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Morbus Parkinson
Parkinson-Krankheit; idiopathisches (primäres) Parkinson-Syndrom (IPS)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Chronisch fortschreitende, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der die Dopamin bildenden Zellen in der Substantia nigra des Mittelhirns zugrunde gehen. Nicht heilbar, aber gut behandelbar; Beginn meist zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr.
Was im Körper passiert
In der Substantia nigra sterben nach und nach Zellen ab, die Dopamin bilden. Dopamin fehlt, sein Gegenspieler Acetylcholin wird normal gebildet. Dieses Ungleichgewicht stört die Steuerung der Bewegungen. Beteiligt ist das Eiweiß α-Synuklein: Es verklumpt und lagert sich ab (Lewy-Körperchen) – zuerst im Darm und in den Riechzellen, später im Mittelhirn. Bewegungsstörungen zeigen sich erst, wenn über die Hälfte der Zellen verloren ist. Die Bewegungsarmut trifft auch Gesicht, Stimme, Schlucken, Darm und Blase.
Ursachen und Risikofaktoren
- idiopathisch: Ursache unbekannt (90–95 % der Fälle); bei Jüngeren oft genetisch
- sekundär: Durchblutungsstörungen, Hirntumoren, Entzündungen, wiederholte Traumen, Vergiftungen, Normaldruckhydrozephalus, Morbus Wilson
- medikamentös (Parkinsonoid): Neuroleptika wie Haloperidol blockieren Dopaminrezeptoren; verschwindet nach
- Absetzen
- atypisch: Multisystematrophie, Demenz mit Lewy-Körperchen, progressive supranukleäre Blickparese
Symptome
- Ruhetremor → Zittern in Ruhe, meist einseitig beginnend, Pillendrehertremor; stärker bei Stress, weg im Schlaf
- Bradykinese → kleinschrittiger Gang, fehlender Armschwung, kleine Schrift (Mikrographie), Maskengesicht
- (Hypomimie), leise, monotone Sprache (Hypophonie), Schluckstörung
- Rigor → steife Muskeln, Zahnradphänomen, gebeugte Haltung, Nacken- und Schulterschmerzen
- posturale Instabilität → Halte- und Stellreflexe gestört → Stürze
- Freezing (Bewegung stockt plötzlich, z. B. im Türrahmen); On-Off-Phänomen bei langer Therapie
- nicht motorisch: Riechstörung, REM-Schlaf-Verhaltensstörung, Verstopfung (oft früh); Blasenstörung, Depression, kognitive Störungen, Salbengesicht
Therapie
- Medikamente: L-Dopa (wird im Gehirn zu Dopamin), Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer
- feste Einnahmezeiten; L-Dopa mit etwa 1 Stunde Abstand zu eiweißreichen Mahlzeiten, nicht mit Joghurt oder Eisen im Verlauf Wirkschwankungen und Dyskinesien → Tiefe Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen möglich
- Physio-, Ergo-, Psychotherapie, Logopädie; Musik- oder Tanztherapie
Pflege
- aktivierend-therapeutisch: so viel wie möglich selbst machen lassen, Zeit einplanen – Hektik löst Blockaden aus
- Medikamente exakt pünktlich; bei Schluckstörung mit Apfelmus
- Cueing bei Freezing: Startkommando („Eins, zwei, drei!“), Rhythmus (Klatschen, Metronom), Klebestreifen am Boden, Gewichtsverlagerung, Storchengang; kein Druck, keine Ablenkung
- Sturzprophylaxe; Bewegungsplan (3-mal pro Woche draußen gehen, 3-mal Selbstübungen)
- sicher schlucken: aufrecht, Kinn zur Brust (Chin-Tuck), kleine Bissen, Getränke andicken; auf stilles Verschlucken achten
- laut, langsam, deutlich sprechen lassen, ruhige Umgebung; Maskengesicht nicht als Desinteresse deuten
- Obstipation vorbeugen
Komplikationen
- Stürze mit Frakturen (z. B. Oberschenkelhalsbruch) → Immobilität
- Aspiration → Pneumonie
- Wirkschwankungen (On-Off), Dyskinesien
- Abruptes Absetzen dopaminerger Medikamente kann eine lebensbedrohliche akinetische Krise (Parkinsonismus-Hyperpyrexie-Syndrom) auslösen. Therapie nicht eigenständig absetzen. Fieber, starke Bewegungsarmut und Bewusstseinsstörung sofort ärztlich abklären. (Quelle: DGN Parkinson-Leitlinie 2023; Publikation 2024)
- Halluzinationen, Delir, Depression, kognitive Störungen
- Mangelernährung, Flüssigkeitsdefizit, Harnverhalt, Harnwegsinfekt
Ergänzt aus Leitlinien
- Frühzeichen: REM-Schlaf-Verhaltensstörung (eines der wichtigsten), Riechstörung (Quelle: Deutsche Parkinson Gesellschaft)
- L-Dopa-Test sichert manchmal die Diagnose; CT oder MRT v. a. zum Ausschluss anderer Erkrankungen (Quelle: gesundheitsinformation.de 2023)
- L-Dopa (wird im Gehirn zu Dopamin), Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer; feste Uhrzeiten; Off- und On-Phasen;
- Tiefe Hirnstimulation, Medikamentenpumpe (Quelle: gesundheitsinformation.de 2023)
- Abruptes Absetzen dopaminerger Medikamente kann eine lebensbedrohliche akinetische Krise (Parkinsonismus-Hyperpyrexie-Syndrom) auslösen. Therapie nicht eigenständig absetzen. Fieber, starke Bewegungsarmut und Bewusstseinsstörung sofort ärztlich abklären. (Quelle: DGN Parkinson-Leitlinie 2023; Publikation 2024)
- bei Halluzinationen/Delir keine typischen Neuroleptika (z. B. Haloperidol), kein Risperidon oder Olanzapin; geeignet Quetiapin, Clozapin, Pimavanserin (Quelle: MSD Manual Professional 2026)
- posturale Instabilität erst später, früh → an andere Diagnose denken; Aspirationspneumonie als Todesursache (Quelle: MSD Manual Professional 2026)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: gesundheitsinformation.de (IQWiG): Parkinson 2023, Medikamentöse Behandlung bei Parkinson 2023; Deutsche Parkinson Gesellschaft: Die Parkinson-Krankheit; MSD Manual Professional (engl.): Parkinson Disease 2026; ergänzende Korrekturquellen: DGN Parkinson-Leitlinie 2023; Publikation 2024. Korrigierte Abschnitte abgerufen am 30.09.2026. Stand 30.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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