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Hernien (Eingeweidebrüche)
Hernie, Bruch; häufigste Form: Leistenbruch (Leistenhernie)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Hernie = das parietale Peritoneum stülpt sich als Bruchsack durch eine Lücke der Bauchwand (Bruchpforte, angeboren oder erworben) nach außen. In den Bruchsack können Baucheingeweide gelangen.
Was im Körper passiert
An einer Lücke der Bauchwand fehlt der feste Halt. Steigt der Druck im Bauch, z. B. beim Husten oder Pressen, schiebt er das Bauchfell durch die Lücke nach außen. So entsteht der Bruchsack, in den z. B. Darm rutschen kann. Lässt sich der Inhalt zurückschieben, heißt die Hernie reponibel. Klemmt er in der engen Bruchpforte fest, wird seine Blutversorgung abgedrückt → das Gewebe stirbt ab.
Ursachen und Risikofaktoren
- angeborene Lücke in der Bauchwand
- erworbene Lücke, z. B. Narbe nach Bauch-OP (Narbenhernie, s. „Ergänzt“)
- erhöhter Druck im Bauch schiebt den Bruchsack hinaus
Symptome
- sichtbare Vorwölbung, oft nur bei Druck im Bauch → Druck schiebt den Bruchsack nach außen
- oft nur leichte oder keine Beschwerden
- bei Einklemmung: zunehmender Dauerschmerz, Vorwölbung nicht zurückschiebbar, Übelkeit, Erbrechen → Blutversorgung abgedrückt, Darm verschlossen
Therapie
- OP: Bruchpforte verschließen (z. B. laparoskopisch), Bruchinhalt zurück in den Bauchraum
- Einklemmung = Notfall: sofort Arzt informieren → dringliche OP (s. „Ergänzt“)
Pflege
- nach OP Druckerhöhung im Bauch vermeiden
- Obstipationsprophylaxe, ggf. leichte Abführmittel → kein Pressen beim Stuhlgang
- beim Mobilisieren leichten Gegendruck auf die Wunde geben
- 2 Wochen kein Sport
- vor OP: Warnzeichen der Einklemmung kennen und sofort melden
Komplikationen
- Inkarzeration: Baucheingeweide in der Bruchpforte eingeklemmt
- Strangulation → Durchblutungsstörung, Absterben des Darms, mechanischer Ileus (Strangulationsileus)
- Peritonitis
Ergänzt aus Leitlinien
- Arten: Leistenhernie (über 75 % aller Bauchwandhernien, oberhalb des Leistenbands), Schenkelhernie (unterhalb des Leistenbands), Nabelhernie, Narbenhernie (nach Bauch-OP), epigastrische Hernie (Linea alba) (Quelle: MSD Manual Profi „Bauchwandhernien“)
- Begriffe: reponibel = lässt sich zurückschieben; inkarzeriert = nicht zurückschiebbar, Gefahr Darmverschluss;
- stranguliert = Blutzufuhr abgedrückt → Ischämie (Quelle: MSD Manual Profi)
- Oft nur sichtbar, wenn der Druck im Bauch steigt → im Stehen untersuchen; ggf. Ultraschall (Quelle: MSD Manual Profi) Warnzeichen Strangulation: ständiger, langsam zunehmender Schmerz, Übelkeit, Erbrechen, Peritonitiszeichen → jede eingeklemmte Hernie dringend operieren (Quelle: MSD Manual Profi)
- Strangulationsileus: Darmwand kann schon innerhalb von 6 h absterben (Infarkt, Gangrän) (Quelle: MSD Manual Profi „Darmverschluss“)
- Beschwerdefreie Leistenhernie beim Mann: Abwarten möglich; OP offen oder laparoskopisch (Quelle: MSD Manual Profi) 3 Merksätze
- 1. Bruchpforte = Durchtrittsstelle in der Bauchwand; Bruchsack = vorgestülptes parietales Peritoneum; Bruchinhalt z. B. Darm.
- 2. Schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung mit Übelkeit/Erbrechen = Einklemmung → Notfall-OP.
- 3. Nach der OP: kein Pressen (Obstipationsprophylaxe), Gegendruck auf die Wunde beim Mobilisieren, 2 Wochen kein Sport.
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi-Ausgabe: Bauchwandhernien, 2024; MSD Manual Profi-Ausgabe: Darmverschluss. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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