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Schmerz und Schmerzmanagement
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Schmerz ist ein unangenehmes Erleben, das Körperempfinden und Gefühle zugleich betrifft. Er ist mit einer echten oder drohenden Gewebeschädigung verbunden – oder fühlt sich so an. Schmerz ist immer persönlich. Schmerzmanagement heißt: Schmerzen systematisch einschätzen, gemeinsam behandeln und den Verlauf prüfen.
Was im Körper passiert
In Haut, Muskeln, Gelenken und Organen liegen besondere Nervenenden, die Nozizeptoren. Sie reagieren erst auf starke, schädigende Reize wie Hitze, Druck oder Entzündung und melden sie über Nerven und Rückenmark an das Gehirn (Nozizeption). Erst im Gehirn entsteht Schmerz als Erleben. Angst, Stimmung und frühere Erfahrungen verstärken oder dämpfen ihn.
Akuter Schmerz schützt: Er warnt vor Gefahr und sorgt dafür, dass verletzte Körperteile geschont werden. Das schnelle Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte ist dagegen ein Reflex über das Rückenmark; er beginnt schon, bevor der Schmerz gespürt wird. Hält Schmerz lange an, kann das Nervensystem empfindlicher werden. Dann tut schon eine leichte Berührung weh (Allodynie), und der Schmerz verliert seine Warnaufgabe.
Schmerzarten und Ursachen
- Nozizeptiver Schmerz: Gewebe ist verletzt oder bedroht, z. B. Wunde, Entzündung, Knochenbruch.
- Neuropathischer Schmerz: Nerven selbst sind geschädigt oder erkrankt.
- Noziplastischer Schmerz: Die Schmerzverarbeitung ist verändert, ohne klaren Schaden an Gewebe oder Nerven.
- Akuter Schmerz: beginnt plötzlich, dauert begrenzt, warnt und schützt.
- Chronischer Schmerz: besteht über Monate dauerhaft oder immer wieder; die Warnfunktion fehlt.
- Tumorschmerz: durch Tumor oder Metastasen, z. B. in Knochen oder an Nerven.
- Durchbruchschmerz: plötzliche starke Schmerzattacke trotz Dauertherapie, von selbst oder bei Bewegung.
Symptome
- Die Person nennt Ort, Stärke, Art und Verlauf der Schmerzen.
- Verzerrter oder angespannter Gesichtsausdruck, Stöhnen
- Unruhige oder angespannte Körperhaltung
- Veränderte Atmung, Schwitzen, schneller Herzschlag
- Lässt sich schwer trösten; bei chronischem Schmerz oft weniger Aktivität und Rückzug
- Fehlen diese Zeichen, kann trotzdem Schmerz bestehen.
Therapie
- Ziel: Schmerz auf ein für die Person annehmbares Maß senken und Lebensqualität erhalten.
- Medikamente nach ärztlicher Anordnung: Nicht-Opioide (z. B. Paracetamol, Metamizol, Ibuprofen), Opioide (z. B. Tramadol, Morphin), Begleitmedikamente etwa bei Nervenschmerzen.
- Das WHO-Stufenschema ordnet die Mittel nach Schmerzstärke. Bei starken Schmerzen kann die Behandlung auf einer höheren Stufe beginnen.
- Bei Durchbruchschmerz: schnell wirkende Bedarfsmedikation nach Anordnung
- Ohne Medikamente: Bewegung, Entspannung, Wärme oder Kälte, Massage, Ablenkung, Musik
- Bei Tumorschmerz auch Strahlentherapie schmerzhafter Metastasen
Pflege
- Zu Beginn der Versorgung und in festgelegten Abständen nach Schmerzen fragen.
- Bei Schmerzen genauer einschätzen: akut oder chronisch, stabil oder instabil.
- Selbstauskunft geht vor. Ist sie nicht möglich: Verhalten beobachten (z. B. BESD) und Angehörige einbeziehen.
- Den Behandlungsplan mit Person, Angehörigen und Team abstimmen und koordinieren.
- Wirkung und Nebenwirkungen beobachten, dokumentieren und weitergeben.
- Schmerzhafte Situationen bei der Pflege möglichst vermeiden.
- Informieren, schulen und beraten; Selbstmanagement stärken.
- Den Verlauf regelmäßig und bei Anlass prüfen. Wird die Schmerzsituation instabil, wird der Behandlungsplan gemeinsam mit der Person und den beteiligten Berufsgruppen angepasst (Quelle: DNQP 2020).
Vorbeugung
- Zu erwartende Schmerzen, z. B. bei pflegerischen Maßnahmen, vorausschauend einplanen.
- Akute Schmerzen konsequent behandeln – auch, um einer Chronifizierung vorzubeugen.
- Bei Opioiden der Verstopfung von Anfang an vorbeugen.
- Person und Angehörige anleiten, selbst mit Schmerzen umzugehen.
Komplikationen
- Chronifizierung mit empfindlicherem Nervensystem
- Eingeschränkter Alltag, gedrückte Stimmung, sozialer Rückzug
- Übersehene Schmerzen bei Demenz oder fehlender Sprache
- Nebenwirkungen von Opioiden: Verstopfung, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit
- Bei höheren Opioiddosen: Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen
- Atemdepression: gefährlich gedämpfte Atmung durch Opioide
Ergänzt aus Leitlinien
- Schmerz umfasst Sinneserleben und Gefühl. Die Schilderung der Person zählt; auch wer nicht sprechen kann, kann Schmerzen haben. (Quelle: IASP 2020)
- Chronischer Schmerz: dauerhaft oder wiederkehrend über mindestens 3 Monate. (Quelle: DNQP 2020)
- Zahlenskala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (stärkste Schmerzen); Wortskala: kein – leicht – mittel – schwer. (Quelle: Patientenleitlinie Palliativmedizin 2021)
- BESD bei Demenz: 5 Bereiche (Atmung, Lautäußerung, Gesicht, Körpersprache, Trost), je 0–2 Punkte; 2 Minuten beobachten, am besten bei Aktivität. Auch 0 Punkte schließen Schmerz nicht aus. (Quelle: DGSS 2013)
- WHO-Stufen: 1 Nicht-Opioid; 2 Nicht-Opioid und schwaches Opioid; 3 Nicht-Opioid und starkes Opioid; ergänzend Begleitmedikamente. Nicht jede Stufe muss durchlaufen werden. (Quelle: Patientenleitlinie Palliativmedizin 2021)
- Die Stufenleiter dient als Lehr- und Orientierungshilfe. Grundsätze: möglichst über den Mund, nach festem Zeitplan, individuell, sorgfältig. (Quelle: WHO-Leitlinie 2018)
- Schmerzen haben 55 % der Menschen unter Krebsbehandlung und 66 % bei fortgeschrittenem Krebs. (Quelle: WHO-Leitlinie 2018)
- Zu Opioiden wird fast immer ein Abführmittel empfohlen, um Verstopfung vorzubeugen und zu behandeln. (Quelle: Patientenleitlinie Palliativmedizin 2021)
- Warnzeichen einer Opioid-Überdosis: sehr enge Pupillen, Bewusstlosigkeit, Atemprobleme. Das Risiko steigt mit Alkohol oder Benzodiazepinen. (Quelle: WHO 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: DNQP 2020 – Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020, frei zugänglicher Auszug und Ablaufschema; IASP 2020 – Revised definition of pain, Mitteilung vom 16.07.2020 (veröffentlicht in PAIN 2020); IASP 2024 – Terminology, aktualisiert 12.11.2024; DGSS 2013 – Deutsche Schmerzgesellschaft, Arbeitskreis Alter und Schmerz, BESD – Beurteilung von Schmerzen bei Demenz, Kurzanleitung, Stand Juni 2013; WHO-Leitlinie 2018 – WHO Guidelines for the pharmacological and radiotherapeutic management of cancer pain in adults and adolescents, Genf 2018; WHO 2025 – Fact sheet Opioid overdose, 29.08.2025; Patientenleitlinie Palliativmedizin 2021 – Leitlinienprogramm Onkologie, Patientenleitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung, 2. Auflage, Stand November 2021; IQWiG – gesundheitsinformation.de, Glossar Opioide, ohne Datum; S3-Leitlinie Schmerzassessment 2018 – AWMF-Register 145-001, Schmerzassessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe, Stand 02/2018, Gültigkeit abgelaufen, Suchauszug vom 30.09.2026. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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