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Orale Mukositis
Mundschleimhautentzündung (unter Chemo- oder Strahlentherapie)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Entzündung der Mundschleimhaut, meist als Nebenwirkung einer Chemotherapie oder Bestrahlung.
Was im Körper passiert
Die Zellen der Mundschleimhaut leben nur 10–14 Tage und werden ständig neu gebildet. Zytostatika und Strahlen bremsen diese Zellteilung. Die Schleimhaut wird dünn und verletzt sich schnell. Erreger, besonders Pilze, dringen leichter ein. Fehlen zusätzlich Leukozyten (Leukozytopenie), ist die Abwehr schwach und die Entzündung entsteht besonders leicht – bis zu schmerzhaften Erosionen und Geschwüren.
Ursachen und Risikofaktoren
- Chemotherapie, v. a. bestimmte Zytostatika (z. B. MTX, Vinblastin), Hochdosis-Chemotherapie, allogene
- Knochenmarktransplantation
- Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich
- Risiko ↑: Mundtrockenheit (Xerostomie), schlechte Mundhygiene, vorgeschädigte Schleimhaut, jüngeres Alter
- (schnellere Zellteilung)
Symptome
- Leitsymptome: Schmerzen und erschwerte Nahrungsaufnahme → je tiefer der Schaden, desto stärker
- Grad I: Brennen, empfindlich gegen heiße oder scharfe Speisen; leichte Rötung einzelner Stellen, Schwellung
- Grad II: Schmerzen beim Essen, weiche Kost geht noch; fleckige Rötung (Erythem), einzelne Beläge, kleine Erosionen (≤ 5 mm)
- Grad III: starke Schmerzen und Brennen auch ohne Essen, oft nur Trinken möglich; zusammenfließende Blasen, flächige Erosionen, ca. 25 % der Schleimhaut mit Ulzerationen, evtl. leicht blutend, Aphthen
- Grad IV: sehr starke Schmerzen, keine orale Ernährung; blutende Ulzerationen und Nekrosen, ca. 50 % der Schleimhaut
Therapie
- lokale Schmerztherapie: Spüllösung mit Lokalanästhetikum (Stomatitislösung), v. a. vor dem Essen
- bei Mukositis durch Bestrahlung evtl. Morphin- oder Doxepin-Mundspülungen
- ab Grad III systemische Schmerztherapie (z. B. Morphin)
- filmbildende Mundgele oder -lösungen
- Trinknahrung, später parenterale Ernährung
- Pilzbefall: Antimykotika nach ärztlicher Anordnung (z. B. Amphotericin B oder Nystatin lokal)
Pflege
- Mund- und Zahnpflege nach jeder Mahlzeit und vor dem Schlafen, weiche Zahnbürste, Zahnzwischenräume
- oft spülen und anfeuchten (Wasser, Kochsalzlösung, Salbeitee); keine alkoholhaltigen, austrocknenden Lösungen
- Speichelfluss anregen (zuckerfreie Bonbons, Kaugummi); viel trinken, solange es geht
- Eiswürfel lutschen während der Zytostatikagabe
- weiche, nicht heiße Kost; Scharfes und Saures meiden
- nach Lokalanästhetikum-Spülung Verschluckgefahr beachten
- zur konsequenten Mundpflege motivieren, auch wenn der Erfolg nicht sofort sichtbar ist
Vorbeugung
- vor Therapiebeginn zum Zahnarzt: Zahnstein und Zahntaschen reinigen, kariöse Zähne behandeln
- Kryotherapie (Eiswürfel) bei 5-Fluorouracil und Hochdosis-Melphalan
- vor Strahlentherapie: Low-Level-Lasertherapie im Mund erwägen; Zink (oral) oder Benzydamin-Mundspülungen
- können helfen
- nicht rauchen, kein Alkohol
Komplikationen
- Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel → Essen und Trinken schmerzen
- Infektionen, besonders Pilze; gefährlich bei Leukozytopenie
- Blutungen aus Ulzerationen
- Unterbrechung der Krebstherapie in schweren Fällen
Ergänzt aus Leitlinien
- zahnärztliche Kontrolle und Sanierung vor Therapiebeginn (Quelle: Krebsinformationsdienst, Schleimhautentzündungen 2022) 4- bis 6-mal täglich ca. 1 min mit 15 ml Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung spülen; NaCl 0,9 % mit stärkerem Empfehlungsgrad (Quelle: Krebsinformationsdienst 2022; S3-Leitlinie Supportive Therapie, Version 2.1 2026)
- Kryotherapie v. a. bei 5-Fluorouracil und Hochdosis-Melphalan (Quelle: Krebsinformationsdienst 2022; S3-Leitlinie Supportive Therapie 2026)
- vor Strahlentherapie Low-Level-Lasertherapie (Photobiomodulation), Zink oral oder Benzydamin-Mundspülungen (Quelle: Krebsinformationsdienst 2022)
- bei Strahlen-Mukositis evtl. Morphin- oder Doxepin-Mundspülungen; Rauchen, Alkohol, scharfe, saure, sehr heiße
- Speisen meiden (Quelle: Krebsinformationsdienst 2022)
- schwere Mukositis kann eine Therapieunterbrechung erzwingen (Quelle: Krebsinformationsdienst 2022)
- 3 Merksätze
- 1. Mundschleimhaut erneuert sich alle 10–14 Tage – deshalb trifft die Tumortherapie sie besonders stark.
- 2. Grad III = oft nur noch Trinken, Grad IV = keine orale Ernährung mehr.
- 3. Vorbeugen ist entscheidend: Zahnarzt vorher, weiche Bürste, oft spülen, Speichelfluss anregen.
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: Krebsinformationsdienst (DKFZ): Schleimhautentzündungen 2022; S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Leitlinienprogramm Onkologie, Version 2.1 (2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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