Nurmedizinius · Krankheitsbilder
Delir (akute Verwirrtheit)
Nervensystem und Sinnesorgane · akuter Verwirrtheitszustand, akute organische Psychose, Delirium
Lernmaterial, keine Handlungsanweisung. Für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten gelten ärztliche Anordnungen, aktuelle Leitlinien und die Standards der Einrichtung. Im Notfall: 112.
Definition
Ein Delir ist eine akut entstehende Störung von Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Denken. Typisch sind ein schwankender Verlauf innerhalb eines Tages und eine deutliche Veränderung gegenüber dem bisherigen Zustand. Es ist keine normale Alterserscheinung und muss als mögliche Folge einer akuten Erkrankung oder Belastung abgeklärt werden.
Was im Körper passiert
Beim Delir gerät die Verarbeitung von Reizen im Gehirn vorübergehend aus dem Gleichgewicht. Häufig wirken mehrere Faktoren gleichzeitig: eine vorbestehende Anfälligkeit, etwa durch hohes Alter oder Demenz, und ein akuter Auslöser wie Infektion, Operation, Schmerzen, Flüssigkeitsmangel oder Medikamente.
Ursachen und Risikofaktoren
- Infektionen, akute Erkrankungen, Operationen und Schmerzen
- Flüssigkeitsmangel, Störungen des Stoffwechsels oder Sauerstoffmangel
- neue Medikamente, Wechselwirkungen oder Entzug von Alkohol beziehungsweise bestimmten Arzneimitteln
- Schlafmangel, ungewohnte Umgebung, Seh- oder Hörbeeinträchtigung
- erhöhte Anfälligkeit bei Demenz, Gebrechlichkeit oder schwerer Vorerkrankung
Symptome
- plötzliche Desorientierung und Aufmerksamkeitsstörung
- wechselnde Wachheit, Unruhe oder auffallende Verlangsamung
- zusammenhangloses Denken, Wahrnehmungsstörungen oder Halluzinationen
- gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Schwankungen: zeitweise fast unauffällig, später deutlich verwirrt
Therapie
- Auslösende Ursachen behandeln und vermeidbare belastende Faktoren reduzieren.
- Die Leitlinie empfiehlt individuell angepasste nichtmedikamentöse Multikomponentenprogramme.
- Antipsychotika sollen bei älteren akutstationär behandelten Menschen nicht pauschal zur Delirtherapie eingesetzt werden.
- Benzodiazepine werden bei nicht substanzbezogenem Delir nicht empfohlen; bei substanz- oder entzugsbedingtem Delir gelten besondere Behandlungswege.
Pflege
- ruhig, kurz und orientierend kommunizieren; Tageszeit, Ort und Situation wiederholt verständlich machen
- Brille, Hörgerät und vertraute Gegenstände verfügbar halten
- Schlaf fördern, unnötige nächtliche Störungen und Überreizung reduzieren
- Mobilität, Essen und Trinken sicher fördern und Schmerzen beobachten
- akute Veränderungen dokumentieren und mögliche Ursachen im Team strukturiert weitergeben
Vorbeugung
- Risikopersonen früh erkennen.
- Orientierung, ausreichende Sinneswahrnehmung, Mobilität, Schlaf, Schmerzbehandlung und bedarfsgerechte Flüssigkeitsversorgung unterstützen.
- Medikamente mit delirogenem Potenzial und unnötige Katheter oder Fixierungen kritisch prüfen lassen.
Komplikationen
- Stürze, Verletzungen, Aspiration und Funktionsverlust
- verlängerte Krankenhausbehandlung und erhöhte Pflegebedürftigkeit
- anhaltende kognitive Einschränkungen bei einem Teil der Betroffenen
- Gefährdung durch unbehandelte zugrunde liegende Erkrankungen
Prüfungsfokus und Ergänzungen
- Leitlinie: Körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen sollen vermieden werden. Sicherheit wird vorrangig durch Ursachenbehandlung, Beobachtung, Orientierung und angepasste Umgebung hergestellt.
- Prüfungsfalle: Plötzliche Verwirrtheit bei älteren Menschen nicht vorschnell als Demenz einordnen.
Quellen: AWMF S3-Leitlinie 109-001 – Delir im höheren Lebensalter, Version 1.1, Stand 30.04.2025, gültig bis 29.04.2029; DGPPN/DGGPP/DGG – Kurz- und Langfassung, veröffentlicht 2026. Abgerufen am 01.10.2026. Stand 01.10.2026.
In der App lernenVollversion ansehen