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Divertikulose und Divertikulitis
Divertikelkrankheit (Oberbegriff, wenn Divertikel Beschwerden machen); Sigmadivertikulitis
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Divertikulose: viele kleine, sackförmige Ausstülpungen (Divertikel) der Dickdarmwand, meist ohne Beschwerden. Divertikulitis: Diese Divertikel sind entzündet.
Was im Körper passiert
Mit dem Alter wird das Bindegewebe der Darmwand schwächer. Harter Stuhl bei chronischer Verstopfung erhöht den Druck im Darm. An schwachen Stellen drückt sich die Wand nach außen: bei falschen Divertikeln nur die Schleimhaut, bei echten die ganze Wand. In den Säckchen kann sich Stuhl ablagern (gesund.bund.de) → sie entzünden sich. Die entzündete Wand kann durchbrechen (Perforation) → Bauchfellentzündung.
Ursachen und Risikofaktoren
- altersbedingte Bindegewebsschwäche
- Druckanstieg im Darm, meist durch chronische Verstopfung
- ballaststoffarme Kost („Zivilisationskrankheit“ der Industrieländer)
- Divertikel werden mit dem Alter häufiger; nur ein kleiner Teil der Betroffenen bekommt je eine Divertikulitis
Symptome
- Divertikulose: anfangs keine Beschwerden
- Divertikulitis: Bauchschmerzen, meist links unten (s. „Ergänzt“)
- erhöhte Temperatur → Entzündung
- Durchfall (evtl. mit Blut und Schleim), Verstopfung, Blähungen
Therapie
- Divertikulose: Verstopfung behandeln
- erste, unkomplizierte Divertikulitis: konservativ, je nach Schwere ambulant oder stationär; Kost faserarm (schwer: parenteral); krampflösende und schmerzlindernde Mittel; Antibiotika nur bei Komplikationen oder erhöhtem Risiko
- komplizierte Divertikulitis (IQWiG): Krankenhaus, Antibiotika; Abszess → Drainage; Perforation/Peritonitis → Not-OP
- geplante OP nach Einzelfallentscheidung: betroffenes Darmstück entfernen, Enden neu verbinden; evtl. 2 Eingriffe mit vorübergehendem künstlichem Darmausgang
Pflege
- Vitalzeichen und Schmerzen regelmäßig erfassen
- Alarm: stärkere Schmerzen + bretthartes Abdomen + veränderte Vitalzeichen → Perforation? Sofort Arzt
- Medikamente regelmäßig, Nahrungsverträglichkeit beobachten
- Stuhl beobachten
- nach OP: übliche postoperative Pflege, ggf. Stoma versorgen
- zur Vorbeugung beraten (s. dort)
Vorbeugung
- ballaststoffreich essen, viel trinken, mehr Bewegung
- auch: Normalgewicht, wenig rotes Fleisch, nicht rauchen (s. „Ergänzt“)
Komplikationen
- Perforation → Peritonitis
- gedeckte Perforation → Abszess, Fistel
- Darmverschluss (mechanischer Ileus)
- Divertikelblutung (Gefäße neben dem Divertikel geschädigt)
Ergänzt aus Leitlinien
- Schmerz typisch im linken Unterbauch → Divertikulitis sitzt meist im Sigma (Quelle: gesund.bund.de 2026; MSD Manual Profi „Darmverschluss“)
- Unkomplizierte Divertikulitis meist ambulant mit engen Kontrollen; ohne Antibiotika nur, wenn Ultraschall/CT keinen Abszess zeigt; Antibiotika eher bei Risiko (z. B. Immunschwäche, chronische Nierenerkrankung) (Quelle: gesundheitsinformation.de, IQWiG 2026)
- Keine NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) → machen eine Perforation wahrscheinlicher (Quelle: IQWiG 2026)
- Keine Koloskopie im akuten Schub; erst ca. 4–6 Wochen nach Abheilen (Quelle: gesund.bund.de 2026)
- Nach komplizierter Divertikulitis Rückfall bei etwa jedem Dritten in wenigen Jahren → OP wird oft empfohlen (Quelle: IQWiG 2026)
- Vorbeugung: auch Normalgewicht, wenig rotes Fleisch, nicht rauchen; Nüsse, Körner, Mais und Popcorn sind erlaubt (Quelle: S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis, DGVS/DGAV 2022; gesund.bund.de 2026)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: gesund.bund.de: Divertikulitis, 2026; gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie wird eine akute Divertikulitis behandelt?, 2026; S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis, DGVS/DGAV 2022; Deutsches Ärzteblatt: S3-Leitlinie zur Divertikulitis erschienen; MSD Manual Profi: Kolonische Divertikulitis, Darmverschluss. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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