Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Atmung, Gefäße und Blutgerinnung
Gesteigerte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathesen)
hämorrhagische Diathese; Blutungsneigung; Blutgerinnungsstörung mit Blutungsgefahr
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Oberbegriff für Störungen der Blutstillung, bei denen es zu leicht, zu stark oder spontan blutet. Die Ursache liegt bei den Thrombozyten, den Gerinnungsfaktoren oder den Gefäßen.
Was im Körper passiert
Blutstillung braucht drei Partner: eine dichte Gefäßwand, Thrombozyten, die sich an die Wunde heften und einen ersten Pfropf bilden, und Gerinnungsfaktoren, die daraus einen festen Fibrinthrombus machen. Fällt ein Partner aus, blutet es. Fehlen Thrombozyten oder sind die Gefäße zu durchlässig, sickert Blut aus kleinsten Gefäßen in Haut und Schleimhaut → Petechien. Fehlen Gerinnungsfaktoren, entsteht zu wenig Fibrin → große Blutungen in Muskeln und Gelenke.
Ursachen und Risikofaktoren
- Thrombozytopenie (zu wenige) / Thrombozytopathie (funktionsuntüchtig): Leukämie, Lymphom, Chemo-/Strahlentherapie, Autoimmunerkrankung, HIV; ASS/NSAR
- Koagulopathie (Faktoren fehlen/defekt): Hämophilie A (Faktor VIII) und B (Faktor IX), Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom; erworben: Antikoagulanzien, Lebererkrankung, Vitamin-K-Mangel, Verbrauchskoagulopathie
- vaskulär (Gefäße durchlässig): Vaskulitis, Teleangiektasien, Langzeit-Kortison, Vitamin-C-Mangel, dünne Altershaut
Symptome
- Thrombozyten/Gefäße: Petechien (punktförmig), Purpura (fleckig), Nasen- und Zahnfleischbluten
- Gerinnungsfaktoren: ausgedehnte Hämatome, Einblutungen in Gelenke und Muskeln
- verlängerte Blutung nach Verletzung oder Eingriff
- lebensgefährlich: Hirnblutung (Bewusstseins-, Verhaltensänderung), Magen-Darm-Blutung
Therapie
- Ursache behandeln, auslösende Medikamente absetzen (nach Arzt)
- Thrombozytenkonzentrat bei starkem Abfall oder Blutung
- Hämophilie: Faktorkonzentrat; leichte Hämophilie A und Von-Willebrand-Syndrom: Desmopressin
- FFP bei Faktorenmangel; Cumarin-Wirkung aufheben mit Vitamin K oder PPSB
- kleinere Blutungen: Kompression
Pflege
- beobachten: Blutungszeichen (Petechien, Hämatome, Nasenbluten, Blut im Urin), Schmerzen, Verhalten, Bewusstsein; Wunden und Einstichstellen nach Eingriffen
- Verletzungen vermeiden: Sturzprophylaxe, weiche Zahnbürste, keine Zahnseide, Trockenrasierer, vorsichtig
- schnäuzen, Nasensalbe, weicher Stuhlgang
- keine i. m.-Injektionen, keine Klysmen/rektalen Medikamente, Blasenkatheter und Blutentnahmen nur wenn nötig, RR-Manschette nicht zu stark aufpumpen gerinnungshemmende Mittel nur auf Arztanordnung, kein ASS als Schmerzmittel
- bei FFP-Gabe auf Unverträglichkeitsreaktionen achten
Komplikationen
- nicht beherrschbare, lebensbedrohliche Blutung (Hirn, Magen-Darm)
- Hämophilie: Blutung am Zungengrund/Hals → Atemwegsverlegung
- Transfusionsreaktion
Ergänzt aus Leitlinien
- Blutungsmuster zeigt die Ursache: Thrombozyten-/Gefäßstörung → Petechien, Purpura, Schleimhautblutungen;
- Gerinnungsstörung → tiefe Blutungen (Gelenke, Muskeln, retroperitoneal) (Quelle: MSD Manual Exzessive Blutungen 09/2025)
- Häufigste Ursachen: schwere Thrombozytopenie, übermäßige Antikoagulation, Lebererkrankung; Basisdiagnostik
- Blutbild mit Thrombozyten, Ausstrich, Quick/INR, aPTT (Quelle: MSD Manual 09/2025)
- Blutungsrisiko nach Thrombozytenzahl: ≥ 50 000/µl gering; 20 000–50 000/µl leichte Blutung nach Trauma; < 20 000/µl spontane Blutungen; < 5 000/µl lebensbedrohliche Blutungen (Quelle: MSD Manual Thrombozytenstörungen 09/2024)
- Hämophilie A (Faktor VIII, ca. 80 %) und B (Faktor IX): X-chromosomal-rezessiv, v. a. Männer; aPTT verlängert, Quick und Thrombozyten normal; Faktorkonzentrat; ASS/NSAR und i. m.-Injektionen meiden; gefährlich:
- Zungengrund-/Halsblutung (Quelle: MSD Manual Hämophilie 07/2025)
- Von-Willebrand-Syndrom ist die häufigste erbliche Blutungskrankheit; Thrombozytopathien auch durch Urämie (Quelle: MSD Manual Thrombozytenstörungen 2024)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Exzessive Blutungen (09/2025); MSD Manual Thrombozytenstörungen (09/2024); MSD Manual Hämophilie (07/2025). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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