Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Ohr
Morbus Menière
Menière-Krankheit
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Meist einseitige Erkrankung des Innenohrs mit wiederkehrenden Anfällen von Drehschwindel, Hörminderung und Tinnitus, oft mit Druckgefühl im Ohr.
Was im Körper passiert
Im Innenohr liegen Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan (Bogengänge) direkt nebeneinander. Die Innenohrflüssigkeit (Endolymphe) wird ständig gebildet und wieder aufgenommen. Bei Morbus Menière entsteht ein Überschuss – weil zu viel gebildet oder zu wenig wieder aufgenommen wird; warum, ist ungeklärt. In den Gängen der Hörschnecke steigt der Druck, ihre Membranen können einreißen. Die Druckänderung trifft auch das benachbarte Gleichgewichtsorgan.
Ursachen und Risikofaktoren
- Überschuss an Innenohrflüssigkeit (Endolymphhydrops), Ursache ungeklärt
- betrifft meist Menschen zwischen 40 und 60 Jahren
Symptome
- plötzlicher Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen → Druck wirkt auf das Gleichgewichtsorgan
- gleichzeitig Hörminderung (v. a. tiefe Töne), Druckgefühl im Ohr, Tinnitus → Druck in der Hörschnecke
- Anfall dauert meist 20 Minuten bis 12 Stunden, selten bis 24 Stunden
- Anfälle kehren nach Wochen bis Monaten wieder; meist nur ein Ohr betroffen
- Verlauf: anfangs verschwinden Hörminderung und Tinnitus zwischen den Anfällen, später bleiben sie; Schwindelanfälle werden seltener; Schwerhörigkeit bis Gehörlosigkeit
Therapie
- ambulant oder stationär, abhängig vom Ausmaß
- im Anfall: Mittel gegen Schwindel und Übelkeit (z. B. Antihistaminika, Benzodiazepine, Antiemetika), dazu Kortison
- Dauertherapie: Betahistin soll die Anfälle seltener machen (Nutzen in Studien nicht sicher belegt)
- Lebensweise: salzarme Kost, Alkohol und Koffein meiden, ggf. Diuretikum
- fortgeschritten: Kortison oder Gentamicin ins Mittelohr (Gentamicin schaltet gezielt die Gleichgewichtsfunktion aus); Operation, die Teile des Gleichgewichtsorgans bzw. den Gleichgewichtsnerv ausschaltet → lindert Schwindel und Tinnitus
Pflege
- im Anfall bei Körperpflege, Ausscheidung und Bewegung unterstützen (z. B. an die Bettkante setzen, an den Tisch mobilisieren)
- Sturzprophylaxe
- erbricht der Patient: darauf achten, dass er genug Flüssigkeit bekommt
- psychisch unterstützen, Kontakt zu Selbsthilfegruppe vermitteln
- beraten: salzarme Kost, Alkohol und Koffein meiden
- bei Hörminderung Kommunikationsregeln wie bei Schwerhörigkeit
Vorbeugung
- Anfällen vorbeugen: salzarme Kost, Verzicht auf Alkohol und Koffein, ggf. Diuretikum, Betahistin
Komplikationen
- bleibende, zunehmende Schwerhörigkeit bis Gehörlosigkeit; Tinnitus wird dauerhaft
- Stürze im Schwindelanfall
Ergänzt aus Leitlinien
- Mechanismus: Überschuss an Innenohrflüssigkeit (Endolymphhydrops) durch vermehrte Bildung oder verminderte
- Wiederaufnahme (Quelle: MSD Manual Menière-Krankheit 2025)
- typisch: schwankender Hörverlust v. a. tiefer Töne, Druckgefühl vor und während der Attacke; meist einseitig; Alter meist 40–60 Jahre (Quelle: MSD Manual)
- Frühstadium: beschwerdefreie Pausen bis über 1 Jahr; später bleibender Hörverlust, dauerhafter Tinnitus (Quelle: MSD Manual)
- Diagnostik: Hörtest; ggf. MRT mit Gadolinium zum Ausschluss anderer Ursachen (Quelle: MSD Manual)
- Vorbeugung von Anfällen: salzarme Kost, Verzicht auf Alkohol und Koffein, ggf. Diuretikum – Nutzen nicht sicher belegt (Quelle: MSD Manual Fachversion 2025)
- Therapie: im Anfall Antihistaminika, Benzodiazepine, Antiemetika; später Kortison oder Gentamicin ins Mittelohr
- (Gentamicin schaltet die Gleichgewichtsfunktion aus), Durchtrennung des Gleichgewichtsnervs (Quelle: MSD Manual)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Menière-Krankheit (Patientenversion 2025); MSD Manual Meniere Disease (Fachversion, engl., 2025). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
In der App lernenZum Lernzentrum