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HIV-Infektion und AIDS
HIV = humanes Immundefizienz-Virus; AIDS = acquired immunodeficiency syndrome (erworbenes Immunschwächesyndrom); ART = antiretrovirale Therapie
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Ansteckung mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV): Das Virus befällt v. a. T-Helferzellen und schwächt so die Abwehr schwer. AIDS ist das letzte Stadium dieser Infektion.
Was im Körper passiert
T-Helferzellen (CD4-Zellen) steuern die Abwehr: Sie setzen Botenstoffe frei und aktivieren B-Lymphozyten und Makrophagen. HIV befällt genau diese Zellen. Nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus, das Immunsystem hält zunächst jahrelang stand. Mit der Zeit steigt die Virusmenge, die Zahl der Abwehrzellen sinkt. Am Ende reicht die Abwehr nicht mehr: Erreger, die Gesunde nicht krank machen, und Tumoren können sich ausbreiten (AIDS).
Ursachen und Risikofaktoren
- Übertragung über Blut, Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch, Liquor
- Hauptwege: sexueller Kontakt; Blutkontakt (i. v.-Drogenkonsum, Nadelstichverletzung, verunreinigte Blutprodukte); Mutter → Kind (auch Stillen)
- kein Risiko: Alltagskontakt, gemeinsames Geschirr/Besteck, Essen, Getränke, Toiletten; Speichel (Küssen), Tränen; Insektenstiche
Symptome
- 1. akute HIV-Krankheit: Fieber, Lymphknotenschwellung, Gliederschmerzen, Angina – nur bei einem Teil, meist 2–3
- Wochen nach Ansteckung, Dauer 1–2 Wochen
- 2. asymptomatische Latenzphase (ca. 10 Jahre): keine Beschwerden → Virus vermehrt sich, Abwehr noch stabil
- 3. symptomatische Phase: hohe Infektanfälligkeit → viele Viren, wenige Abwehrzellen
- 4. AIDS: AIDS-definierende Erkrankungen (Pilzinfektionen, bakterielle Infektionen, Tumoren) → Abwehr zusammengebrochen
Therapie
- antiretrovirale Therapie (ART)
- Nebenwirkungen in den ersten 3 Monaten: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- langfristig: Fettstoffwechselstörung (Blutfette ↑, Fettumverteilung), Nieren- und Leberschäden, erhöhte
- Blutungsneigung, Polyneuropathien, Stimmungsschwankungen, Albträume
Pflege
- beobachten: Verhalten und Psyche, Nebenwirkungen der ART, Infekt- und AIDS-Zeichen, Flüssigkeitsbilanz, Gewicht, Ausscheidung
- Eigenschutz: Standardhygiene; Körperflüssigkeiten nicht ungeschützt berühren (Handschuhe); Nadelstiche verhindern (kein Recapping, durchstichsichere Abwurfbehälter); keine Isolation nötig; Schutzbrille und Mund-Nasen-Schutz, wenn Verspritzen droht
- nach Nadelstichverletzung: Blutfluss fördern, gründlich desinfizieren (Schleimhaut/Auge spülen), Verbandbuch, sofort Betriebs- oder Durchgangsarzt, ggf. PEP; Übertragungsrisiko HIV ca. 0,3 %
- Haut und Schleimhaut täglich kontrollieren, gründliche Mundpflege; bei Durchfall Stuhl beobachten
- Ernährung ausgewogen und eiweißreich; bei starker Immunschwäche nur durchgegarte tierische Lebensmittel, keine Rohmilch, kein roher Fisch, kein rohes Fleisch, keine rohen Eier, Obst und Gemüse gründlich waschen; bei wunder Mundschleimhaut keine heißen oder scharfen Speisen; evtl. parenterale Ernährung
- Prophylaxen nach Bedarf: Pneumonie, Parotitis, Zystitis, Dekubitus
- beraten: Erkrankung, Verlauf, Therapietreue; Deutsche Aidshilfe, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen; Prävention
Vorbeugung
- über Präventionsmaßnahmen informieren (Details siehe „Ergänzt“); HIV ist meldepflichtig
Komplikationen
- AIDS-definierende Erkrankungen: opportunistische Pilz- und bakterielle Infektionen, Tumoren
- Nebenwirkungen der Dauertherapie (Stoffwechsel, Niere, Leber, Nerven)
Ergänzt aus Leitlinien
- Schutz durch Therapie: Wer seit mindestens 6 Monaten ART erhält und eine Viruslast unter der Nachweisgrenze hat, überträgt HIV sexuell nicht mehr (Quelle: RKI-Ratgeber HIV/AIDS 2022; LIEBESLEBEN)
- ART: Kombination aus meist 3 Wirkstoffen, lebenslang; Ziel: Virusvermehrung möglichst vollständig hemmen; mit Therapie weitgehend normale Lebenserwartung (Quelle: RKI-Ratgeber HIV/AIDS; LIEBESLEBEN)
- Diagnostik: zweistufig – Suchtest, bei positivem Ergebnis Bestätigungstest (Immunoblot oder Virus-Erbgut-Nachweis, NAT); ein negativer Antikörper-/Antigen-Suchtest (4. Generation) schließt 6 Wochen nach dem Risiko eine Infektion mit großer Sicherheit aus, reine Antikörper-Suchtests erst nach 12 Wochen (Quelle: RKI-Ratgeber HIV/AIDS)
- Vorbeugung: Kondome als einfachster Schutz; PrEP = HIV-Negative mit erhöhtem Risiko nehmen vorbeugend ein HIV-Medikament (schützt nicht vor anderen STI); PEP nach Risikokontakt möglichst innerhalb von 24 Stunden beginnen, etwa 4 Wochen lang (Quelle: LIEBESLEBEN, BIÖG)
- AIDS-definierende Erkrankungen z. B. Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie, Candida-Ösophagitis, Hirnabszesse, Tuberkulose (Quelle: RKI-Ratgeber HIV/AIDS)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS (2022); LIEBESLEBEN (BIÖG): HIV/AIDS, PrEP, PEP; RKI: HIV-Testpolitik und -Testpraxis in Deutschland (edoc, Jahr nicht ermittelbar, abgerufen 09/2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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