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Immundefekte
Immunschwäche, Immundefizienz; primäre Immundefekte auch „angeborene Fehler der Immunität"
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Erkrankungen mit geschwächter körpereigener Abwehr – das Immunsystem arbeitet „zu wenig".
Was im Körper passiert
Das Immunsystem erkennt und beseitigt Erreger. Dafür arbeiten Abwehrzellen (Leukozyten, z. B. Granulozyten, B- und T-Lymphozyten) und lösliche Stoffe wie Antikörper zusammen. Beim Immundefekt fehlt ein Teil davon oder arbeitet fehlerhaft: Beim IgA-Mangel fehlt z. B. der Antikörper der Schleimhautabwehr, nach Chemotherapie fehlen Leukozyten. Erreger werden dann nicht rechtzeitig beseitigt. Infekte kommen häufiger, verlaufen schwerer, und selbst Erreger, die Gesunde nicht krank machen, lösen Erkrankungen aus.
Ursachen und Risikofaktoren
- angeboren (primär): Immunsystem schon bei Geburt in seiner Entwicklung gestört, bestimmte Abwehrzellen arbeiten
- fehlerhaft (z. B. IgA-Mangel)
- erworben (sekundär): Infektionen (HIV), gestörte Blutbildung im Knochenmark (Leukämien), iatrogen durch Therapie/Medikamente (Chemotherapie, Immunsuppressiva)
- im Alter wird die Immunantwort langsamer und schwächer
Symptome
- erhöhte Infektanfälligkeit → Abwehr beseitigt Erreger zu langsam
- Erkrankungen durch opportunistische Erreger → Erreger, die bei Immungesunden keine Krankheit auslösen
- Fieber als Zeichen einer Infektion (bei Leukozytenmangel Sepsisgefahr)
Therapie
- Grunderkrankung behandeln (z. B. HIV mit antiretroviraler Therapie)
- Infekte gezielt behandeln: Antibiotika (Bakterien), Antimykotika (Pilze), Virostatika (Viren)
- Antikörperkonzentrate aus Plasmaspenden (Immunglobuline) bei Antikörpermangel
- bei Leukozytenmangel Wachstumsfaktoren (z. B. G-CSF) für die Granulozytenbildung
Pflege
- Leukozytopenie: Temperatur 2× täglich; Zugänge aller Art auf Infektzeichen prüfen; Hygiene sorgfältig, Patient und Angehörige anleiten; ggf. Umkehrisolation
- Menschenansammlungen, Infizierte und kleine Kinder meiden; nur geschälte oder abgekochte Lebensmittel
- Anämie: Anstrengung und Stress vermeiden, Ruhepausen, Hilfe anbieten, Atmung beobachten, ggf. O2
- Thrombozytopenie: Sturzprophylaxe, Blutungszeichen beobachten; vermeiden: Injektionen, Blasenkatheter, Klysmen, Nassrasur, harte Zahnbürsten, hohe Manschettendrücke; Gerinnungshemmer nur auf Anordnung; weicher Stuhlgang, Nasenpflege
- zu Hause: Händedesinfektion nach jedem Toilettengang, perianale Hygiene nach jedem Stuhlgang, sorgfältige
- Mundhygiene, möglichst täglich duschen, Essen nach „schälen, kochen, braten oder vergessen"
Vorbeugung
- allgemein: Bewegung, ausgewogene Ernährung, genug Schlaf und Flüssigkeit, Ruhepausen; empfohlene Impfungen nach ärztlicher Rücksprache (Lebendimpfstoffe sind bei schwerem Immundefekt oft nicht erlaubt); bei schwerer Immunschwäche keine probiotischen Lebensmittel und keine rohen tierischen Produkte
Komplikationen
- schwere Infektionen bis zur Sepsis
- opportunistische Infektionen, z. B. Pilzinfektionen
- unter Immunsuppressiva zusätzlich erhöhtes Risiko für bösartige Tumoren
Ergänzt aus Leitlinien
- Warnzeichen einer krankhaften Infektanfälligkeit („ELVIS"): auffällige Erreger, Lokalisation, Verlauf, Intensität oder Summe der Infekte (Quelle: S3-Leitlinie Primäre Immundefekte, AWMF 2025)
- Typische Zeichen: Soor als frühes Zeichen, Infekte von Mund, Augen, Darm, Ohren, Haut, chronische
- Zahnfleischentzündung; bei Kleinkindern chronischer Durchfall und Gedeihstörung (Quelle: MSD Manual Immundefektkrankheiten 2025)
- Diagnostik: großes Blutbild (Zahl und Arten der Leukozyten), Immunglobulinspiegel, Antikörper nach Impfungen, ggf. genetische Tests (Quelle: MSD Manual Immundefektkrankheiten 2025); seit August 2019 Neugeborenen-Screening auf schweren kombinierten Immundefekt (SCID) (Quelle: S3-Leitlinie Primäre Immundefekte, AWMF 2025)
- Häufigster angeborener Immundefekt ist der selektive IgA-Mangel: meist ohne Beschwerden, selten Anaphylaxie bei Bluttransfusion oder Immunglobulingabe; weitere erworbene Ursachen: Krebs, Kortikosteroide, Mangelernährung, Diabetes, Alter, Milzentfernung (Quelle: MSD Manual IgA-Mangel 2024, Immundefektkrankheiten 2025)
- Therapie: Immunglobuline 1× im Monat i. v. oder wöchentlich s. c.; Antibiotika schon beim ersten Fieber oder Infektzeichen; Stammzelltransplantation (v. a. bei SCID) oder Gentherapie (Quelle: MSD Manual Immundefektkrankheiten 2025)
- Impfen: bei Störungen der B- oder T-Lymphozyten in der Regel keine Lebendimpfstoffe (Quelle: MSD Manual 2025);
- Totimpfstoffe unabhängig von einer Immunsuppression möglich, Lebendimpfstoffe nur ohne oder bis 4 Wochen vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie (Quelle: RKI-FAQ Kontraindikationen bei Impfungen)
- 3 Merksätze
- 1. Immundefekt = Abwehr arbeitet zu wenig → häufige, schwere Infekte, auch durch opportunistische Erreger.
- 2. Angeboren (z. B. IgA-Mangel) oder erworben (z. B. HIV, Leukämie, Chemotherapie).
- 3. Pflege heißt Infektionsschutz: Hygiene, Temperatur 2× täglich, keimarme Kost, ggf. Umkehrisolation.
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Übersicht über Immundefektkrankheiten (2025), Selektiver IgA-Mangel (2024); S3-Leitlinie Diagnostik auf Vorliegen eines primären Immundefekts (AWMF 189-003, 2025); RKI-FAQ Kontraindikationen bei Impfungen; MSD Manual Profi-Ausgabe: Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf einen Immundefekt (abgerufen 09/2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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