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Obstipation (Verstopfung)
Verstopfung
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Unbefriedigende Stuhlentleerungen seit mindestens 3 Monaten mit mindestens zwei dieser Zeichen (die ersten vier jeweils bei mehr als ¼ der Entleerungen): starkes Pressen, klumpiger oder harter Stuhl, Gefühl unvollständiger Entleerung oder einer Verlegung des Darms, Nachhelfen mit der Hand, weniger als 3 Stuhlentleerungen pro Woche.
Was im Körper passiert
Die Darmbewegung (Peristaltik) transportiert den Stuhl zum Enddarm. Opioide erhöhen die Spannung der glatten Darmmuskulatur und bremsen so die Peristaltik; auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion arbeitet der Darm langsamer. Fehlt Flüssigkeit oder werden Ballaststoffe ohne genug Wasser gegessen, wird der Stuhl hart und klumpig. Ist der Körper geschwächt, reicht die Bauchpresse nicht aus. Wer den Stuhldrang oft unterdrückt, z. B. aus Scham oder wegen Schmerzen bei Hämorrhoiden, verliert mit der Zeit den Entleerungsreiz.
Ursachen und Risikofaktoren
- zu wenig essen und trinken; Ballaststoffe ohne ausreichend Wasser
- Bewegungsmangel, körperliche Schwäche (schwache Bauchpresse)
- Stress, Reise, Scham, fremde Umgebung; unterdrückter Stuhldrang
- Medikamente/Gifte: Opiate, Psychopharmaka, Antiemetika (z. B. Ondansetron), Vinca-Alkaloide, Blei
- Stoffwechsel: erhöhtes Kalzium (Hyperkalzämie), Hypokaliämie, Dehydratation, Hypothyreose, diabetische
- Nervenschädigung
- Querschnittlähmung; Tumoren, Divertikel, Strikturen nach Bestrahlung; veränderte Darmflora
Symptome
- starkes Pressen, harter Stuhl, Gefühl unvollständiger Entleerung → Stuhl kommt schwer voran
- weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche
- Völlegefühl, Unbehagen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit
Therapie
- Grundlage ist die Obstipationsprophylaxe (siehe „Pflege“)
- Laxanzien nach ärztlicher Anordnung; bei Opioidtherapie Laxanzien begleitend, weil gegen die Verstopfung keine Gewöhnung (Toleranz) eintritt
- bei Strikturen Laxanzien nur auf ausdrückliche ärztliche Anordnung
- Thrombozytopenie: Vorsicht mit Einläufen und Klysmen → Blutungsgefahr
Pflege
- Rituale ermöglichen (z. B. Kaffee am Morgen, Sitzung nach dem Frühstück); Zeit lassen; Intimsphäre wahren;
- möglichst im Sitzen entleeren
- Kolonmassage schulen: kleine Kreise entlang Colon ascendens, transversum, descendens
- ballaststoffreiche Kost (Trockenpflaumen, Feigen, Sauerkraut, Kohl, Hülsenfrüchte) mit ausreichend Flüssigkeit
- Mobilität fördern, v. a. Bewegungen mit Beugung des Oberkörpers (Hose anziehen, Schuhe binden)
Vorbeugung
- Obstipationsprophylaxe = Maßnahmen unter „Pflege“, besonders bei Bettruhe und Opioidtherapie
Komplikationen
- Hämorrhoiden
- Megakolon (stark aufgetriebener Dickdarm)
- paralytischer oder mechanischer Ileus
- Harndrang bzw. Harninkontinenz
Ergänzt aus Leitlinien
- Warnzeichen → ärztlich abklären: Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, starke Bauchschmerzen, aufgetriebener Bauch, Erbrechen, plötzlich neue starke Verstopfung im Alter (Quelle: MSD Manual, Obstipation 2026)
- weitere verstopfende Mittel: Anticholinergika (z. B. manche Antihistaminika, Antipsychotika, Parkinsonmittel), Eisen, kalzium- oder aluminiumhaltige Mittel, Kalziumantagonisten (Quelle: MSD Manual 2026)
- Laxanzien: osmotisch (z. B. Macrogol) oder stimulierend (z. B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat); Quellstoffe nur mit reichlich zusätzlicher Flüssigkeit (Quelle: MSD Manual 2026; S3-Leitlinie Palliativmedizin 3.0)
- reichen Laxanzien bei opioidbedingter Obstipation nicht: peripher wirkende Opioid-Antagonisten (PAMORA, z. B. Methylnaltrexon, Naloxegol) (Quelle: S3-Leitlinie Palliativmedizin 3.0)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Professional, Constipation (April 2026); S3-Leitlinie Palliativmedizin, Leitlinienprogramm Onkologie, Version 3.0 (Kapitel Obstipation); Rome Foundation, Rom-IV-Kriterien der funktionellen Obstipation. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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