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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
pAVK, PAVK, Schaufensterkrankheit, Claudicatio intermittens, arterielle Verschlusskrankheit, Raucherbein, kritische Extremitätenischämie, CLTI, Durchblutungsstörung der Beine, akuter Arterienverschluss, Fontaine-Stadien
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sind Arterien verengt oder verschlossen, die die Beine oder – seltener – die Arme mit Blut versorgen. Meist – in rund 95 % der Fälle – steckt eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) dahinter (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
Was im Körper passiert
An der Innenwand der Arterie lagern sich über Jahre Blutfette, Kalk, Bindegewebe und Gerinnsel ab (Plaques). Das Gefäß wird enger. In Ruhe reicht die Blutmenge oft noch, beim Gehen brauchen die Muskeln aber mehr Sauerstoff. Kommt zu wenig an, schmerzt der Muskel wie bei einem Wadenkrampf. Regelmäßiges Gehen hilft dem Körper, Umgehungsgefäße (Kollateralen) zu weiten oder neu zu bilden.
Wird die Engstelle größer, reicht das Blut auch in Ruhe nicht mehr. Zuerst leidet der entfernteste Teil, meist der Vorfuß. Liegt das Bein hoch, kommt noch weniger Blut an; deshalb schmerzt es oft nachts. Wunden heilen nicht mehr, Gewebe kann absterben.
Ursachen und Risikofaktoren
- Hauptursache ist die Arteriosklerose der Bein- und Beckenarterien.
- Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor.
- Weitere Risikofaktoren: Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Nierenschwäche, starkes Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Höheres Alter und männliches Geschlecht erhöhen das Risiko.
- Die Gefäßverkalkung betrifft meist auch andere Arterien, etwa am Herzen oder im Gehirn.
Symptome
- Anfangs oft keine Beschwerden (Zufallsbefund).
- Belastungsschmerz (Claudicatio intermittens): krampfartige Schmerzen in Wade, Oberschenkel oder Fuß beim Gehen, die in Ruhe nach wenigen Minuten nachlassen. Wegen der häufigen Pausen heißt die pAVK auch „Schaufensterkrankheit“.
- Ruheschmerz: Schmerzen auch ohne Belastung, besonders nachts bei hochliegenden Beinen.
- Haut an Bein oder Fuß kühl und blass, manchmal bläulich gefleckt.
- Wunden und Gewebetod: schlecht heilende Wunden, dunkelblaue bis schwarze Hautstellen, oft an den Zehen (Gangrän).
- Akuter Arterienverschluss: Notfall mit plötzlichem, heftigem Schmerz; das Bein ist sehr blass („leichenblass“), kalt und fühlt sich taub an.
Therapie
- In jedem Stadium: Risikofaktoren behandeln – vor allem Rauchstopp, dazu Blutdruck, Blutzucker und Blutfette.
- In frühen Stadien hilft strukturiertes Gehtraining am meisten, am besten angeleitet in einer Gefäßsportgruppe: gehen bis zum Schmerz, Pause, dann weitergehen.
- Ungeeignet ist das Training etwa bei schmerzhaften Fußgeschwüren oder schweren Herzkrankheiten.
- Bei Beschwerden (symptomatische pAVK): Thrombozytenaggregationshemmer gegen das Verklumpen der Blutplättchen, meist Acetylsalicylsäure, bei Unverträglichkeit Clopidogrel. Ohne Beschwerden werden sie nicht routinemäßig gegeben (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Statine senken das LDL-Cholesterin und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Revaskularisation per Katheter (Ballon, Stent) oder Operation (Bypass, Ausschälung) – bei Ruheschmerz, Wunden oder starker Einschränkung trotz anderer Behandlung.
- Eine Amputation ist nur der letzte Ausweg.
Pflege
- Füße regelmäßig ansehen: Farbe, Temperatur, Druckstellen, Risse, Wunden, Nägel. Veränderungen dokumentieren und weitergeben.
- Auf bequeme, passende Schuhe achten; Nagel- und Hornhautpflege durch medizinische Fußpflege (Podologie).
- Im Liegen fachgerecht lagern, damit vor allem an den Fersen keine Druckgeschwüre entstehen (Quelle: DGA 2025).
- Beobachten, ob Schmerzen beim Hochlagern zunehmen – Hinweis auf Ruheschmerz (Quelle: IQWiG 2024).
- Wunden genau beobachten und professionell versorgen lassen.
- Zum Gehtraining motivieren und auf Gefäßsportgruppen hinweisen.
- Zum Rauchstopp beraten.
- Unter Plättchenhemmern auf Blutungszeichen achten, besonders aus dem Magen-Darm-Trakt.
- Zeichen eines akuten Verschlusses sind ein Notfall: sofort Notruf 112, im Krankenhaus sofort ärztlich melden. Das Bein bis zur Versorgung nicht kühlen und keine durchblutungsfördernden Salben auftragen (Quelle: IQWiG 2024).
Vorbeugung
- Nicht rauchen oder mit dem Rauchen aufhören.
- Viel bewegen, ausgewogen essen, ein gesundes Gewicht halten.
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gut einstellen lassen.
- Füße schützen: passende Schuhe, regelmäßige Kontrolle, medizinische Fußpflege.
- Nach Eingriffen: Nachsorge wahrnehmen, früh wieder mit Gehtraining beginnen.
Komplikationen
- Chronische Wunden und Druckgeschwüre, vor allem an Zehen und Fersen.
- Gangrän und chronische, das Bein bedrohende Minderdurchblutung (CLTI).
- Akuter Arterienverschluss.
- Amputation bei sehr schwerem Verlauf.
- Herzinfarkt und Schlaganfall, weil die Arteriosklerose auch Herz- und Hirngefäße betrifft.
- Nach Eingriffen: Blutergüsse, Nachblutung, Infektion oder erneuter Verschluss.
Ergänzt aus Leitlinien
- Stadien nach Fontaine: I ohne Beschwerden; IIa schmerzfreie Gehstrecke über 200 m; IIb unter 200 m; III Ruheschmerz; IV Wunden oder abgestorbenes Gewebe (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Ruheschmerz und/oder Haut- und Gewebeschäden kennzeichnen die CLTI (chronic limb-threatening ischemia). Der Begriff ersetzt „kritische Extremitätenischämie“ (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Ein Knöchel-Arm-Index (ABI) von 0,9 oder darunter beweist eine relevante pAVK (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Ein normaler oder hoher ABI schließt eine pAVK nicht sicher aus: Bei Diabetes ist der ABI in 10–30 % wegen einer Mediasklerose nicht verwertbar (falsch hohe Werte über 1,3) (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Häufigkeit: insgesamt 3–10 %, ab 60 Jahren etwa 10 %, ab 70 Jahren 15–20 % (Quelle: S3-Leitlinie pAVK 2024).
- Gehtraining: mindestens dreimal pro Woche je 30–60 Minuten (Quelle: DGA 2025), über mindestens 3 Monate (Quelle: IQWiG 2024). Angeleitet verlängert es die schmerzfreie Gehstrecke im Mittel um über 50 % (Quelle: IQWiG 2024).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: S3-Leitlinie pAVK 2024 (AWMF-Register 065-003, S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, Version 4.3 vom 25.11.2024); IQWiG 2024 (gesundheitsinformation.de, Durchblutungsstörung der Beine (PAVK) mit Unterseiten zu Gehtraining, Medikamenten und Eingriffen, erstellt 28.02.2024); gesund.bund.de 2026 (Bundesministerium für Gesundheit, Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Stand 05.02.2026); DGA 2025 (Deutsche Gesellschaft für Angiologie, PAVK-Ratgeber Durchblutungsstörungen der Beine und des Beckens, 4. Auflage Juni 2025); MSD Manual pAVK (MSD Manual Profi-Ausgabe, Periphere arterielle Verschlusskrankheit, Fassung ohne Datum im Suchauszug vom 30.09.2026). Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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