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Flüssigkeitsmangel (Dehydratation, Exsikkose)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) entsteht, wenn der Körper mehr Wasser verliert, als er aufnimmt. Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für die hypertone Dehydratation: Es wird zu wenig getrunken, dem Körper fehlt vor allem Wasser. Ein Zustand der Austrocknung heißt auch Exsikkose.
Was im Körper passiert
Wasser ist Teil aller Zellen und Körperflüssigkeiten. Es transportiert Nährstoffe und hilft, die Körpertemperatur zu regeln. Jeden Tag gibt der Körper Wasser ab – mit dem Urin, über die Haut, mit der Atemluft und mit dem Stuhl. Getränke und Nahrung gleichen das aus.
Im Alter enthält der Körper weniger Wasser, die Reserve ist kleiner. Das Durstgefühl lässt nach. Die Nieren können den Urin schlechter konzentrieren, deshalb geht mehr Wasser verloren. So haben schon kleinere Verluste rasch ernste Folgen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Nachlassendes Durstgefühl, verstärkt bei Demenz; Vergessen zu trinken
- Bewusst wenig trinken, um Harndrang, Toilettengänge oder Inkontinenz zu vermeiden
- Schluckstörungen
- Entwässernde Medikamente (Diuretika) und Abführmittel
- Höhere Verluste bei Hitze, starker Bewegung, Fieber, Durchfall, Erbrechen, großen Urinmengen (Polyurie) oder schweren Blutungen
- Gebrechlichkeit, Pflegebedürftigkeit und akute Krankheit
Symptome
- Trockene Haut und Schleimhäute, rissige Lippen, trockener Mund
- Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schwindel
- Neu auftretende Verwirrtheit bei älteren Menschen
- Verstopfung, erhöhte Körpertemperatur
- Achtung: Einzelne Zeichen sind im Alter nicht verlässlich – ein Mangel kann auch ohne deutliche Zeichen bestehen
Therapie
- Verluste bei älteren Menschen möglichst rasch ausgleichen, weil die Reserve klein ist
- Zusätzliche Verluste durch Fieber, Durchfall oder Erbrechen mit entsprechend mehr Flüssigkeit ersetzen
- Medikamente ärztlich überprüfen lassen, die Trinken und Wasserhaushalt beeinflussen, etwa Diuretika
- Bei Herz- oder Nierenschwäche legt die Ärztin oder der Arzt die Trinkmenge fest – zu viel kann schaden
Pflege
- Trinkmenge beobachten; ein Trinkprotokoll über einen festgelegten Zeitraum zeigt, wie viel wirklich getrunken wird
- Flüssigkeitsbilanz: Die Einfuhr (Getränke, Nahrung, Sondennahrung, Infusionen) wird der Ausfuhr (Urin, Stuhl, Erbrochenes, Durchfall, Drainagen) gegenübergestellt; über Haut und Atemluft geht zusätzlich unbemerkt Wasser verloren
- Individuell beim Trinken helfen und passende Trinkhilfen anbieten
- Neue Verwirrtheit, Fieber, Durchfall oder Erbrechen ernst nehmen und im Team weitergeben
- Bei ärztlich begrenzter Trinkmenge die Vorgabe einhalten und die Menge dokumentieren
Vorbeugung
- Getränke oft anbieten und nach Vorlieben auswählen lassen – das kann die Trinkmenge steigern
- Zu jeder Mahlzeit ein Getränk; Getränke dort bereitstellen, wo sich die Person oft aufhält, leere Gläser nachfüllen
- Trinkrituale einführen und gemeinsam trinken, besonders mit Menschen mit Demenz
- Wasserreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Eintopf einplanen
- Tagsüber genug trinken; abends darf es weniger sein, wenn nächtlicher Harndrang stört
- Bei Hitze ans Trinken erinnern und Medikamente zu Sommerbeginn mit der Hausarztpraxis besprechen
Komplikationen
- Verwirrtheit bis zum Delir – Flüssigkeitsmangel ist ein häufiger Auslöser
- Verstopfung und Neigung zu Harnwegsinfekten
- Schlechtere Wundheilung
- Zusätzlicher Mangel an Elektrolyten (Salzen), besonders bei Hitze
- Im schweren Fall Herz-Kreislauf- und Nierenversagen
- Hinweise auf insgesamt schlechtere Verläufe als bei ausreichend versorgten älteren Menschen
Ergänzt aus Leitlinien
- Die Leitlinie nennt für die Gesamtflüssigkeit älterer Menschen als Ausgangspunkt 30 ml pro kg Körpergewicht und Tag; danach wird an Verluste und Krankheitssituation angepasst (Quelle: DGEM 2025).
- DGE-Richtwert ab 65 Jahren: etwa 1310 ml pro Tag aus Getränken; mit Wasser aus fester Nahrung und aus dem Stoffwechsel rund 2250 ml (Quelle: DGE 2000).
- Die europäische Leitlinie empfiehlt, älteren Frauen mindestens 1,6 l und älteren Männern mindestens 2,0 l Getränke pro Tag anzubieten (Quelle: ESPEN 2022); bei Erkrankungen mit Trinkmengenbegrenzung gilt die ärztliche Anordnung.
- Bei gebrechlichen, pflegebedürftigen und kranken älteren Menschen hat mehr als ein Drittel einen Flüssigkeitsmangel (Quelle: DGEM 2025).
- Im Alter besteht der Körper nur noch zu etwa 40–50 % aus Wasser (Quelle: DGE 2014).
- Auf Flüssigkeitsmangel prüfen: bei Kontakt mit dem Gesundheitswesen, bei unerwarteter Zustandsänderung und regelmäßig bei (Risiko für) Mangelernährung (Quelle: ESPEN 2022).
- Bei Menschen mit Demenz soll regelmäßig auf Flüssigkeitsmangel geprüft werden. Ein Mangel durch zu geringes Trinken lässt sich am besten über die gemessene oder berechnete Serumosmolalität erkennen; ein normaler Wert schließt andere Formen der Dehydratation nicht aus (Quelle: ESPEN 2024).
- Mundtrockenheit, Durstgefühl, Puls, Urinfarbe oder Urinmenge zeigen einen Wassermangel im Alter allein nicht zuverlässig an (Quelle: Cochrane 2015).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: DGEM 2025 – S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter, 2025; ESPEN 2022 – ESPEN practical guideline Clinical nutrition and hydration in geriatrics, Clin Nutr 41, 958–989; ESPEN 2024 – ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia, Update 2024, Clin Nutr 43, 1599–1626; DGE 2000 – Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Wasser, Stand der Ableitung 2000; DGE 2014 – DGE-Praxiswissen „Trinken im Alter“, 2. Auflage, 1. korrigierter Nachdruck 2014; gesund.bund.de 2023 – BMG-Gesundheitsportal, „Pflegewissen für Angehörige“, Stand 17.05.2023; gesund.bund.de 2025 – BMG-Gesundheitsportal, Seite zum Schutz älterer und pflegebedürftiger Menschen bei Hitze, Stand 04.06.2025; Cochrane 2015 – Hooper L et al., Clinical symptoms, signs and tests for identification of impending and current water-loss dehydration in older people, Cochrane Database Syst Rev 2015, Issue 4, CD009647. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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