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Fieber
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Fieber ist eine erhöhte Körpertemperatur, die der Körper selbst einstellt: Das Gehirn verstellt seinen Sollwert nach oben. Meist ist Fieber eine normale Abwehrreaktion auf Krankheitserreger und keine eigene Krankheit. Ab welchem Wert Fieber vorliegt, hängt vom Alter und vom Messort ab.
Was im Körper passiert
Ein Temperaturzentrum im Gehirn, der Hypothalamus, vergleicht ständig die Körpertemperatur mit seinem Sollwert. Ist es zu kalt, bildet der Körper mehr Wärme; ist es zu warm, gibt er Wärme ab und schwitzt. Bei einer Infektion entstehen fieberauslösende Stoffe (Pyrogene). Botenstoffe wie Prostaglandine stellen den Sollwert im Gehirn höher.
Nun ist der Körper „zu kalt“: Man friert, Hände und Füße werden kalt, die Muskeln zittern (Schüttelfrost) – die Temperatur steigt. Auf dem neuen Wert fühlt sich die Haut heiß an. Sinkt der Sollwert wieder, schwitzt der Körper, und das Fieber fällt. Stoffwechsel und Abwehr arbeiten bei Fieber schneller.
Ursachen und Risikofaktoren
- Infektionen mit Viren oder Bakterien, z. B. Erkältung, Magen-Darm-Infekt, Mittelohr- oder Harnwegsentzündung
- Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken, Scharlach oder Dreitagefieber
- Selten ernste Erkrankungen wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Blinddarmentzündung
- Reaktion des Abwehrsystems nach einer Impfung
- Zu wenig Flüssigkeit, vor allem bei kleinen Kindern („Durstfieber“)
- Selten: rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, allergische Reaktionen
- Abgrenzung: Überwärmung durch Hitze, Toben, Aufregung oder zu warme Kleidung erhöht die Temperatur ebenfalls – ohne verstellten Sollwert.
Symptome
- Fieberanstieg: Frieren bis Schüttelfrost, kalte Hände und Füße, blasse Haut
- Fieberhöhe: heiße Stirn und heißer Nacken, gerötetes Gesicht, glasige Augen
- Müdigkeit, wenig Appetit; Kinder weinen oft schneller.
- Fieberabfall: Schwitzen und Wärmegefühl
- Beschwerden der Grunderkrankung, z. B. Husten, Ohrenschmerzen oder Durchfall
Therapie
- Fieber ist meist eine sinnvolle Abwehrreaktion und muss nicht immer gesenkt werden.
- Die Ursache ärztlich abklären lassen, besonders bei Warnzeichen.
- Fiebersenkende Mittel (z. B. Paracetamol, Ibuprofen) nur nach ärztlicher Anordnung. Bei Kindern werden sie vor allem gegeben, wenn das Kind Schmerzen hat oder sich sehr unwohl fühlt – nicht allein für einen niedrigeren Messwert (Quelle: IQWiG 2025; NICE 2019).
- Acetylsalicylsäure bei Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung.
- Wadenwickel nur, wenn sie angenehm sind und Hände und Füße warm sind.
Pflege
- Pflegerische Grundregel: Temperatur regelmäßig mit derselben Methode am selben Ort messen; Wert und Messort in der Fieberkurve dokumentieren.
- Bewusstsein, Atmung, Hautfarbe, Ausschlag und Trinkmenge beobachten.
- Regelmäßig Getränke anbieten, bei gestillten Babys Muttermilch; auf Flüssigkeitsmangel achten.
- Bei Frieren wärmer zudecken, bei Hitzegefühl leichter bedecken; nicht zu dick einpacken.
- Nach starkem Schwitzen Wäsche wechseln und die Haut pflegen.
- Kranke Kinder auch nachts ansehen; Angaben der Eltern zum Fieber ernst nehmen.
- Sinkt das Fieber nach einem Mittel, schließt das eine ernste Erkrankung nicht aus.
Komplikationen
- Flüssigkeitsmangel: eingesunkene Augen, keine Tränen, trockene Lippen und Mundschleimhaut, bei Säuglingen eingesunkene Fontanelle, schlechter Allgemeinzustand
- Fieberkrampf bei Kleinkindern: Bewusstlosigkeit, zuckende Arme und Beine oder ein steifer Körper
- Übersehene ernste Infektion hinter dem Fieber, z. B. Lungen- oder Hirnhautentzündung
- Bei jungen Säuglingen weist Fieber häufiger auf eine ernste Erkrankung hin.
Ergänzt aus Leitlinien
- Normal sind etwa 37 °C, nachts weniger, am späten Nachmittag mehr. Erwachsene: erhöht 37,5–38 °C, Fieber ab 38 °C, hohes Fieber ab 39,5 °C. (Quelle: IQWiG 2022)
- Kinder: erhöht 37,5–38,5 °C, Fieber ab 38,5 °C. Bei Säuglingen unter 3 Monaten gilt bereits 38,0 °C als Fieber. (Quelle: IQWiG 2025)
- Messort: im Po mit Digitalthermometer am genauesten, im Ohr ab 1 Jahr zuverlässig. In der Achsel im Mittel etwa 0,7 °C zu niedrig, bis 2 °C Abweichung. (Quelle: IQWiG 2025)
- Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Quelle: NICE (Großbritannien) rät bei Kindern unter 5 Jahren zur Messung in der Achsel (bei Säuglingen unter 4 Wochen nur dort, elektronisch), ab 4 Wochen auch mit Infrarot im Ohr; Mund und Po nicht routinemäßig; Stirnstreifen (chemische Stirnthermometer) sind unzuverlässig (Quelle: NICE 2019).
- Säuglinge unter 3 Monaten mit 38 °C oder mehr gehören zur Hochrisikogruppe für ernste Erkrankungen. (Quelle: NICE 2019)
- Vom lauwarmen Abwaschen zur Fiebersenkung wird abgeraten. Fiebersenkende Mittel dienen dem Wohlbefinden, nicht allein der Temperatur, und beugen Fieberkrämpfen nicht vor. (Quelle: NICE 2019)
- Wadenwickel und lauwarme Bäder kühlen von außen; ihre Wirkung gegen Fieber ist unklar. Die Quellen unterscheiden sich: NICE rät vom lauwarmen Abwaschen ab, das IQWiG hält Wadenwickel bei warmen Händen und Füßen für möglich, wenn sie angenehm sind. (Quelle: IQWiG 2025; NICE 2019)
- Fieberkrampf: etwa 2–4 von 100 Kindern bis 5 Jahre. Ein einfacher Fieberkrampf dauert meist höchstens 3–4 Minuten, selten bis zu 15 Minuten. Ein komplizierter dauert länger als 15 Minuten, betrifft oft nur eine Körperseite, und innerhalb von 24 Stunden können weitere folgen (Quelle: IQWiG 2025).
- Notruf 112 bei einem komplizierten Fieberkrampf und wenn ein Baby unter 3 Monaten einen Fieberkrampf hat. Bei einem ersten Fieberkrampf rasch ärztliche Hilfe holen; auch der Notruf 112 ist möglich (Quelle: IQWiG 2025).
- Warnzeichen bei Kindern: unter 3 Monaten ab 38 °C, Fieber über 3 Tage, Krampf, steifer Nacken, Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit, Atemnot, nicht wegdrückbarer Ausschlag, trinkt nicht. (Quelle: IQWiG 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: IQWiG 2022 – gesundheitsinformation.de, „Wie wird die Körpertemperatur geregelt und was ist Fieber?“, aktualisiert 02.11.2022; IQWiG 2025 – gesundheitsinformation.de, „Fieber bei Kindern“ mit den Unterseiten „Fieber messen bei Kindern“, „Wie wird ein Kind mit Fieber behandelt?“ und „Was ist ein Fieberkrampf?“, aktualisiert 26.11.2025; NICE 2019 – NG143 Fever in under 5s – assessment and initial management, veröffentlicht 11/2019, zuletzt geändert 03/2024; MSD Manual Fieber – MSD Manual Profi-Ausgabe, Fieber, sowie Ausgabe für Patienten, Fieber bei Erwachsenen, Fassung ohne Datum im Suchauszug vom 30.09.2026. Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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