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Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung)
Ohrspeicheldrüsenentzündung; bakterielle akute Parotitis (Parotitis acuta); virale Parotitis epidemica = Mumps
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea, kurz Parotis). Unterschieden werden die bakterielle akute Parotitis und die virale Parotitis epidemica (Mumps).
Was im Körper passiert
Die Ohrspeicheldrüse gibt ihren Speichel über einen Ausführungsgang (Stenon-Gang, Ductus parotideus) in den Mund ab. Wird wenig gekaut und getrunken, bildet die Drüse wenig Speichel. Dann können Keime aus dem Mund gegen den Speichelstrom über den Gang in die Drüse aufsteigen (retrograd) und sie entzünden. Die Drüse schwillt an und schmerzt unterhalb des Ohrläppchens und am Unterkiefer. Beim Mumps ist ein Virus die Ursache.
Ursachen und Risikofaktoren
- aufsteigende (verschleppte) Keime über den Ausführungsgang; beim Mumps Viren
- wenig Speichel und Kauen: Nahrungskarenz vor/nach OP, Sondenernährung, passierte Kost, fehlende Zahnprothese, Mundatmung, fehlendes Durstgefühl, Kauverbot (z. B. bei Gesichtserysipel)
- geschwächte Abwehr (z. B. HIV, Autoimmunerkrankungen), Krebs v. a. nach Kopf-Hals-Bestrahlung und/oder
- Chemotherapie, Infektionskrankheiten
- endotracheale Beatmung, Antibiotika, Steroid-Inhalation
- außerdem Stoffwechselstörungen (u. a. Leber, Niere, Pankreas) und hormonelle Störungen
Symptome
- Schmerz unter dem Ohrläppchen bzw. am Unterkiefer → entzündete, geschwollene Drüse
- weitere Zeichen (Fieber, Eiter): siehe „Ergänzt“
Therapie
- bakteriell und viral: siehe „Ergänzt“
Pflege
- Parotitisprophylaxe: Speichelfluss durch Kauen und Lutschen anregen (Brotrinde, Kaugummi, Bonbons, Obst, Eiswürfel), Früchte- und Kräutertees; ggf. künstlicher Speichel
- gründliche Mund- und Zahnpflege wie bei der Soorprophylaxe; Zahnprothese reinigen und einsetzen
- keine Kamille, Blutwurz, Myrrhe oder Zitrone im Tee → trocknen die Schleimhaut aus
Vorbeugung
- Parotitisprophylaxe bei allen Risikopersonen, besonders bei Nahrungskarenz, Sondenernährung und Kauverbot
- Mumps: Impfung, siehe „Ergänzt“
Komplikationen
- dauerhafte Mundtrockenheit (Xerostomie): Zunge klebt, Kehle ist trocken, Sprechen und Schlucken fallen schwer, Mundgeruch
- Mundschleimhaut brennt und ist berührungsempfindlich
- Abszess, Mumps-Komplikationen: siehe „Ergänzt“
Ergänzt aus Leitlinien
- bakterielle Parotitis: meist nach verminderter Speichelbildung oder Verlegung des Gangs; häufigster Erreger
- Staphylococcus aureus; v. a. 50- bis 60-Jährige und chronisch Kranke mit Mundtrockenheit (Quelle: MSD Manual, Sialadenitis 2026)
- Zeichen: Fieber, Schüttelfrost, einseitige schmerzhafte Schwellung; Druck auf die Drüse → Eiter aus dem Gang;
- Diagnostik zuerst Ultraschall, ggf. CT/MRT (Abszess) (Quelle: MSD Manual, Sialadenitis 2026)
- Therapie bakteriell: Antibiotika gegen Staphylococcus aureus, Flüssigkeit, Speichelfluss anregen (z. B. Lutschbonbons), warme Umschläge, Drüsenmassage, Mundhygiene; Abszess → Drainage (Quelle: MSD Manual, Sialadenitis 2026)
- Mumps: Tröpfchen- und Speichelübertragung; Inkubation meist 16–18 Tage; Schwellung meist beidseitig (70–80 %);
- 30–40 % subklinisch; Therapie nur symptomatisch (Quelle: RKI-Ratgeber Mumps 2023)
- Mumps-Komplikationen: Hodenentzündung (15–30 % der erwachsenen Männer), Hirnhautentzündung (1–10 %), Pankreatitis (ca. 4 %), selten bleibende Taubheit (Quelle: RKI-Ratgeber Mumps 2023)
- Mumps-Vorbeugung: MMR-Impfung mit 11–14 und 15–23 Monaten (STIKO); meldepflichtig (IfSG); im Krankenhaus
- Tröpfchenschutz/Isolierung bis 9 Tage nach Symptombeginn; Gemeinschaftseinrichtung frühestens 5 Tage nach
- Erkrankungsbeginn (Quelle: RKI-Ratgeber Mumps 2023)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: RKI-Ratgeber Mumps (Stand 20.02.2023); MSD Manual Professional, Sialadenitis (Juni 2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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