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Dekubitus
Druckgeschwür, Dekubitalgeschwür (lat. decumbere = sich niederlegen)
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, meist über Knochenvorsprüngen, durch Druck oder durch Druck in Kombination mit Scherkräften.
Was im Körper passiert
Wer lange auf derselben Stelle liegt oder sitzt, presst das Gewebe zwischen Knochen und Unterlage zusammen. Die kleinen Blutgefäße werden abgedrückt, Sauerstoff und Nährstoffe kommen nicht mehr an (Ischämie). Der Zellstoffwechsel entgleist, saure Abbauprodukte sammeln sich an (Azidose). Der Körper weitet die Gefäße (Vasodilatation), die Haut wird rot; die Gefäßwände werden durchlässig, Flüssigkeit tritt aus, es entstehen Ödeme, Blasen und Gefäßthrombosen, Gewebe geht zugrunde. Scherkräfte, z. B. beim Herunterrutschen im Bett, verschieben die Hautschichten gegeneinander und verdrillen zusätzlich die Gefäße.
Ursachen und Risikofaktoren
- Hauptrisikofaktoren: eingeschränkte Mobilität, gestörte Durchblutung, beeinträchtigter Hautzustand
- personenbezogen: Lähmung, Bewusstseins- und Sensibilitätsstörung, Schmerzen, Körpergewicht
- umgebungsbezogen: Falten im Laken, Gegenstände im Bett, zu harte Matratze
- therapiebezogen: Katheter, Sonden, Drainagen, Pflaster, Sedativa (bei Kindern v. a. Tubus, Trachealkanüle)
- sekundär: Diabetes mellitus, Rauchen, Mangelernährung, Dehydratation, Altershaut
Symptome
- Kategorie I: nicht wegdrückbare Rötung, Haut intakt → Gefäße und Gewebe schon geschädigt
- Kategorie II: Teilverlust der Haut (Epidermis, Dermis), Blase oder flacher, nässender Defekt
- Kategorie III: Haut bis in die Subkutis zerstört, Nekrosen, evtl. Wundtaschen
- Kategorie IV: zusätzlich Muskeln, Sehnen, Knochen betroffen
- außerdem: keiner Kategorie zuordenbar bzw. vermutete tiefe Gewebeschädigung (Tiefe unbekannt)
- Prädilektionsstellen (Knochenvorsprünge, wenig Unterhautfett): Kreuzbein, Fersen, Sitzbeinhöcker, Hinterhaupt, Ellenbogen; in Seitenlage Ohrmuschel, großer Rollhügel, Knöchel
Therapie
- betroffene Stelle vollständig von Druck und Scherkräften entlasten (Freilage)
- Wundbehandlung: siehe „Ergänzt“
Pflege
- Eigenbewegung fördern; haut- und gewebeschonender Transfer (Kinästhetik), nicht „nach oben ziehen“
- individueller Bewegungsplan, regelmäßige Positionswechsel; 30°-Seitenlage bevorzugen, Kopfteil möglichst höchstens 30°, Fersen frei lagern
- Mikropositionswechsel ersetzen keine Makropositionswechsel
- Weichlagerung und Wechseldruck verteilen den Druck nur → Positionswechsel bleiben nötig; sie mindern die Körperwahrnehmung
- Haut bei jedem Positionswechsel ansehen; Zu- und Ableitungen neben den Körper legen, alle 2–4 h kontrollieren
- Hautpflege: trocken W/O-, feucht O/W-Emulsion; kein Franzbranntwein, keine Zinkpaste
- eiweiß-, vitamin- (A, C) und zinkreiche Kost, Eiweiß 1,2–1,5 g/kg KG täglich
Vorbeugung
- Ziel: kein Dekubitus durch systematisches pflegerisches Handeln (Expertenstandard Dekubitusprophylaxe, DNQP 2017); Maßnahmen siehe „Pflege“
Komplikationen
- Nekrosen, Wundtaschen, Zerstörung von Muskeln, Sehnen, Knochen
- Infektion bis zur Sepsis (v. a. Kategorie IV)
Ergänzt aus Leitlinien
- Schaden kann in der Tiefe beginnen: Muskel wird schneller geschädigt als die Haut darüber, verformte Muskelzellen schon nach Minuten (Quelle: Internationale Dekubitus-Leitlinie 2025, Ätiologie)
- Positionswechsel bei den meisten Gefährdeten alle 2 oder 3 Stunden auf geeigneter druckverteilender Auflage; nicht routinemäßig auf 4–6 Stunden verlängern (Quelle: Internationale Leitlinie 2025)
- druckverteilende Ganzkörperauflage aus Schaumstoff für alle Gefährdeten (starke Empfehlung); Fersen so hochlagern, dass sie die Unterlage nicht berühren (Quelle: Internationale Leitlinie 2025)
- bei hohem Risiko vorbeugend mehrschichtige Silikon-Schaumverbände auf Kreuzbein und Fersen (Quelle: Internationale Leitlinie 2025)
- gefährdete Haut nicht massieren oder kräftig reiben (Quelle: Leitlinien-Kurzfassung EPUAP/NPUAP/PPPIA 2014)
- Behandlung: Druckentlastung prüfen, Wunde reinigen, Débridement wenn passend, Wundauflage nach Wundzustand, Infektion und Schmerz behandeln, Energie und Eiweiß ergänzen (Quelle: Internationale Leitlinie 2025)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: Internationale Dekubitus-Leitlinie NPIAP/EPUAP/PPPIA, 4. Auflage 2025 (Online-Kapitel); Kurzfassung der Leitlinie EPUAP/NPUAP/PPPIA, deutsch 2014; DNQP-Expertenstandard Dekubitusprophylaxe, 2. Aktualisierung 2017. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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