Nurmedizinius · Krankheitsbilder
Harnwegsinfektion (HWI)
Niere und Harnwege · Blasenentzündung, Zystitis, HWI, Pyelonephritis
Lernmaterial, keine Handlungsanweisung. Für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten gelten ärztliche Anordnungen, aktuelle Leitlinien und die Standards der Einrichtung. Im Notfall: 112.
Definition
Eine Harnwegsinfektion ist eine meist bakterielle Infektion von Teilen der Harnwege. Eine Infektion der Harnblase wird Zystitis genannt; sind Nierenbecken oder Niere beteiligt, handelt es sich um eine obere Harnwegsinfektion beziehungsweise Pyelonephritis.
Was im Körper passiert
Meist gelangen Bakterien über die Harnröhre nach oben in die Blase. Steigen sie weiter Richtung Niere auf, kann eine deutlich schwerere Erkrankung mit Allgemeinsymptomen entstehen. Ob eine Harnwegsinfektion als unkompliziert oder kompliziert eingeordnet wird, hängt von individuellen Risikofaktoren und Begleiterkrankungen ab.
Ursachen und Risikofaktoren
- meist aufsteigende bakterielle Infektion
- weibliche Anatomie begünstigt Blaseninfektionen
- Harnabflussstörungen, Restharn, Steine oder bestimmte urologische Erkrankungen erhöhen das Risiko
- Harnwegskatheter können das Infektionsrisiko erhöhen
Symptome
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- häufiger starker Harndrang und häufige kleine Urinmengen
- Schmerzen im Unterbauch
- Fieber, Flankenschmerz und ausgeprägtes Krankheitsgefühl sprechen eher für eine Beteiligung der oberen Harnwege
- bei älteren Menschen sind unspezifische Symptome möglich; eine Bakterienausscheidung im Urin allein beweist keine behandlungsbedürftige HWI
Therapie
- Behandlung hängt von Beschwerden, Lokalisation, Risikofaktoren und Erregerlage ab.
- Antibiotika werden gezielt und nach ärztlicher Beurteilung eingesetzt; Wirkstoffwahl und Dauer richten sich nach der jeweiligen Situation und Leitlinie.
- Bei Zeichen einer Pyelonephritis oder schwerem Verlauf ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig.
Pflege
- Temperatur, Schmerzen, Kreislauf, Ausscheidung und Allgemeinzustand beobachten.
- Bei Fieber, Flankenschmerzen, Schüttelfrost oder deutlicher Verschlechterung rasch weitergeben.
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr nur im Rahmen individueller Vorgaben unterstützen; Herz- und Nierenerkrankungen berücksichtigen.
- Intimpflege schonend und ohne unnötige desinfizierende Maßnahmen durchführen.
- bei Kathetern Notwendigkeit und lokale Hygienestandards beachten.
Vorbeugung
- unnötige Harnwegskatheter vermeiden beziehungsweise frühzeitig entfernen lassen
- individuelle Faktoren wie Restharn oder Abflussstörungen behandeln lassen
- bei wiederkehrenden Infektionen werden vorbeugende Maßnahmen individuell ärztlich besprochen
Komplikationen
- Pyelonephritis
- Urosepsis bei schwerer Ausbreitung
- wiederkehrende Infektionen
- Komplikationen bei Harnabflussstörung oder anderen Risikofaktoren
Prüfungsfokus und Ergänzungen
- Prüfungsfalle: Trüber oder riechender Urin allein reicht nicht für die Diagnose einer behandlungsbedürftigen Harnwegsinfektion.
- Pflege: Besonders wichtig sind Verlauf, Allgemeinzustand und Warnzeichen für eine obere Harnwegsinfektion oder Sepsis.
Quellen: AWMF S3-Leitlinie 043-044 – Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen, Version 3.0, Stand April 2024, nächste geplante Überprüfung 2029. Abgerufen am 01.10.2026. Stand 01.10.2026.
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