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Polytrauma
polytraumatisiert (schwerster Verletzungsgrad) · Schwerstverletzter
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Beim Polytrauma sind mehrere Körperregionen oder Organe gleichzeitig verletzt. Mindestens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer ist lebensbedrohlich.
Was im Körper passiert
Große Gewalt verletzt mehrere Stellen zugleich. Jeder Knochenbruch verletzt auch Muskeln, Bänder, Fett und Haut – das blutet meist. Risse von Milz, Leber oder Nieren kosten sehr viel Blut; der Blutverlust führt in den Volumenmangelschock. Eine verletzte Lunge (z. B. Pneumothorax) stört die Atmung, ein Schädel-Hirn-Trauma das Bewusstsein. Erst das Zusammenwirken macht die Lage oft lebensgefährlich.
Ursachen und Risikofaktoren
- große Gewalteinwirkung auf den Körper
- betroffen v. a. das Bewegungssystem: Brüche von Unterarm, Oberarm, Unterschenkel, Oberschenkel, Wirbelsäule, Becken
- innere Organe: Milz-, Leber-, Nierenruptur, Harnwege und Blase, Lunge (inkl. Pneumothorax)
- Nerven: periphere Nerven, Gehirn (Schädel-Hirn-Trauma), Rückenmark
Symptome
- schneller Puls, niedriger RR, blasse kalte Haut, Unruhe → Blutverlust, Schock
- Prellungen, sich verschlechternder Allgemeinzustand → innere Verletzung
- Atemnot, Bluthusten → Verletzung von Brustkorb oder Lunge
- Bewusstseinsstörung → Schädel-Hirn-Trauma
- Lähmung, Gefühlsstörung → Nerven- oder Rückenmarkverletzung
Therapie
- Unfallstelle sichern, Selbstschutz, Verletzte an einen sicheren Ort bringen
- Vitalparameter prüfen, Notruf; ggf. Reanimation; bewusstlos mit ausreichender Atmung → stabile Seitenlage
- Blutung: Handschuhe; Druckverband, bei starker Blutung drücken, bis sie steht; Fremdkörper nicht entfernen; Wunden keimfrei verbinden, kein Puder, keine Salbe, kein Spray
- innere Verletzung: Schonhaltung unterstützen, bei Bauchschmerz Knierolle; bei Atemnot den Brustkorb nicht umfassen Brüche gepolstert ruhigstellen, offene steril abdecken, geschlossene kühlen
- Schock behandeln: Blutung stoppen, Zugang, Volumen, ggf. Blutkonserven
Pflege
- Vitalzeichen, Bewusstsein und Schmerzen engmaschig überwachen und dokumentieren
- verletzte Gliedmaßen auf zunehmende Schwellung und Schmerzen beobachten (Kompartmentsyndrom?)
- beruhigen, nicht allein lassen
Komplikationen
- hoher Blutverlust → Volumenmangelschock → Multiorganversagen
- Kompartmentsyndrom bei geschlossener Fraktur mit Weichteilschaden
- Funktionsausfall verletzter Organe
- Lähmung bis Querschnittslähmung
Ergänzt aus Leitlinien
- Vorgehen nach dem ABCDE-Schema: Atemwege, Atmung, Kreislauf, neurologischer Status, Entkleiden/Untersuchen
- mit Wärmeerhalt (Quelle: MSD Manual Vorgehen beim Traumapatienten 2026)
- starke äußere Blutung mit direktem Druck stillen; an Armen und Beinen ein Tourniquet, wenn Druck nicht reicht (Quelle: MSD Manual Traumapatient 2026)
- Halswirbelsäule möglichst wenig bewegen, bis eine Verletzung ausgeschlossen ist (Quelle: MSD Manual Traumapatient 2026)
- Unterkühlung verhindern: Wärmedecken, angewärmte Infusionen (Quelle: MSD Manual Traumapatient 2026)
- zwei großlumige Zugänge; bei massiver Blutung früh Tranexamsäure (innerhalb von 3 Stunden) (Quelle: MSD Manual Traumapatient 2026)
- Schwerverletzte profitieren am meisten von einem Traumazentrum; oft CT von Kopf, Wirbelsäule, Brust, Bauch und Becken (Quelle: MSD Manual Traumapatient 2026)
- 3 Merksätze
- 1. Polytrauma = mehrere Verletzungen gleichzeitig, mindestens eine oder ihre Kombination ist lebensbedrohlich.
- 2. Hauptgefahren: hoher Blutverlust mit Schock und Ausfall verletzter Organe → starke Blutung sofort stoppen.
- 3. Erst Eigenschutz und Notruf, dann Vitalfunktionen nach ABCDE sichern, Halswirbelsäule schonen, Wärme erhalten.
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi: Vorgehen beim Traumapatienten (2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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