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Neurodermitis (atopische Dermatitis)
Neurodermitis atopica, atopisches Ekzem, atopische Dermatitis
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Chronische, in Schüben verlaufende Hauterkrankung mit trockener Haut und stark juckenden Ekzemen. Gehört zum atopischen Formenkreis wie allergisches Asthma, allergische Rhinokonjunktivitis und Nahrungsmittelallergie.
Was im Körper passiert
Grundlage ist eine vererbte Neigung (Atopie). Die Schutzbarriere der Haut ist gestört: Eine Genveränderung kann die Bildung des Hauteiweißes Filaggrin hemmen, die Haut verliert Wasser und trocknet aus (s. „Ergänzt“). In der Haut laufen Entzündungen ab. Provokationsfaktoren wie Allergene oder Stress verstärken sie → Schub. Die entzündete Haut juckt stark. Kratzen verletzt sie, Keime dringen ein (Superinfektion). Langfristig entsteht eine vergröberte Haut (Lichenifikation).
Ursachen und Risikofaktoren
- genetische Veranlagung
- Schub-Auslöser (Provokationsfaktoren): z. B. Stress, Allergene; weitere s. „Ergänzt“
Symptome
- trockene Haut → Barriere hält Wasser nicht starker Juckreiz → Entzündung; führt zum Kratzen
- Ekzeme an typischen Stellen je nach Alter (s. „Ergänzt“)
- Lichenifikation (vergröberte Haut) bei langem Verlauf → dauerndes Kratzen (s. „Ergänzt“)
Therapie
- Basistherapie immer: rückfettende Ölbäder und Pflegemittel, evtl. mit Harnstoff oder Glyzerin
- Schub: Entzündung lokal hemmen mit Glukokortikoiden oder Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus)
- schwerer Verlauf: Systemtherapie, z. B. Antikörper Dupilumab (s. c.) oder JAK-Hemmer (Tabletten)
Pflege
- beobachten: Nebenwirkungen (z. B. dünne Haut unter Kortison), Zeichen einer Superinfektion (Haut, Haare, Temperatur), psychisches Befinden
- Nägel kurz; lockere, atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern
- Nahrungsmittel meiden, die nachweislich Schübe auslösen
- bei Kindern Vertrauen zu den Eltern aufbauen
- beraten: Provokationsfaktoren, Hilfen gegen Juckreiz, Selbsthilfegruppen
Vorbeugung
- Schüben vorbeugen: Provokationsfaktoren meiden, Basispflege täglich
Komplikationen
- Superinfektion der aufgekratzten Haut mit Viren (z. B. Herpes simplex), Bakterien (z. B. Staphylokokken) oder Pilzen (z. B. Dermatophyten)
- Eczema herpeticatum (s. „Ergänzt“)
- Lichenifikation
Ergänzt aus Leitlinien
- Barrierestörung: veränderte Gene → zu wenig Filaggrin → Haut verliert Feuchtigkeit; weitere Auslöser: raue Wolle, Hitze, Kälte, Zigarettenrauch, Hausstaubmilben, Pollen (Quelle: gesund.bund.de, Neurodermitis 2021)
- Typische Stellen: Säuglinge Wangen und Außenseiten von Armen und Beinen; ältere Kinder und Erwachsene
- Ellenbeugen, Kniekehlen, Nacken; betrifft 10–20 % der Kinder; bei über 80 % der Kinder ist sie ca. 10 Jahre nach Beginn überstanden (Quelle: Gesundheitsinformation.de 2021)
- Diagnose klinisch: stark juckender Ausschlag über Monate oder immer wiederkehrend (Quelle: gesund.bund.de 2021); kein Labortest beweist sie; Lichenifikation entsteht durch dauerndes Kratzen und Reiben (Quelle: MSD Manual Profi, Atopische Dermatitis 2025)
- Eczema herpeticatum: Herpes-simplex-Infektion der Ekzemhaut mit gruppierten Bläschen, kann sich im Körper
- ausbreiten und tödlich sein → Aciclovir systemisch; Befall des Auges ist ein Notfall (Quelle: MSD Manual Profi 2025) Basispflege 2-mal täglich; proaktiv Kortisonsalbe an 2 Tagen pro Woche zusätzlich; Neurodermitis-Schulungen für Familien (Quelle: gesund.bund.de 2021); bei ausgedehntem Befall auch Lichttherapie mit Schmalband-UVB (Quelle: MSD Manual 2025)
- Diäten nur bei nachgewiesener Nahrungsmittelallergie; pauschales Weglassen ist nicht belegt (Quelle: gesund.bund.de 2021; MSD Manual 2025)
- 3 Merksätze
- 1. Gestörte Hautbarriere + erbliche Neigung → trockene, stark juckende Haut; Provokationsfaktoren lösen Schübe aus. 2. Basispflege immer, im Schub lokal Kortison oder Calcineurininhibitor.
- 3. Kratzen → Superinfektion; gruppierte Bläschen auf der Ekzemhaut → an Eczema herpeticatum denken, sofort Arzt
- (kann lebensgefährlich werden).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: gesund.bund.de (BMG): Neurodermitis, 2021; Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Neurodermitis, 2021; MSD Manual Profi-Ausgabe: Atopische Dermatitis (Ekzem), 2025. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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