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Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie, Hypercholesterinämie)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei einer Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) sind die Blutfette verändert. Am wichtigsten ist ein zu hohes LDL-Cholesterin (Hypercholesterinämie); auch erhöhte Triglyceride zählen dazu. Die Störung verursacht meist keine Beschwerden, fördert aber die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).
Was im Körper passiert
Der Körper braucht Cholesterin als Baustoff für alle Gewebe. Die Leber bildet es, ein Teil kommt aus der Nahrung. Im Blut reist es in kleinen Paketen (Lipoproteinen): LDL verteilt Cholesterin aus der Leber an die Gewebe, HDL holt überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber.
Bei zu viel LDL wird ein Teil verändert (oxidiert) und schädigt die innere Gefäßwand. Fresszellen nehmen es auf und bilden dort Ablagerungen. Die Wand entzündet sich, wird dicker, das Gefäß enger. Reißt sie ein, kann ein Blutgerinnsel entstehen. Bei der familiären Form hat der Körper zu wenige Aufnahmestellen für LDL (LDL-Rezeptoren), deshalb bleibt es im Blut.
Ursachen und Risikofaktoren
- Erbliche Veranlagung, besonders die familiäre Hypercholesterinämie.
- Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren und Transfetten.
- Wenig Bewegung und starkes Übergewicht.
- Viel Alkohol – er erhöht vor allem die Triglyceride.
- Krankheiten wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Nieren- oder Lebererkrankungen.
- Manche Medikamente, zum Beispiel Kortisonpräparate.
Symptome
- Meist keine Beschwerden.
- Bei sehr hohen, erblich bedingten Werten: gelbliche Knötchen an der Achillessehne oder an den Augenlidern.
- Manchmal ein heller Ring in der Regenbogenhaut (Iris).
- Beschwerden entstehen oft erst durch Folgen, etwa Brustenge (Angina pectoris).
Therapie
- Grundlage: nicht rauchen, weniger gesättigte Fette, mehr Ballaststoffe, mehr Bewegung, Übergewicht abbauen.
- Statine sind am besten untersucht: Die Leber bildet weniger Cholesterin, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt, und die Lebenserwartung kann steigen.
- Reicht das nicht oder wird ein Statin nicht vertragen, kommen Ezetimib, PCSK9-Hemmer oder Bempedoinsäure infrage.
- Wie intensiv behandelt wird, richtet sich nach dem Gesamtrisiko: Alter, Geschlecht, Blutdruck, Diabetes, Rauchen und bestehende Gefäßkrankheiten zählen mit.
- Nahrungsergänzungsmittel wie Rotschimmelreis oder Fischölkapseln ersetzen keine Behandlung; ein Nutzen für Herz und Gefäße ist nicht belegt.
Pflege
- Zur Ernährung beraten: gesättigte Fette und Transfette meiden, mehr Ballaststoffe; bei hohen Triglyceriden weniger Alkohol.
- Bewegung im Alltag fördern. Beim Rauchstopp unterstützen – bei sonst Gesunden senkt er das Gefäßrisiko stärker als jedes Statin (Quelle: ÄZQ 2023).
- Zur regelmäßigen Einnahme ermutigen. Statine nicht beim ersten Verdacht auf Nebenwirkungen eigenmächtig absetzen, sondern Beschwerden ärztlich klären.
- Nach Muskelschmerzen oder rasch ermüdenden Muskeln fragen – die Schmerzen können sich wie Muskelkater anfühlen.
- Bei rötlichem oder dunklem Urin sofort ärztliche Abklärung veranlassen; die Einnahme wird dann unterbrochen (mögliche Rhabdomyolyse) (Quelle: IQWiG 2025).
- Grapefruit meiden. Bei neuen Medikamenten, etwa bestimmten Antibiotika, an Wechselwirkungen denken.
- Gelbliche Knötchen an Sehnen oder Augenlidern wahrnehmen und weitergeben.
Vorbeugung
- Rauchfrei leben, regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden.
- Wenig gesättigte Fette und Transfette, viele Ballaststoffe, wenig Alkohol.
- Weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes im Blick behalten.
- Familien mit familiärer Hypercholesterinämie: Kinder betroffener Eltern früh untersuchen lassen (Kaskaden-Screening).
Komplikationen
- Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris und Herzinfarkt.
- Schlaganfall.
- Durchblutungsstörung der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK).
- Unbehandelte familiäre Form: Etwa 50 von 100 betroffenen Männern erkranken vor dem 50. Lebensjahr an Herz oder Gefäßen (Quelle: IQWiG 2025).
- Unter Statinen selten Muskelschäden, die schwerste Form ist die Rhabdomyolyse. Sehr selten steigt der Blutzucker leicht an.
Ergänzt aus Leitlinien
- Die LDL-Zielwerte richten sich nach dem Gesamtrisiko. Sehr hohes Risiko, etwa bei bekannter Gefäßkrankheit: unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und mindestens 50 % Senkung vom Ausgangswert (Quelle: ESC/EAS 2019).
- Hohes Risiko: unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) und mindestens 50 % Senkung. Mittleres Risiko: unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l). Niedriges Risiko: unter 116 mg/dl (3,0 mmol/l) (Quelle: ESC/EAS 2019).
- Das Focused Update 2025 lässt diese Zielwerte unverändert (Quelle: ESC/EAS 2025).
- Die deutsche NVL Chronische KHK nennt zwei Wege: eine feste Statindosis oder einen Zielwert unter 70 mg/dl. Belege für ein längeres Leben stammen aus Studien mit fester Dosis (Quelle: NVL KHK 2024).
- Mit einem Statin sinkt das Herz-Kreislauf-Risiko relativ um etwa 30 %; wie viel das im Einzelfall bringt, hängt vom Ausgangsrisiko ab (Quelle: IQWiG 2025).
- Muskelbeschwerden gaben 101 von 1000 Menschen mit Statin an, 95 von 1000 mit Scheinmedikament. Muskelschäden: etwa 1 von 10.000 innerhalb eines Jahres (Quelle: IQWiG 2025).
- Triglyceride unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) sprechen für ein niedriges Risiko (Quelle: DGK-Pocket 2019).
- Familiäre Hypercholesterinämie (heterozygot): etwa 3 von 1000 Menschen. Jedes Kind eines betroffenen Elternteils erbt sie mit mindestens 50 % Wahrscheinlichkeit (Quelle: IQWiG 2025).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: ESC/EAS 2019 (European Society of Cardiology und European Atherosclerosis Society, 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias, Eur Heart J 2020, 41, 111–188); ESC/EAS 2025 (Mach F. u. a., 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias, Eur Heart J 2025, 46, 4359–4378); DGK-Pocket 2019 (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, ESC Pocket Guidelines Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien, Version 2019); DGK-Pocket 2025 (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, ESC Pocket Guidelines Dyslipidämien, Focused Update 2025); NVL KHK 2024 (Bundesärztekammer, KBV und AWMF, Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Version 7.0, August 2024, mit Patientenblatt zur Statin-Dosis); ÄZQ 2023 (Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag von BÄK und KBV, Gesundheitsinformation „An sich bin ich gesund – Brauche ich trotzdem ein Statin, um die Blutfette zu senken?“, August 2023); IQWiG 2025 (gesundheitsinformation.de, Erhöhte Cholesterinwerte, Wann sind Statine sinnvoll, Familiäre Hypercholesterinämie, Was ist Cholesterin und wie entsteht Arteriosklerose, Stand 06.08.2025); IQWiG Laborwerte (gesundheitsinformation.de, Erklärseiten zu LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceriden, Datum im Suchauszug vom 30.09.2026 nicht angegeben). Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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