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Gicht (Hyperurikämie)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei Gicht ist zu viel Harnsäure im Blut (Hyperurikämie). Daraus bilden sich Kristalle, die sich vor allem in Gelenken ablagern und dort plötzliche, sehr schmerzhafte Entzündungen auslösen (Gichtanfall). Ein Harnsäurewert ab 6,8 mg/dl gilt als erhöht (Quelle: gesund.bund.de 2022).
Was im Körper passiert
Harnsäure entsteht, wenn der Körper Purine abbaut – Bausteine des Erbguts in den Zellen. Den größten Teil bildet der Körper selbst, den kleineren liefert die Nahrung. Die Nieren scheiden Harnsäure mit dem Urin aus. Schaffen sie das nicht ausreichend, steigt der Spiegel im Blut.
Über einer bestimmten Grenze entstehen winzige, nadelförmige Kristalle, die sich vor allem in Gelenken festsetzen. Der Körper antwortet mit einer heftigen Entzündung: Das Gelenk wird rot, heiß, geschwollen und sehr schmerzhaft. In Gewebe mit wenig Flüssigkeit bilden sich Kristalle leichter.
Ursachen und Risikofaktoren
- Die Nieren scheiden zu wenig Harnsäure aus.
- Männer erkranken etwa fünfmal so oft und früher (meist ab 40 Jahren), Frauen meist erst nach den Wechseljahren (Quelle: IQWiG 2022).
- Übergewicht.
- Viel Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Bier, Hochprozentiges und stark zuckerhaltige Getränke.
- Manche Medikamente, z. B. harntreibende Mittel (Diuretika), Acetylsalicylsäure oder Levodopa.
- Bestimmte Blutkrankheiten wie Leukämie, selten angeborene Enzymstörungen.
- Anfallsauslöser: Alkohol – schon mehr als 1 bis 2 Getränke in den 24 Stunden davor –, viel Fleisch oder Fisch in den Tagen davor, strenges Fasten, Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung (Quelle: IQWiG 2022).
Symptome
- Plötzlicher Beginn, oft nachts oder früh morgens.
- Das Gelenk ist geschwollen, gerötet, überwärmt und extrem druckempfindlich – oft stört schon die Bettdecke.
- Zuerst meist ein Gelenk, häufig das Grundgelenk der großen Zehe (Podagra); auch Sprunggelenk, Knie oder Finger sind möglich.
- Am stärksten nach 6 bis 12 Stunden, abgeklungen meist nach 1 bis 2 Wochen (Quelle: IQWiG 2022).
- Chronische Gicht: dauerhaft leicht entzündete, verformte Gelenke und Gichtknoten, etwa am Ohr oder Ellbogen.
Therapie
- Im Anfall wirken nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, z. B. Ibuprofen), Kortison (Prednisolon) oder Colchicin ähnlich gut.
- NSAR passen weniger bei Gerinnungshemmern, Magen-Darm-Erkrankungen oder Nierenschwäche, Kortison unter Umständen nicht bei Diabetes oder akuter Infektion.
- Kühlen hilft wahrscheinlich zusätzlich (Quelle: IQWiG 2022).
- Langfristig senken Medikamente die Harnsäure, meist Allopurinol, sonst z. B. Febuxostat oder Urikosurika (sie steigern die Ausscheidung über die Nieren).
- Zu Beginn können Anfälle häufiger werden, daher oft vorbeugend zusätzlich Colchicin.
- Harnsäuresenker werden über Jahre genommen, auch während eines Anfalls.
Pflege
- Schmerzen regelmäßig einschätzen und die Wirkung der Medikamente beobachten.
- Das Gelenk im Anfall schonen und vor Druck schützen, z. B. die Bettdecke fernhalten (Quelle: IQWiG 2022).
- Kühlen anbieten – viele Betroffene empfinden es als angenehm (Quelle: IQWiG 2022).
- Rötung, Schwellung, Überwärmung und Beweglichkeit beobachten, auch an anderen Gelenken.
- Nebenwirkungen erkennen: Magen-Darm-Beschwerden unter NSAR, Durchfall und Übelkeit unter Colchicin, Hautausschlag unter Allopurinol. Der Ausschlag tritt bei etwa 1 von 100 Behandelten auf (Quelle: IQWiG 2022) und wird sofort dem ärztlichen Team gemeldet, weil er ein erstes Zeichen einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion sein kann.
- Auf ausreichend Flüssigkeit achten. Hintergrund: In Gelenkgewebe mit zu wenig Flüssigkeit bilden sich Harnsäurekristalle leichter; auch deshalb begünstigt die entwässernde Wirkung von Alkohol Gicht (Quelle: IQWiG 2022).
- Zur Einnahmetreue beraten: Anfälle zu Beginn der Dauertherapie sind möglich, Harnsäuresenker nicht eigenmächtig absetzen.
Vorbeugung
- Weniger Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Purinreiches Gemüse wie Linsen oder Spinat erhöht das Risiko kaum.
- Wenig Alkohol: Mehr als 1 bis 2 Getränke innerhalb von 24 Stunden machen einen Anfall wahrscheinlicher (Quelle: IQWiG 2022).
- Stark zuckerhaltige Getränke meiden.
- Übergewicht abbauen, aber ohne striktes Fasten – es kann selbst einen Anfall auslösen.
- Eine verordnete harnsäuresenkende Behandlung weiterführen.
Komplikationen
- Chronische Gicht mit Gelenkschäden, im Durchschnitt nach etwa zwölf Jahren (Quelle: IQWiG 2022).
- Gichtknoten (Tophi): Unbehandelt bekommen etwa 30 von 100 Menschen mit Gicht innerhalb von fünf Jahren solche Knoten (Quelle: IQWiG 2022).
- Nierensteine: Knapp 1 % der Männer mit Gicht bekommen sie jedes Jahr (Quelle: IQWiG 2022).
- Eingeschränkte Beweglichkeit, geschwächte Muskeln; selten drücken Gichtknoten auf Nerven (Karpaltunnel, Rückenmark).
Ergänzt aus Fachquellen
- Nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhter Harnsäure bekommt Gicht (Quelle: gesund.bund.de 2022).
- Etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung sind betroffen (Quelle: IQWiG 2022).
- Eine harnsäuresenkende Dauertherapie ist sinnvoll bei mehr als 1 bis 2 Anfällen pro Jahr, bei Gichtknoten, Gelenkschäden oder Nierensteinen (Quelle: IQWiG 2022).
- Vorbeugendes Colchicin wird oft in den ersten 6 Monaten der Dauertherapie gegeben. Bis vorhandene Kristalle abgebaut sind, kann es bis zu 2 Jahre dauern (Quelle: IQWiG 2022).
- Bei Colchicin ist es wichtig, die Behandlung in den ersten 36 Stunden des Anfalls zu beginnen (Quelle: IQWiG 2022).
- Etwa 70 % der Harnsäure bildet der Körper selbst. Eine streng purinarme Ernährung senkt den Spiegel deshalb höchstens um 30 % (Quelle: IQWiG 2022).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: IQWiG 2022 (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, gesundheitsinformation.de, „Gicht“ mit den Unterseiten „Akuter Gichtanfall – Schmerzbehandlung“, „Was kann ich selbst tun, um Gichtanfällen vorzubeugen?“, „Wann ist bei Gicht eine langfristige Behandlung mit Medikamenten sinnvoll?“ und Broschüre „Gicht“, Stand 12.01.2022); gesund.bund.de 2022 (Bundesministerium für Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, „Gicht: Ursachen, Verlauf, Behandlung“, Stand 16.12.2022); S3-Leitlinie Gicht 2024 (Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht, AWMF-Register 060-005, Langfassung 08/2024, Suchauszug vom 30.09.2026); MSD Manual Gicht (MSD Manual Profi-Ausgabe und Ausgabe für Patienten, Gicht, Fassung ohne Datum im Suchauszug vom 30.09.2026). Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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