Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Darm
Kolorektales Karzinom (Darmkrebs)
KRK; Kolonkarzinom (Dickdarm) und Rektumkarzinom (Enddarm)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bösartige Neubildung im Kolon oder Rektum. Sie entsteht meist aus einer gutartigen Vorstufe, dem Adenom (Darmpolyp).
Was im Körper passiert
Zellen der Darmschleimhaut wuchern zu einem gutartigen Adenom. Darin kann mit der Zeit Krebs entstehen; er wächst meist langsam. Der Tumor wächst durch die Darmwand bis in Nachbarorgane. Er engt den Darm ein und blutet leicht. Tumorzellen gelangen über Lymphe und Blut in andere Organe, v. a. Leber und Lunge.
Ursachen und Risikofaktoren
- meist aus einem Adenom; selten aus entzündeter Schleimhaut bei Colitis ulcerosa
- höheres Lebensalter
- ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Kost, Übergewicht
- Nikotin, Alkohol
- Gene: sehr hohes Risiko bei familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) und HNPCC
Symptome
- lange keine oder uncharakteristische Beschwerden (Leistungsknick, Gewichtsabnahme) → Tumor wächst langsam
- spät: Blut und Schleim im Stuhl → Tumor blutet
- spät: Durchfall und/oder Verstopfung, auch im Wechsel → Tumor engt den Darm ein Ileuszeichen, v. a. bei Tumor in Sigma oder Rektum → Tumor verschließt den Darm
Therapie
- heilbar nur durch vollständige (radikale) OP des Tumors
- fortgeschritten: Kolon → Chemotherapie; Rektum → Chemo- und Strahlentherapie
- palliativ: Tumor entfernen gegen Blutung/Verschluss; sonst Umgehungsanastomose oder Anus praeter
- Stoma (Ileo- oder Kolostoma): temporär (wird rückverlegt) oder dauerhaft; endständig oder doppelläufig (Reiter ca. 10 Tage)
Pflege
- vor OP: ballaststoffarme Kost (schlechter AZ → parenteral); Abführen nach AVO; Haare im OP-Gebiet nur wenn nötig kürzen (nicht rasieren); bei geplantem Stoma Stomatherapeut vorher einbeziehen
- nach OP: Vitalzeichen; Stuhlgang nach 4–7 Tagen erwartet, sonst Abführen nach AVO
- Frühmobilisation ab 1. postop. Tag; Prophylaxen
- Fast-Track: kurze Nüchternzeit, keine Darmspülung, minimalinvasiv, PCA-Pumpe, Mobilisation und Joghurt/Trinknahrung schon am OP-Tag
- achten auf: Blutung, Anastomoseninsuffizienz, Pneumonie, Kreislauf, Thrombose/Lungenembolie, Verdauungs-, Blasen-, Potenzstörungen
- psychosozial begleiten; Sozialdienst (Anschlussheilbehandlung)
Vorbeugung
- Früherkennung nutzen (s. „Ergänzt“)
- Risikofaktoren meiden: ballaststoffreich, wenig Fett/Fleisch, Normalgewicht, kein Nikotin, wenig Alkohol
Komplikationen
- Einwachsen in Harnblase, Harnleiter, Prostata, Gebärmutter, Eierstöcke
- Metastasen (s. „Ergänzt“), Ileus, Blutung
- Rezidiv in der Region → engmaschige Tumornachsorge
- Prognose: ohne Lymphknoten-/Fernmetastasen 5-Jahres-Überleben 70–90 %, mit Metastasen deutlich schlechter
Ergänzt aus Leitlinien
- Früherkennung (gesetzliche Krankenkasse, seit 04/2025): Frauen und Männer ab 50 → Stuhltest auf verborgenes Blut alle 2 Jahre oder 2 Koloskopien im Abstand von 10 Jahren; auffälliger Stuhltest → immer Koloskopie; Vorstufen
- werden dabei entfernt (Quelle: Bundesgesundheitsministerium 2026; G-BA 2025)
- Warnzeichen: sichtbares Blut im Stuhl, häufiger Stuhldrang, bleistiftdünner Stuhl, krampfartige Bauchschmerzen, Müdigkeit, Blutarmut (Quelle: Krebsinformationsdienst DKFZ)
- Bei Frauen 2., bei Männern 3. häufigste Krebsart; mittleres Erkrankungsalter ca. 71 (Männer) bzw. 75 Jahre (Frauen); Metastasen v. a. in Leber, Lunge oder Bauchfell (Quelle: Krebsinformationsdienst 2026)
- Höheres Risiko auch bei Darmkrebs in der Familie und bei CED; HNPCC = Lynch-Syndrom; neu: Test auf Mikrosatelliteninstabilität (MSI) bei Erstdiagnose (Lynch erkennen, Immuntherapie möglich) (Quelle: BMG 2026; MSD Manual Profi; Deutsche Krebsgesellschaft 2025)
- Kolonkarzinom mit Lymphknotenbefall (Stadium III) → Chemotherapie nach der OP; lokal fortgeschrittenes
- Rektumkarzinom → (Radio-)Chemotherapie vor der OP (Quelle: MSD Manual Profi)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: Bundesgesundheitsministerium: Fragen zur Darmkrebs-Vorsorge, 2026; G-BA: Darmkrebs-Früherkennung, 2025; Krebsinformationsdienst (DKFZ): Darmkrebs; Deutsche Krebsgesellschaft: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, 2025; MSD Manual Profi: Kolorektale Karzinome, Lynch-Syndrom. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
In der App lernenZum Lernzentrum