niedrige Körpertemperatur.
- Feuchte, verschwitzte Haut.
- Wenig Urin.
- Starke Schmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
- Hinweise auf den Ausgangsherd, zum Beispiel Husten, Bauchschmerzen, eine gerötete, schmerzende Wunde oder Brennen beim Wasserlassen.
Therapie
- Sepsis und septischer Schock gelten als Notfall, die Behandlung beginnt sofort (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Nach Abnahme von Blutkulturen werden Antiinfektiva, meist Antibiotika, so früh wie möglich in die Vene gegeben und später an den Erreger angepasst.
- Der Infektionsherd wird gesucht und, wenn möglich, beseitigt, manchmal durch eine Operation.
- Infusionen stützen den Kreislauf. Reicht das nicht, kommen Vasopressoren (gefäßverengende Mittel) dazu.
- Bei schweren Verläufen werden Organe auf der Intensivstation unterstützt.
Pflege
- Bei Infektionen regelmäßig Atemfrequenz, Puls, Blutdruck, Temperatur, Sauerstoffsättigung und Bewusstsein erheben.
- Ein Screeninginstrument wie NEWS2 so anwenden, wie es im Haus festgelegt ist.
- Hautfarbe, Hauttemperatur und Schweiß beobachten. Die Rekapillarisierungszeit gibt Hinweise auf die Durchblutung.
- Urinausscheidung beobachten und bilanzieren.
- Bei Verdacht sofort ärztlich melden. Außerhalb der Klinik gilt: Notruf 112 (Quelle: gesund.bund.de 2026).
- Zeitpunkte genau dokumentieren: erste Zeichen, Meldung, Blutkulturen, erste Antibiotikagabe.
- Hygiene einhalten: Händedesinfektion, sorgfältiger Umgang mit Kathetern und Zugängen.
- Nach der Akutphase Betroffene und Angehörige über mögliche Spätfolgen und Selbsthilfegruppen informieren.
Vorbeugung
- Impfungen nach STIKO, besonders gegen Influenza, COVID-19, RSV, Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Gründliche Händehygiene, im Alltag und in Einrichtungen.
- Infektionen früh ärztlich abklären und behandeln lassen.
- Verordnete Antibiotika so einnehmen, wie sie verschrieben wurden.
- In Kliniken: Infektionsprävention, etwa bei Gefäßkathetern, und gezielter Antibiotikaeinsatz (Antimicrobial Stewardship).
Komplikationen
- Septischer Schock mit Kreislaufversagen.
- Schäden an mehreren lebenswichtigen Organen, etwa Lunge, Nieren und Gehirn.
- Tod: In Deutschland stirbt etwa alle 6 Minuten ein Mensch an einer Sepsis (Quelle: RKI 2026).
- Spätfolgen nach Intensivbehandlung (Post-Intensive-Care-Syndrom, PICS), oft verzögert: körperlich (Schwäche, Müdigkeit, Schmerzen), kognitiv (Gedächtnis, Konzentration), psychisch (Angst, Depression, posttraumatische Belastungsstörung) (Quelle: S3 Sepsis 2025).
Ergänzt aus Leitlinien
- Organfunktionsstörung nach Sepsis-3: Der SOFA-Score steigt um mindestens 2 Punkte (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Septischer Schock: Vasopressoren sind trotz ausreichender Infusion nötig, um einen mittleren arteriellen Druck ab 65 mmHg zu halten, und das Laktat liegt über 2 mmol/l (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- qSOFA: Atemfrequenz ab 22/min, veränderter Bewusstseinszustand, systolischer Blutdruck bis 100 mmHg. Ab 2 Kriterien ist eine Sepsis wahrscheinlich, ein negativer qSOFA schließt sie nicht aus (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Grenze des qSOFA: wenig sensitiv, daher nicht als alleiniges Screening. Vorgezogen werden NEWS, NEWS2, MEWS oder SIRS (Quelle: SSC 2026).
- SIRS-Kriterien (Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Leukozyten) stammen aus den überholten Definitionen von 1992 und 2001. Für Infektionen sind sie wenig spezifisch und wenig sensitiv (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Starke Empfehlungen: regelmäßiges Screening bei Infektionsverdacht außerhalb der Intensivstation und Laktatmessung bei Sepsisverdacht. Vor Antibiotika mindestens 2 Blutkultur-Sets (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Antiinfektiva möglichst rasch geben, bei septischem Schock idealerweise binnen 1 Stunde. Bei Verdacht ohne Schock erst zügig abklären, bei bleibendem Verdacht binnen 3 Stunden behandeln (Quelle: S3 Sepsis 2025).
- Die internationale Leitlinie 2026 nennt 1 Stunde auch bei wahrscheinlicher Sepsis ohne Schock (Quelle: SSC 2026).
- Anfangs-Zielwert des mittleren arteriellen Drucks: 65 mmHg. Vasopressor der ersten Wahl: Noradrenalin (Quelle: S3 Sepsis 2025).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: S3 Sepsis 2025 – AWMF S3-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge, Reg.-Nr. 079-001, Version 4.0, Stand 30.04.2025, Kurz- und Langfassung, Deutsche Sepsis-Gesellschaft; SSC 2026 – Prescott H. C. et al., Surviving Sepsis Campaign – international guidelines for management of sepsis and septic shock 2026, Intensive Care Medicine 52, 863–936, 2026; gesund.bund.de 2026 – Bundesministerium für Gesundheit, Sepsis, Stand 18.03.2026, geprüft durch die Deutsche Sepsis-Gesellschaft; WHO 2024 – World Health Organization, Fact sheet Sepsis, 03.05.2024; RKI 2026 – Robert Koch-Institut, Themenseite Sepsis, Stand 02.09.2026. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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