Nurmedizinius · Krankheitsbilder
Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Herz, Kreislauf und Notfälle · Herzschwäche, Herzmuskelschwäche, kardiale Insuffizienz
Lernmaterial, keine Handlungsanweisung. Für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten gelten ärztliche Anordnungen, aktuelle Leitlinien und die Standards der Einrichtung. Im Notfall: 112.
Definition
Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen oder schafft dies nur bei erhöhtem Füllungsdruck. Sie kann plötzlich auftreten oder sich über längere Zeit entwickeln. Je nach Form ist vor allem die Pumpkraft, die Füllung des Herzens oder beides beeinträchtigt.
Was im Körper passiert
Wenn das Herz nicht genügend Blut weitertransportiert, werden Organe und Muskeln schlechter versorgt und Blut kann sich vor dem Herzen stauen. Bei Linksherzinsuffizienz zeigt sich die Stauung besonders in der Lunge; bei Rechtsherzinsuffizienz eher im Körperkreislauf. Der Körper versucht gegenzusteuern, unter anderem durch eine Aktivierung von Stress- und Hormonsystemen. Kurzfristig kann das helfen, langfristig aber Herz und Kreislauf zusätzlich belasten.
Ursachen und Risikofaktoren
- Häufige Ursachen sind koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt, langjähriger Bluthochdruck sowie Herzklappenerkrankungen.
- Weitere Ursachen können Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen des Herzmuskels oder angeborene Herzfehler sein.
- Akute Verschlechterungen können unter anderem durch Infektionen, Rhythmusstörungen, unzureichende Medikamenteneinnahme oder andere zusätzliche Belastungen ausgelöst werden.
Symptome
- Atemnot, zunächst bei Belastung, bei schwerer Erkrankung auch in Ruhe
- verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit und Erschöpfung
- Wassereinlagerungen, besonders an Füßen und Beinen; dadurch mögliche Gewichtszunahme
- nächtliche Atemnot, Husten oder häufiges nächtliches Wasserlassen
- bei akuter Verschlechterung: rasch zunehmende Atemnot, Unruhe, Zyanose oder Kreislaufprobleme
Therapie
- Behandlung richtet sich nach Ursache und Form der Herzinsuffizienz.
- Medikamente sollen Beschwerden lindern, Krankenhausaufnahmen vermeiden und je nach Herzinsuffizienzform die Prognose verbessern.
- Bei geeigneten Personen kommen zusätzlich Geräteverfahren oder Eingriffe an Herzkranzgefäßen beziehungsweise Herzklappen infrage.
- Bewegung und körperliches Training werden an Stabilität und Leistungsfähigkeit angepasst.
Pflege
- Atemnot, Bewusstsein, Kreislauf, Hautfarbe und Belastbarkeit beobachten und Veränderungen zeitnah weitergeben.
- Gewicht, Ödeme sowie Ein- und Ausfuhr nur nach individueller Vorgabe erfassen und im Verlauf vergleichen.
- Bei Atemnot eine entlastende, aufrechte Position unterstützen und Belastung an den Zustand anpassen.
- Medikamente nach Anordnung sicher verabreichen; Wirkung, Nebenwirkungen und Adhärenz beobachten.
- Selbstbeobachtung, Bewegung, Ernährung und vereinbarte Warnzeichen verständlich besprechen.
Vorbeugung
- Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes und andere Risikofaktoren behandeln lassen.
- Nicht rauchen und körperliche Aktivität an die individuelle Belastbarkeit anpassen.
- Verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen und Kontrolltermine wahrnehmen.
Komplikationen
- akute Dekompensation mit Lungenstauung oder Lungenödem
- Herzrhythmusstörungen
- Verschlechterung der Nierenfunktion und Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts
- Kreislaufversagen bei schwerer akuter Herzinsuffizienz
Prüfungsfokus und Ergänzungen
- Prüfungsfokus: Bei zunehmender Atemnot nicht nur „Sauerstoff geben“ nennen, sondern zuerst Situation und Vitalfunktionen einschätzen, Hilfe organisieren, entlastend positionieren und angeordnete Therapie sicher umsetzen.
- Pflegeprozess: Verlauf ist wichtiger als ein Einzelwert: Atemnot, Gewicht, Ödeme, Belastbarkeit und Ausscheidung werden im Zusammenhang beurteilt.
Quellen: gesund.bund.de – Herzschwäche, abgerufen am 01.10.2026; European Society of Cardiology (ESC) – 2026 ESC Guidelines for the management of heart failure, veröffentlicht 28.08.2026. Abgerufen am 01.10.2026. Stand 01.10.2026.
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