Nurmedizinius · Krankheitsbilder
Essstörungen: Anorexie, Bulimie und Binge-Eating
Psychiatrie, Beziehung und Krisen · Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung, Magersucht, Ess-Brech-Sucht
Lernmaterial, keine Handlungsanweisung. Für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten gelten ärztliche Anordnungen, aktuelle Leitlinien und die Standards der Einrichtung. Im Notfall: 112.
Definition
Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, bei denen Essen, Gewicht und Körperbild den Alltag stark bestimmen können. Zu den wichtigen Formen gehören Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Eine Essstörung lässt sich nicht allein am Körpergewicht erkennen.
Was im Körper passiert
Anhaltende Unterversorgung, Essanfälle, Erbrechen oder andere kompensatorische Verhaltensweisen können Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Elektrolyte, Verdauung, Knochen und Hormonsystem belasten. Gleichzeitig verstärken psychische Faktoren häufig den Krankheitskreislauf.
Ursachen und Risikofaktoren
- biologische, psychologische, familiäre und gesellschaftliche Faktoren können zusammenwirken
- ein einzelner Auslöser erklärt die Erkrankung meist nicht
- Gewichtsbezogene Stigmatisierung kann Belastungen zusätzlich verstärken.
Symptome
- starke Beschäftigung mit Essen, Gewicht oder Körperform
- restriktives Essen, Essanfälle und/oder kompensatorisches Verhalten je nach Erkrankungsform
- Rückzug, Scham, heimliches Verhalten oder rigide Essregeln
- körperliche Zeichen können Kreislaufprobleme, Erschöpfung, gastrointestinale Beschwerden oder Menstruationsstörungen umfassen
Therapie
- Behandlung ist meist multiprofessionell und kombiniert Psychotherapie, medizinische Betreuung und Ernährungstherapie.
- Setting und Intensität richten sich nach körperlicher und psychischer Gefährdung.
- Bei schwerer Mangelernährung muss der Ernährungsaufbau medizinisch geplant und überwacht werden.
Pflege
- wertschätzend und ohne Kommentare über Aussehen oder Schuld kommunizieren
- vereinbarte Mahlzeitenstruktur und Beobachtung transparent nach Behandlungsplan umsetzen
- Kreislauf, körperliche Warnzeichen und psychische Belastung beobachten
- Grenzen verlässlich und respektvoll halten; Absprachen im Team einheitlich gestalten
- bei akuter Selbstgefährdung sofort nach Krisenstandard handeln
Vorbeugung
- Frühe Hilfe bei auffälligem Essverhalten und Körperbildproblemen kann schwere Verläufe verhindern helfen.
- Gewichtsstigma vermeiden und Gesundheit nicht auf Körperform reduzieren.
Komplikationen
- Elektrolytstörungen und Herzrhythmusstörungen
- Mangelernährung und Organschäden
- Refeeding-Syndrom bei unkontrolliertem Ernährungsaufbau nach schwerer Mangelernährung
- Depression, Angst, Selbstverletzung und Suizidalität
Prüfungsfokus und Ergänzungen
- Prüfungsfokus: Essstörung nicht mit Untergewicht gleichsetzen. Auch bei Normal- oder Übergewicht kann eine schwere behandlungsbedürftige Essstörung vorliegen.
Quellen: gesund.bund.de – Essstörungen: Wenn Essen zur Belastung wird, Bundesministerium für Gesundheit, abgerufen am 01.10.2026; AWMF-Registernummer 051-026 – Diagnostik und Therapie der Essstörungen, Leitlinienprogramm, aktuelle Fassung/Überarbeitung berücksichtigt. Stand 01.10.2026.
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