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Haarausfall (Effluvium und Alopezie)
Effluvium = der Vorgang des Haarausfalls; Alopezie = haarloser Zustand (Kahlheit); Formen: diffuse Alopezie, Alopecia areata, androgenetische Alopezie, erworbene Alopezie
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Effluvium bedeutet, dass Haare ausfallen; ist die Stelle danach haarlos, spricht man von Alopezie. Je nach Ursache und Ausbreitung werden mehrere Formen unterschieden.
Was im Körper passiert
In der Haarwurzel (Haarmatrix im Haarfollikel) teilen sich Zellen sehr häufig – daraus wächst das Haar. Nach der Wachstumsphase ruht das Haar 2–3 Monate und fällt dann aus; 50–100 Kopfhaare pro Tag sind normal. Bei der häufigsten Form, der androgenetischen Alopezie, reagieren die Kopfhaarfollikel erblich bedingt überempfindlich auf männliche Sexualhormone → die Haare fallen aus. Schädliche Stoffe (Noxen) wie Chemotherapeutika treffen die sich schnell teilende Haarmatrix → die Haare fallen aus. Bei der Alopecia areata richtet sich die eigene Abwehr gegen die Haarfollikel (Autoimmunerkrankung).
Ursachen und Risikofaktoren
- erblich: Überempfindlichkeit der Kopfhaarfollikel gegen männliche Sexualhormone (androgenetische Alopezie, häufigste Form)
- erworben durch Noxen, die die Haarmatrix schädigen: z. B. Chemotherapeutika, Heparin
- vorübergehend: Schwangerschaft, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Eisenmangel
- Alopecia areata: Autoimmunreaktion (→ siehe „Ergänzt“)
Symptome
- diffuse Alopezie: gleichmäßiges Ausdünnen über den ganzen Kopf (nicht in einzelnen Herden)
- Alopecia areata: nur eng umschriebene Stellen kahl
- Muster bei Mann und Frau, Zahl der Haare → siehe „Ergänzt“
Therapie
- androgenetische Alopezie: Antiandrogene (weitere Mittel → siehe „Ergänzt“)
- Alopecia areata: JAK-Hemmer (Tabletten, hemmen Enzyme der Immunzellen, sog. Januskinasen)
- erworbene Alopezie: Behandlung nach Ursache; Haarausfall durch Schwangerschaft, Schilddrüsenstörung oder Eisenmangel ist meist vorübergehend
Pflege
- Haarausfall belastet psychisch stark → vor einer Chemotherapie aufklären, welcher Haarausfall zu erwarten ist zu Haarersatz (Perücke), Tüchern und Mützen beraten; Kopfhaut schützen
- Kopfhautpflege, Perückenrezept → siehe „Ergänzt“
Komplikationen
- starke psychische Belastung
- schwere Formen der Alopecia areata → siehe „Ergänzt“
Ergänzt aus Leitlinien
- Haarzyklus: nach der Wachstumsphase 2–3 Monate Ruhephase (Telogen), dann fällt das Haar aus; normal 50–100
- Kopfhaare pro Tag, über 100 gilt als krankhaft; telogenes Effluvium: nach Geburt, hohem Fieber, starkem
- Gewichtsverlust oder Medikamenten (z. B. Blutverdünner) gehen viele Haare zugleich in die Ruhephase → Ausfall erst Monate später (Quelle: MSD Manual Alopezie 2025)
- androgenetische Alopezie: Dihydrotestosteron plus Erbanlage; Männer zuerst an Schläfen und über dem Scheitel, Frauen Ausdünnung über dem Scheitel; Therapie: Minoxidil zum Auftragen, Finasterid (v. a. Männer, nicht für Frauen, die schwanger werden können), bei Frauen Spironolacton; Wirkung nur, solange angewendet (Quelle: MSD Manual Alopezie 2025)
- Alopecia areata: Abwehr greift die eigenen Haarfollikel an; plötzlich kahle Stellen, am Rand kurze abgebrochene Haare („Ausrufezeichen"), v. a. Kopf und Bart; selten ganzer Kopf (Alopecia totalis) oder alle Körperhaare (Alopecia universalis); Therapie: Kortikosteroide, bei schweren Formen JAK-Hemmer (Baricitinib, Ritlecitinib) (Quelle: MSD Manual Alopecia areata 2024)
- Diagnostik: Befragung (Beginn, Muster fokal oder diffus, Medikamente, Familie), Kopfhaut ansehen, Zupftest, Blut: Schilddrüse, Eisen, Hormone; wenn unklar Kopfhautbiopsie (Quelle: MSD Manual Alopezie 2025)
- Chemotherapie: trifft die sich schnell teilenden Haarwurzelzellen → Ausfall 1–4 Wochen nach Beginn, auch Wimpern, Augenbrauen, Körperhaare; Nachwachsen meist 3–6 Monate nach Therapieende, evtl. in anderer Farbe/Struktur;
- Bestrahlung: nur im Bestrahlungsfeld, nach hoher Dosis evtl. dauerhaft (Quelle: Krebsinformationsdienst 2021/2026; MSD Manual 2025)
- Kopfhaut bei Chemotherapie: lauwarmes Wasser, mildes Shampoo, bei Haarlosigkeit Sonnenschutz mit hohem
- Lichtschutzfaktor; manche Zentren bieten Kopfhautkühlung an; gesetzlich versicherte Frauen erhalten schon vor Therapiebeginn ein Perückenrezept (Quelle: Krebsinformationsdienst 2021/2026)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Ausgabe für Patienten: Alopezie (Haarausfall) (2025), Alopecia areata (2024); Krebsinformationsdienst (DKFZ): Haarausfall bei Krebstherapien (2021), Chemotherapie – Substanzen und Nebenwirkungen (2026); MSD Manual Profi-Ausgabe: Alopezie, Alopecia areata (abgerufen 09/2026). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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