Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Pflegeprobleme und Prophylaxen
Demenz
demenzielle Erkrankung; häufigste Form: Alzheimer-Demenz (Morbus Alzheimer)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Chronischer, meist nicht umkehrbarer Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit (Gedächtnis, Denken, Urteilen), der die Bewältigung des Alltags zunehmend einschränkt.
Was im Körper passiert
Bei der Alzheimer-Krankheit lagern sich fehlerhaft gefaltete Eiweiße (Amyloid) im Gehirn ab. Nervenzellen und ihre Verbindungen gehen zugrunde, das Gehirn schrumpft. Zuerst leidet meist das Kurzzeitgedächtnis, später auch Sprache, Orientierung und Alltagsfähigkeiten. Bei der vaskulären Demenz schädigen verengte Blutgefäße (Arteriosklerose) das Gehirn. Weil das Denken nachlässt, können Betroffene Bedürfnisse und Schmerzen oft nicht mehr in Worte fassen – Körpersprache und Verhalten werden dann besonders wichtig.
Ursachen und Risikofaktoren
- Alzheimer-Krankheit (häufigste Form); weitere Formen: siehe „Ergänzt“
- vaskuläre Demenz als Folge der Arteriosklerose; Risikofaktoren: Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes mellitus, Rauchen, Alter über 65
- Adipositas erhöht das Demenzrisiko
- ähnliche Beschwerden durch behandelbare Ursachen, z. B. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Symptome
- Orientierungsstörungen (Ort, Zeit, Situation) → Gedächtnis und Denken lassen nach
- Sprache nimmt ab → nonverbale Signale werden wichtiger
- Unruhe, Nervosität, Weglaufdrang am frühen Abend (Sundowning-Phänomen)
- Schmerzen zeigen sich eher durch Unruhe, Weinen, Stirnrunzeln
Therapie
- Medikamente und nicht-medikamentöse Verfahren: siehe „Ergänzt“
- Validation: wertschätzende Haltung, Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen
- dämpfende Psychopharmaka, die gezielt am freien Bewegen hindern, können freiheitsentziehend sein → bei Betreuten in Klinik oder Heim betreuungsgerichtliche Genehmigung (§ 1831 Abs. 4 BGB) nötig
Pflege
- sich zentrieren: eigene Gefühlslage prüfen, neutral in den Kontakt gehen
- Blickkontakt aufnehmen; über den Körper sprechen (nonverbale Impulse, behutsame Berührung, wenn erlaubt), Körpersprache beobachten
- Zugang über die Biografie
- kurze, einfache Sätze; geschlossene Fragen erleichtern Entscheidungen
- Realität des Menschen akzeptieren, Aussagen nicht korrigieren
- Medikamenteneinnahme sichern (ggf. ambulanter Pflegedienst); fehlt die Einsichtsfähigkeit, entscheidet z. B. der Betreuer
Vorbeugung
- Gefäße schützen: Blutdruck normalisieren, Diabetes gut einstellen, LDL-Cholesterin senken, nicht rauchen, gesund essen, mindestens 150 Minuten mäßige Bewegung pro Woche; Übergewicht vermeiden
Komplikationen
- unerkannte, unbehandelte Schmerzen
- Unruhe und Weglaufen → Gefahr freiheitsentziehender Maßnahmen
- Spätstadium, Risiken von Antipsychotika: siehe „Ergänzt“
Ergänzt aus Leitlinien
- Definition und Abgrenzung: Demenz = chronisch, meist irreversibel, Gedächtnis sowie Denk- und Urteilsvermögen
- gestört, Alltag eingeschränkt; Delir = akut, v. a. Aufmerksamkeit gestört, oft reversibel (Quelle: MSD Manual Profi, Demenz; Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblatt 3)
- Formen: Alzheimer 60–80 % der Demenzen im Alter, vaskuläre Demenz zweithäufigste, außerdem Lewy-Körperchen-, frontotemporale und Mischformen; in Deutschland rund 1,8 Mio. Betroffene, Risiko steigt mit dem Alter stark an (Quelle: MSD Manual Profi, Alzheimer-Demenz 2025; Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblatt 1, 2026)
- Mechanismus Alzheimer: Beta-Amyloid-Plaques außerhalb, Tau-Neurofibrillen innerhalb der Nervenzellen → Verlust
- von Synapsen und Nervenzellen → Hirnatrophie (Quelle: MSD Manual Profi, Alzheimer-Demenz 2025)
- Verlauf: früh Kurzzeitgedächtnis und Wortfindung; mittel Hilfe beim Waschen, Essen, Anziehen, Verhaltensänderungen; spät Verlust von Gehen und Essen, Inkontinenz, hohes Infektionsrisiko (Quelle: MSD Manual Profi, Demenz)
- Diagnostik: Befragung von Betroffenen und Angehörigen, Tests (z. B. MMST, DemTect, Uhrentest, MoCA), Labor (u. a. TSH, Vitamin B12), CT oder MRT, ggf. Liquor (Amyloid, Tau) (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblatt 3; MSD Manual Profi, Demenz)
- Therapie: Acetylcholinesterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) bei leichter bis mittelschwerer, Memantin bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz – bremsen, heilen nicht; Antikörper (Lecanemab, Donanemab) nur früh, Nebenwirkung Hirnschwellung/-blutung (ARIA); Antipsychotika erhöhen Schlaganfallrisiko und Sterblichkeit; nicht-medikamentös: kognitive Stimulation, Bewegung, Ergo- und Musiktherapie, Erinnerungsarbeit, Angehörigenschulung (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblatt 5, 2026, und Infoblatt 6)
- 3 Merksätze
- 1. Demenz = chronischer Abbau von Gedächtnis und Denken, der den Alltag einschränkt; Delir = akut und oft reversibel. 2. Häufigste Form ist Alzheimer (Amyloid, Tau, Untergang von Nervenzellen), zweithäufigste die vaskuläre Demenz. 3. Kommunikation: zentrieren, Blickkontakt, kurz und geschlossen fragen, nicht korrigieren.
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi-Ausgabe, Demenz; MSD Manual Profi-Ausgabe, Alzheimer-Demenz (April 2025); Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Infoblätter 1 (2026), 3 (2018), 5 (2026) und 6 (2016). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
In der App lernenZum Lernzentrum