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Mittelohrentzündung (Otitis media)
Otitis media; akute und chronische Mittelohrentzündung
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Entzündung der Mittelohrschleimhaut, akut oder chronisch verlaufend. Chronisch: dauerhaftes Loch im Trommelfell.
Was im Körper passiert
Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum hinter dem Trommelfell. Die Ohrtrompete verbindet es mit dem Nasen-Rachen-Raum und gleicht den Druck aus. Bei einer Erkältung schwillt auch ihre Schleimhaut an, Viren oder Bakterien steigen ins Mittelohr auf. Bei Kleinkindern ist die Ohrtrompete kurz und fein, Erreger gelangen deshalb leicht hinein. Die entzündete Schleimhaut bildet Sekret, das sich staut und auf das Trommelfell drückt; wird der Druck zu groß, reißt das Trommelfell ein.
Ursachen und Risikofaktoren
- akut: virale oder bakterielle Infektion im Nasen-Rachen-Raum → Erreger wandern über die Ohrtrompete ins Mittelohr Superinfektion: Zweitinfektion mit einem anderen Erreger, häufig Bakterien nach Viren
- Risiko: Kleinkindalter, Passivrauchen, Flaschennahrung statt Stillen, Kita-Besuch
- chronisch: Ohrtrompete arbeitet schlecht oder ist durch eine zu große Rachenmandel verlegt; Passivrauchen fördert Rückfälle
Symptome
- stechende, stündlich stärkere Ohrenschmerzen, Druckgefühl → Sekret drückt auf das Trommelfell
- Hörminderung → begleitender Paukenerguss
- Krankheitsgefühl; Kinder oft Fieber über 38 °C, greifen oder reiben sich an die Ohren, auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Schmerz bei Druck auf den Knorpelvorsprung vor dem Gehörgang oder bei Zug an der Ohrmuschel spricht eher für eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa)
- Trommelfell reißt → Ohr läuft, Schmerz lässt schlagartig nach; das Sekret ist infektiös
- chronisch: schwerhörig, meist ohne Schmerzen; Ausfluss durch das Loch im Trommelfell
Therapie
- Schmerz- und Fiebermittel: NSAR (z. B. Ibuprofen) oder Paracetamol; für Kinder als Saft oder Zäpfchen
- heilt meist in 2–3 Tagen von selbst → Antibiotikum (z. B. Amoxicillin) bei anhaltenden Schmerzen, bei eitrigem
- Ohrausfluss, bei Kindern unter 2 Jahren mit beidseitiger Entzündung, bei Komplikationen
- abschwellende Nasentropfen: Nutzen nicht belegt
- ggf. Parazentese (Trommelfellschnitt)
- starke Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen → HNO-Arzt (mögliche Ausbreitung)
- Mastoiditis: Mastoidektomie (Warzenfortsatzzellen ausräumen) + Antibiotika
- Labyrinthitis: stationär (Sturzgefahr), Antibiotika i. v., Parazentese mit Paukenröhrchen, ggf. Kortison
- chronisch: Antibiotika als Ohrentropfen oder oral; später Trommelfell operativ verschließen
Pflege
- Hygiene: Ohrsekret ist infektiös
- akut: Schonung und Ruhe (Kinder fühlen sich sehr krank), Pflege bei Fieber
- nach OP: auf Fazialislähmung achten → Arzt informieren; bei unvollständigem Lidschluss Hornhaut vor Austrocknung schützen
- Schwindel: Sturzprophylaxe, Gleichgewichtstraining (Physiotherapie), viel Bewegung → Gehirn gleicht den Ausfall des Gleichgewichtsorgans aus, Schwindel geht schneller zurück
- beraten: bei Schwindel Arzt aufsuchen; bei Loch im Trommelfell kein Wasser ins Ohr (beim Duschen Watte mit Vaseline, nicht schwimmen)
Vorbeugung
- Säuglinge gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b impfen; Grippeimpfung ab 6 Monaten bei Kindern mit Grundkrankheit
- rauchfreie Umgebung, Stillen
Komplikationen
- Mastoiditis: Ohrenschmerzen halten an oder nehmen zu, Fieber, teigig geschwollene Haut hinter dem Ohr
- (Ohrmuschel steht ab), Warzenfortsatz druckschmerzhaft; Ausbreitung ins Schädelinnere möglich → Hirnabszess
- Labyrinthitis: Hörminderung, Tinnitus, heftiger Schwindel, Übelkeit/Erbrechen; unbehandelt bleibende Hör- und Gleichgewichtsstörung
- Hirnhautentzündung, Hirnabszess (sehr selten)
- chronische Otitis media, Cholesteatom
Ergänzt aus Leitlinien
- Entstehung über die geschwollene Ohrtrompete (bei Kleinkindern kurz und fein); gestautes Sekret kann das Trommelfell einreißen (Quelle: gesundheitsinformation.de Mittelohrentzündung; „Wie funktioniert das Ohr?“)
- Schmerzlinderung im Mittelpunkt (Ibuprofen, Paracetamol); heilt meist in 2–3 Tagen; Antibiotikum (z. B. Amoxicillin) bei eitrigem Ausfluss, Kindern unter 2 Jahren mit beidseitiger Entzündung, Komplikationen (Quelle: gesundheitsinformation.de Mittelohrentzündung; MSD Manual Akute Mittelohrentzündung 2025)
- Trommelfell gerötet, vorgewölbt, starr, trüb; Kleinkinder: Ohrgreifen, Fieber über 38 °C, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Quelle: gesund.bund.de Akute Mittelohrentzündung 2024; MSD Manual)
- Risiko: Passivrauchen, Flaschennahrung, Kita; Vorbeugung: Impfung gegen Pneumokokken und Hib (Grippe bei Risikokindern), rauchfreie Umgebung, Stillen (Quelle: gesundheitsinformation.de; MSD Manual)
- chronisch: Ohr trocken halten (Duschen mit Vaseline-Watte, nicht schwimmen); Hirnhautentzündung und Hirnabszess
- sehr selten (Quelle: MSD Manual Chronisch eiternde und Akute Mittelohrentzündung)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: gesundheitsinformation.de (IQWiG): Mittelohrentzündung, Wie funktioniert das Ohr?; gesund.bund.de Akute Mittelohrentzündung (2024); MSD Manual: Akute Mittelohrentzündung (2025), Chronisch eiternde Mittelohrentzündung (2024), External Otitis (Fachversion, engl.). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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