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Chronisch-venöse Insuffizienz und Ulcus cruris venosum (offenes Bein)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) fließt Blut aus den Beinvenen schlecht zum Herzen zurück, weil Venenklappen undicht sind oder eine Vene verengt ist. Es entstehen Schwellungen und Hautveränderungen. Das Ulcus cruris venosum („offenes Bein“) ist die schwerste Form und gilt von Anfang an als chronische Wunde (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
Was im Körper passiert
Die Beinvenen bringen das Blut zum Herzen zurück. Beim Gehen drücken die angespannten Wadenmuskeln die tiefen Venen zusammen (Wadenmuskelpumpe). Venenklappen lassen das Blut nur Richtung Herz fließen.
Schließen die Klappen nicht mehr, etwa bei Krampfadern oder nach einer Thrombose, sackt das Blut im Stehen und Sitzen zurück. Der Druck in den Unterschenkelvenen bleibt dauerhaft hoch (venöse Hypertonie). Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, das Bein schwillt an. Entzündung und Sauerstoffmangel verändern die Haut: Sie verfärbt sich und verhärtet. Schließlich kann ein Geschwür entstehen, das nur schlecht heilt.
Ursachen und Risikofaktoren
- Krampfadern (Varikose): geschwächte Venenwände und Klappen, oft familiär veranlagt.
- Nach einer tiefen Beinvenenthrombose: Klappen und Venenwände sind geschädigt, das Blut staut sich (postthrombotisches Syndrom).
- Höheres Alter, Übergewicht und Schwangerschaften.
- Berufe mit langem Stehen, wenig Bewegung der Beinmuskeln.
- Steifes oberes Sprunggelenk und schwache Wadenmuskeln.
Symptome
- Schwere Beine und Schwellungen, besonders an den Knöcheln.
- Spannungsgefühl, Juckreiz, nächtliche Wadenkrämpfe oder Schmerzen.
- Sichtbare Venen: Besenreiser und Krampfadern.
- Hautveränderungen: bräunliche Verfärbung, Ekzem, verhärtete Haut und Unterhaut (Dermatoliposklerose), weißliche Narbenfelder (Atrophie blanche), feine erweiterte Venen am Fußrand (Corona phlebectatica).
- Ulcus cruris venosum: meist oberhalb oder hinter dem Innenknöchel, unscharf begrenzt, umgeben von veränderter Haut.
- Schmerz am Geschwür unterschiedlich stark; Geruch und Wundflüssigkeit (Exsudat) belasten.
Therapie
- Kompressionstherapie ist die Standardbehandlung: Druck von außen unterstützt den Rückfluss des Blutes, das Geschwür heilt deutlich schneller.
- Formen: Kompressionsverbände, adaptive Kompressionssysteme, Ulkus-Strumpfsysteme und medizinische Kompressionsstrümpfe.
- Vorher werden Gegenanzeigen ausgeschlossen, vor allem eine fortgeschrittene pAVK.
- Wundbehandlung: regelmäßig reinigen, abgestorbenes Gewebe fachkundig entfernen (Débridement), meist feucht behandeln. Keine Wundauflage ist nachweislich überlegen.
- Schmerzen behandeln, besonders beim Verbandwechsel; wenig haftende Auflagen können helfen.
- Bei Verdacht auf Infektion wird vor einer Antibiotikagabe Material zur Erregerbestimmung gewonnen.
- Krampfadern behandeln: Operation (Stripping, Phlebektomie), Katheterverfahren (Radiofrequenz, Laser) oder Verödung (Sklerotherapie).
Pflege
- Vor jeder Kompression klären, ob die arterielle Durchblutung ärztlich geprüft ist. Kalte, blasse Füße (Quelle: gesund.bund.de pAVK 2026) oder Schmerz beim Hochlegen (Quelle: IQWiG pAVK 2024) deuten auf eine pAVK.
- Kompression fachgerecht anlegen. Neue Schmerzen, Druckstellen, Taubheit oder verfärbte Zehen sofort melden.
- Wunde bei jedem Verbandwechsel beobachten und dokumentieren: Größe, Wundgrund, Rand, Exsudat, Geruch, Schmerz und Umgebungshaut.
- Schmerzen, Lebensqualität und seelische Belastung regelmäßig erfassen.
- Zum Gehen und zu Sprunggelenkübungen motivieren.
- Beine im Sitzen hochlegen (bei bekannter oder vermuteter pAVK nur nach ärztlicher Rücksprache), langes Stehen und Sitzen vermeiden.
- Zur Kompression schulen und die Wünsche der Person einbeziehen – das fördert die Therapietreue.
- Haut der Unterschenkel beobachten: Ekzem, Verfärbung, Verhärtung, neue Wunden.
Vorbeugung
- Viel gehen und das Sprunggelenk beweglich halten.
- Langes Stehen und Sitzen vermeiden, die Beine zwischendurch hochlegen (bei bekannter oder vermuteter pAVK nur nach ärztlicher Rücksprache).
- Bei Venenschwäche nach ärztlicher Verordnung Kompressionsstrümpfe tragen, auch nach dem Abheilen eines Geschwürs.
- Krampfadern und Beschwerden nach einer Thrombose ärztlich abklären und behandeln lassen.
Komplikationen
- Offenes Bein: Bleiben Krampfadern unbehandelt, bekommen etwa 3–6 % der Betroffenen ein Geschwür (Quelle: IQWiG Krampfadern 2023).
- Häufige Rückfälle: Bis zu 70 % der abgeheilten Geschwüre kommen wieder (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Wundinfektion, bei der Gewebe absterben kann.
- Selten Venenentzündung, Thrombose oder Blutung aus Krampfadern.
- Eingeschränkte Lebensqualität, soziale Isolation, Depression.
Ergänzt aus Leitlinien
- CEAP-Klinikklassen: C0 keine Zeichen, C1 Besenreiser oder retikuläre Varizen, C2 Varikose, C3 Ödem, C4 Hautveränderungen, C5 abgeheiltes Ulkus, C6 offenes Ulkus (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- C4 wird unterteilt in a (Pigmentierung, Ekzem), b (Dermatoliposklerose, Atrophie blanche) und c (Corona phlebectatica); „r“ steht für Rezidiv, z. B. C6r (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Keine Kompression bei fortgeschrittener pAVK: ABI unter 0,5, Knöchelarteriendruck unter 60 mmHg, Zehendruck unter 30 mmHg oder TcPO2 unter 30 mmHg (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Weitere Gegenanzeigen: dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA III und IV), Phlegmasia coerulea dolens (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Bei pAVK mit ABI über 0,5 oder Knöchelarteriendruck über 60 mmHg sollte komprimiert werden, sofern keine weiteren Gegenanzeigen bestehen. Mit unelastischem Material kann bei einem Knöchelarteriendruck von 50–60 mmHg ein Versuch unter engmaschiger Kontrolle erfolgen (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Unterschenkelgeschwüre: 51–80 % venös, 10–15 % arteriell, 13–15 % gemischt. Ein ABI von 0,9 oder weniger zeigt eine pAVK an (Quelle: S2k-Leitlinie UCV 2024).
- Abgrenzung zum arteriellen Ulkus: eher an Zehen, Ferse oder anderen Druckstellen des Fußes, Haut kalt und blass (Quelle: gesund.bund.de pAVK 2026; DGA 2025), Schmerz nimmt beim Hochlegen zu (Quelle: IQWiG pAVK 2024).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: S2k-Leitlinie UCV 2024 (AWMF-Register 037-009, S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, Version 4.0 vom 22.01.2024, gültig bis 22.01.2029, federführend Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie); IQWiG Krampfadern 2023 (gesundheitsinformation.de, Krampfadern und Was tun bei Krampfadern – und wann operieren?, aktualisiert 02.01.2023); IQWiG Chronische Wunden 2025 (gesundheitsinformation.de, Chronische Wunden und Wie werden chronische Wunden behandelt?, aktualisiert 17.09.2025); IQWiG PTS 2026 (gesundheitsinformation.de, Beschwerden nach einer Thrombose (postthrombotisches Syndrom), aktualisiert 27.05.2026); IQWiG pAVK 2024 (gesundheitsinformation.de, Durchblutungsstörung der Beine (PAVK), erstellt 28.02.2024); gesund.bund.de pAVK 2026 (Bundesministerium für Gesundheit, Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Stand 05.02.2026); DGA 2025 (Deutsche Gesellschaft für Angiologie, PAVK-Ratgeber Durchblutungsstörungen der Beine und des Beckens, 4. Auflage Juni 2025). Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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