Nurmedizinius › Krankheitsbilder › Haut & Wunden
Chronische Wunden
Dekubitus · Ulcus cruris · diabetisches Fußulkus
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Eine chronische Wunde ist eine Wunde mit verzögerter Heilung beziehungsweise dauerhaftem Heilungshindernis. Für die Pflege ist nicht nur die Wundfläche entscheidend, sondern vor allem die zugrunde liegende Erkrankung, wundbedingte Belastungen, Lebensqualität und Selbstmanagement.
Was im Körper passiert
Wundheilung braucht ausreichende Durchblutung, Sauerstoff, Nährstoffe und ein kontrolliertes Entzündungsgeschehen. Venöse Stauung, arterielle Minderperfusion, Druck/Scherkräfte, Neuropathie, Infektion oder Stoffwechselerkrankungen können die Heilung erheblich beeinträchtigen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Dekubitus: Druck- und Scherbelastung bei gefährdetem Gewebe.
- Ulcus cruris venosum: chronische venöse Hypertonie/Insuffizienz.
- Arterielles Ulcus: relevante arterielle Minderperfusion, häufig bei pAVK.
- Diabetisches Fußulkus: häufig Zusammenspiel aus Neuropathie, Druckbelastung und gegebenenfalls Ischämie.
- Mischformen und weitere Ursachen sind möglich; deshalb keine Wunde nur nach Aussehen diagnostizieren.
Symptome
- Wundgröße/-tiefe und Wundgrund verändern sich nicht erwartungsgemäß
- Exsudat, Geruch, Schmerzen oder wundbedingte Einschränkungen
- periwundäre Hautveränderungen, Ödeme oder Durchblutungszeichen
- Belastungen bei Mobilität, Schlaf, Körperbild, sozialer Teilhabe und Selbstversorgung
Therapie
- Ursachenbehandlung ist zentral: Druckentlastung, Behandlung venöser Stauung, Revaskularisation bei geeigneter arterieller Erkrankung oder diabetologisches Fußmanagement je nach Ursache.
- Lokale Wundversorgung richtet sich nach Wundphase, Exsudat, Umgebungshaut, Infektionssituation und Behandlungsziel; keine universelle „beste Wundauflage“.
- Kompression bei venöser Erkrankung nur nach geeigneter Gefäßbeurteilung und individuellem Plan.
- Antiseptika oder Antibiotika nicht routinemäßig bei jeder chronischen Wunde; Indikation ergibt sich aus klinischer Situation und Standard.
Pflege
- Wundbedingte Belastungen und Ziele der Person erheben, nicht nur Zentimeter messen.
- Verbandwechsel nach aseptischer Non-Touch-Technik beziehungsweise lokalem Wundstandard; Schmerzen vor, während und nach Versorgung beachten.
- Exsudat, Geruch, Hautschutz, Druck-/Reibungsbelastung und passende Hilfsmittel beobachten.
- Selbstmanagement fördern: Ursache, Verband/Kompression oder Druckentlastung, Hautpflege, Bewegung und Warnzeichen verständlich erklären.
- Ernährungs-, Mobilitäts-, Schmerz- und psychosoziale Probleme mit den passenden Fachbereichen verknüpfen.
Komplikationen
- lokale oder systemische Infektion bis Sepsis
- fortschreitende Gewebsnekrose/Ischämie
- chronische Schmerzen, Mobilitätsverlust und soziale Isolation
- bei diabetischem Fuß oder schwerer Ischämie erhöhtes Amputationsrisiko
- Rezidive, wenn die Grunderkrankung nicht ausreichend behandelt wird
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: DNQP Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden, 2. Aktualisierung Juni 2025; AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, Version 4.1, Stand 22.01.2024, gültig bis 21.01.2029; AWMF S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, Version 4.3, Stand 18.09.2024, gültig bis 17.09.2029. Geprüft 02.10.2026. Stand 02.10.2026. Fachlicher Stand: 10/2026.
In der App lernenZum Lernzentrum