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Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
Schilddrüsenunterfunktion, Unterfunktion der Schilddrüse, Hashimoto-Thyreoiditis, Hashimoto, Myxödem, Myxödemkoma, Hormonersatz, Levothyroxin, L-Thyroxin, TSH, latente Hypothyreose
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei einer Hypothyreose bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone. Dadurch laufen viele Vorgänge im Körper langsamer ab. Eine tägliche Hormontablette gleicht den Mangel aus, meist ein Leben lang.
Was im Körper passiert
Die Schilddrüse bildet mit Jod vor allem Thyroxin (T4). In der Leber und in anderen Geweben wird daraus die wirksame Form T3. Die Hormone bestimmen, wie viel Energie der Körper umsetzt, wie er seine Wärme hält und wie Gehirn, Herz und Muskeln arbeiten. Gesteuert wird die Drüse vom Gehirn: Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) schickt das Botenhormon TSH. Fehlt Schilddrüsenhormon, steigt das TSH an.
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem die Schilddrüse an. Ihr Gewebe wird langsam durch Bindegewebe ersetzt. Fehlt dann Hormon, wird vieles langsamer: Man friert, ist müde, der Puls sinkt, der Darm wird träge.
Ursachen und Risikofaktoren
- Hashimoto-Thyreoiditis (Entzündung durch das eigene Immunsystem): in Deutschland die häufigste Ursache
- Operation an der Schilddrüse oder Radiojodtherapie
- Medikamente, zum Beispiel Thyreostatika, Lithium, Amiodaron oder bestimmte Krebsmedikamente (Checkpoint-Inhibitoren)
- Sehr starker Jodmangel – in Deutschland heute sehr selten
- Angeborene Unterfunktion; alle Neugeborenen werden darauf untersucht
- Selten eine Erkrankung von Hypophyse oder Hypothalamus, die die Schilddrüse nicht mehr anregen
Symptome
- Müdigkeit, Schwäche, Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
- Langsamer Puls, Kurzatmigkeit
- Frieren, Empfindlichkeit gegen Kälte
- Gewichtszunahme, Verstopfung
- Haut trocken, im Gesicht oft teigig verdickt; Haarausfall
- Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Depression
- Tiefe, heisere Stimme; Schmerzen in Muskeln und Gelenken
- Starke oder unregelmäßige Regelblutung, verminderte Fruchtbarkeit
- Beginn meist schleichend; bei älteren Menschen werden die Zeichen leicht für das Altern gehalten
Therapie
- Ersatz des Hormons mit dem Wirkstoff Levothyroxin (L-Thyroxin), meist lebenslang.
- Die Dosis wird ärztlich nach den Blutwerten angepasst. Bei Älteren und Herzkranken wird langsam gesteigert, damit sich Herz und Gehirn gewöhnen.
- Einnahme morgens nüchtern mit Wasser, mit Abstand zu Frühstück, anderen Getränken und Medikamenten; alternativ abends vor dem Schlafen.
- Eisen, Kalzium, Mittel gegen Magensäure (Antazida), Colestyramin und Sucralfat behindern die Aufnahme. Sie werden zeitlich getrennt gegeben.
- Auch Protonenpumpenhemmer, manche Antibabypillen und deutlich mehr Soja können die Aufnahme verändern.
- Möglichst immer dasselbe Präparat verwenden.
- Myxödemkoma: Intensivstation; Schilddrüsenhormon und Glukokortikoide, bei Bedarf Beatmung und blutdruckstützende Medikamente.
Pflege
- Levothyroxin nüchtern mit Wasser anreichen; Frühstück und andere Medikamente mit Abstand planen.
- Puls messen und dokumentieren: langsam bei Hormonmangel, schnell bei zu viel Hormon.
- Körpertemperatur beobachten und für Wärme sorgen; eine sinkende Temperatur sofort melden.
- Stuhlgang dokumentieren; bei Verstopfung Obstipationsprophylaxe im Team planen.
- Gewicht regelmäßig kontrollieren.
- Verlangsamung beachten: Zeit lassen, Informationen wiederholen, Pausen ermöglichen.
- Beraten: täglich und dauerhaft einnehmen, Dosis nie selbst ändern, Kontrollen wahrnehmen, neue Medikamente ansprechen. Biotin kann Laborwerte verfälschen.
- Warnzeichen sofort ärztlich melden: zunehmende Schläfrigkeit oder Verwirrtheit, Unterkühlung, sehr langsamer Puls, niedriger Blutdruck.
Vorbeugung
- Genug Jod über die Nahrung: Jodsalz, Milchprodukte, Meeresfisch.
- Untersuchung aller Neugeborenen: Eine angeborene Unterfunktion wird früh erkannt und behandelt.
- Die Behandlung ohne Pausen fortführen.
- Bei Älteren auf Zeichen einer Verschlechterung achten, vor allem bei Infekten und im Winter.
Komplikationen
- Ohne Behandlung werden Herz und Kreislauf belastet.
- Myxödemkoma: sehr selten und lebensbedrohlich. Meist trifft es ältere Menschen, oft im Winter, ausgelöst etwa durch eine Infektion oder einen Herzinfarkt.
- Zeichen des Myxödemkomas: Unterkühlung, langsamer Puls, niedriger Blutdruck, Bewusstseinsstörung bis zum Koma, Versagen mehrerer Organe.
- Kinder ohne Behandlung: bleibender Kleinwuchs, Hörstörungen, Störungen der geistigen Entwicklung.
- Zu viel Hormon: Unruhe, Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsverlust. Auf Dauer leiden Herz und Knochen; bei Älteren brechen Knochen leichter.
Ergänzt aus Leitlinien
- In Deutschland haben etwa 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion, Frauen und Ältere häufiger (Quelle: IQWiG 2024)
- Angeboren bei etwa 1 von 3400 Neugeborenen (Quelle: IQWiG 2024)
- Latente Unterfunktion (nur TSH erhöht): Pro Jahr bekommen 2 bis 5 von 100 Betroffenen eine Unterfunktion mit Beschwerden (Quelle: IQWiG 2024)
- Eine manifeste Unterfunktion soll immer behandelt werden, auch in der Schwangerschaft. Mittel der Wahl ist Levothyroxin allein; T3 oder Kombinationen sollten nicht verordnet werden (Quelle: DEGAM 2023)
- Einnahme mit Wasser mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit und vor anderen Medikamenten oder abends vor dem Zubettgehen (Quelle: DEGAM 2023)
- Kontrolle frühestens 8 Wochen nach Beginn oder Dosisänderung, bei stabiler Dosis halbjährlich, später jährlich (Quelle: DEGAM 2023)
- Bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, vergehen meist 2 bis 3 Monate (Quelle: IQWiG 2024)
- Myxödemkoma: In einer landesweiten Krankenhausauswertung aus Japan starben knapp 30 von 100 Betroffenen (Quelle: ATA 2017)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: IQWiG 2024 – gesundheitsinformation.de, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenhormone richtig einnehmen, aktualisiert am 24.04.2024; DEGAM 2023 – S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, AWMF-Register-Nr. 053-046, Stand 04/2023, Überarbeitung geplant 05/2027; BMG 2026 – gesund.bund.de, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Stand 23.02.2026; ATA o. J. – American Thyroid Association, Patienteninformationen Hypothyroidism, Thyroid Function Tests, Thyroid Hormone Treatment und Older Patients and Thyroid Disease, ohne Datum; ATA 2017 – American Thyroid Association, Clinical Thyroidology for the Public Vol. 10 Issue 4, Zusammenfassung zum Myxödemkoma, April 2017; IQWiG Schilddrüsenuntersuchungen – gesundheitsinformation.de, Schilddrüsenuntersuchungen verstehen, Datum im Suchauszug vom 30.09.2026 nicht angegeben. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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