Nurmedizinius · Krankheitsbilder
Epilepsie und epileptischer Anfall
Nervensystem und Sinnesorgane · Krampfanfall, epileptischer Anfall, Anfallsleiden
Lernmaterial, keine Handlungsanweisung. Für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten gelten ärztliche Anordnungen, aktuelle Leitlinien und die Standards der Einrichtung. Im Notfall: 112.
Definition
Bei einer Epilepsie besteht eine anhaltende Neigung zu epileptischen Anfällen. Dabei kommt es vorübergehend zu einer ungewöhnlich starken oder synchronen elektrischen Aktivität von Nervenzellen. Ein einzelner Anfall bedeutet nicht automatisch Epilepsie.
Was im Körper passiert
Je nachdem, wo die elektrische Aktivität beginnt und wie sie sich ausbreitet, können sehr unterschiedliche Symptome entstehen: von kurzen Wahrnehmungs- oder Bewegungsstörungen bis zu Bewusstlosigkeit und beidseitigen Krämpfen. Nach einem Anfall kann eine Erholungsphase mit Müdigkeit, Verwirrtheit oder vorübergehenden Ausfällen folgen.
Ursachen und Risikofaktoren
- strukturelle Veränderungen des Gehirns, zum Beispiel nach Schlaganfall, Verletzung oder Tumorerkrankung
- genetische beziehungsweise entwicklungsbedingte Formen
- Infektionen oder andere Erkrankungen des Gehirns
- bei manchen Menschen bleibt die Ursache trotz Diagnostik unklar
- akut provozierte Anfälle können beispielsweise bei schweren Stoffwechselstörungen oder Entzug auftreten und sind von Epilepsie zu unterscheiden
Symptome
- fokale Anfälle mit Zuckungen, Gefühls-, Wahrnehmungs- oder Sprachstörungen
- Bewusstseinsstörung mit eingeschränkter Reaktion
- bilaterale tonisch-klonische Anfälle mit Bewusstlosigkeit und Krämpfen
- mögliche Zungenverletzung, Einnässen oder nachfolgende starke Müdigkeit
- Symptome unterscheiden sich je nach Anfallsform deutlich
Therapie
- Bei bestätigter Epilepsie werden häufig anfallsverhindernde Medikamente eingesetzt; Auswahl und Dauer richten sich nach der individuellen Epilepsieform.
- Bei unzureichender Kontrolle kommen je nach Ursache weitere Verfahren wie Epilepsiechirurgie oder Neurostimulation infrage.
- Auslöser und persönliche Risiken werden individuell besprochen; Medikamente dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Pflege
- Während eines Krampfanfalls Ruhe bewahren, Umgebung sichern, Kopf vor Verletzungen schützen und Anfallsdauer beobachten.
- Nicht festhalten und nichts in den Mund stecken.
- Nach Ende der Krämpfe Atmung und Bewusstsein prüfen; bei ausreichender Atmung eine sichere Seitenlage unterstützen.
- 112 rufen, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten oder andere akute Gefahren bestehen.
- Anfallsablauf und Auffälligkeiten möglichst genau dokumentieren.
Vorbeugung
- verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen und Veränderungen mit dem Behandlungsteam abstimmen
- individuelle Anfallsauslöser und Sicherheitsrisiken kennen
- bei bekanntem Notfallplan diesen für Betreuungspersonen zugänglich halten
Komplikationen
- Verletzungen und Aspiration während eines Anfalls
- Status epilepticus als neurologischer Notfall
- psychosoziale Belastungen, Einschränkungen im Alltag und Angst vor weiteren Anfällen
Prüfungsfokus und Ergänzungen
- Erste Hilfe: Bei einem Krampfanfall wird der Mensch geschützt, nicht „entkrampft“. Gegenstände im Mund oder gewaltsames Festhalten können verletzen.
- Prüfungsfokus: Beobachtung von Beginn, Dauer, Körperseite, Blickrichtung, Bewusstsein und Erholungsphase hilft der späteren diagnostischen Einordnung.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) – S2k-Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, Stand 01.09.2023, gültig bis 31.08.2028; gesund.bund.de – Epilepsie, abgerufen am 01.10.2026. Stand 01.10.2026.
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