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Kontraktur
Gelenkkontraktur
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bewegungseinschränkung eines Gelenks mit Gelenksteifigkeit, Funktionsstörung der Extremität, Gelenkverformung und erhöhtem Widerstand gegen passive Muskeldehnung. Das Gelenk lässt sich aktiv (durch den Menschen selbst) und passiv (durch Pflegende) nur eingeschränkt oder gar nicht beugen bzw. strecken.
Was im Körper passiert
Bleibt ein Gelenk lange in derselben Stellung, wird die Muskulatur rund um das Gelenk nicht mehr gedehnt. Muskeln und Weichteile verhärten, der Widerstand gegen Dehnung steigt. Das Gelenk lässt sich dann weder selbst noch von Pflegenden voll bewegen. Schmerzen verstärken den Kreislauf: Aus Schonhaltung wird noch weniger bewegt. Müssen Gelenke ständig Spannung (Tonus) halten, etwa bei schlechter Positionierung, geht Beweglichkeit verloren – wird der Tonus abgegeben, bleibt Bewegung erhalten.
Ursachen und Risikofaktoren
- Gelenke verweilen lange in einer Position; falsche oder fehlende Positionierung
- weniger Bewegung, kleiner Bewegungsradius, Bettlägerigkeit; Muskelabbau
- Schmerzen und Schonhaltung
- neurologisch: Zustand nach Schlaganfall, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Kleinhirnatrophie; demenzieller Abbau hohes Alter, chronische Krankheiten, Multimorbidität
- ruhigstellende (sedierende) Medikamente
Symptome
- Gelenk steif, aktiv und passiv nicht voll beweglich → verhärtete Muskulatur
- Fehlstellung des Gelenks, Funktionsverlust von Arm oder Bein
- Schmerzen im betroffenen Gelenk
- unbewegliche Finger oder Zehen → schmierige Beläge in den Zwischenräumen, Intertrigo-Gefahr
Therapie
- interdisziplinär: medikamentöse Schmerztherapie (Arzt), Physiotherapie
- Wärme in Absprache mit der Physiotherapie (Wärmekissen, Fango, Rotlicht)
- Notwendigkeit ruhigstellender Medikamente prüfen, Sedierung durch Wechselwirkungen (Polypharmazie) vermeiden
Pflege
- normalen Tagesablauf ermöglichen: gehen, hinsetzen, aufstehen, hinlegen
- Eigenbewegung und Alltagsaktivität fördern (Fein- und Grobmotorik, z. B. selbst waschen, Apfel schälen); Arme und Beine aktiv und passiv bewegen, Beine assistiert aufstellen (Nutzen passiver Bewegung zur Vorbeugung ist wissenschaftlich kaum belegt)
- Positionierung: Hohlräume mit locker gerollten Handtüchern unterstützen, körperflächenunterstützend lagern
- („Muskeltonus abgeben erhält Bewegung“)
- Kopfteil in Rücken- und Seitenlage möglichst flach; aufrecht sitzen; Gelenke in Neutral-Null-Stellung
- Schmerzursachen und Schonhaltung erfassen: Wo Schmerzen? Welche Körperhaltung?
Vorbeugung
- Kontrakturenprophylaxe = Maßnahmen unter „Pflege“, besonders bei Bettruhe und Bettlägerigkeit
Komplikationen
- Immobilität bis zur schweren Bettlägerigkeit
- Abhängigkeit bei Alltagsaktivitäten (Bewegung, Ausscheidung, Essen, Ankleiden) und im sozialen Leben außer Haus
- Schmerzen; Intertrigo zwischen Fingern und Zehen
Ergänzt aus Leitlinien
- Mechanismus: bei zu wenig Bewegung verhärten bzw. verkürzen sich Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenkkapsel;
- Bewegungen werden oft sehr schmerzhaft (Quelle: Cochrane-Review Dehnung bei Kontrakturen 2017; Cochrane Deutschland, Wissen Was Wirkt)
- weitere Ursachen: Rückenmarksverletzungen, Verbrennungen, Knochenbrüche (Quelle: Cochrane Deutschland, Wissen Was Wirkt 2017)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: Cochrane-Review Dehnung zur Behandlung und Prävention von Kontrakturen (Harvey et al. 2017); Cochrane-Review Passive Bewegungen zur Behandlung und Vorbeugung von Kontrakturen (2013); Cochrane Deutschland, Wissen Was Wirkt: Gelenkkontrakturen – ist Dehnen sinnvoll? (2017, aktualisiert 2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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