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Borderline-Persönlichkeitsstörung
BPS; Borderline-Störung; ICD-10 F60.31 emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ; ICD-11 6D11.5 Borderline-Muster
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Persönlichkeitsstörung mit tiefgreifender Instabilität in Gefühlen (Affekten), Selbstbild und zwischenmenschlichen Beziehungen sowie deutlich gesteigerter Impulsivität.
Was im Körper passiert
Vermutlich ist die Regulation im frontolimbischen System gestört, das Gedanken und Gefühle dämpft. Betroffene sind von Anlage her emotional sehr empfindlich und reagieren heftig. Das Umfeld versteht diese Reaktionen oft nicht, die erhoffte Anteilnahme bleibt aus. Wird das eigene Erleben immer wieder nicht ernst genommen (Invalidierung), verlieren Betroffene das Vertrauen in ihre Gefühle und fühlen sich „anders“. So entsteht eine Störung der Gefühlsregulation, die Selbstbild und Beziehungen stört und zu schädlichem Verhalten führt (biosoziales Modell).
Ursachen und Risikofaktoren
- vererbte emotionale Empfindlichkeit (mittlere bis hohe Erblichkeit)
- frühe traumatische Erfahrungen: körperliche oder sexualisierte Gewalt, Vernachlässigung, fehlendes Vertrauen in Bezugspersonen
- Invalidierung: Gefühle werden missachtet oder entwertet
- nicht alle Betroffenen stammen aus traumatisierenden Familien
Symptome
- Gefühle: stark schwankende Stimmung; heftige, kaum kontrollierbare Wut; Impulsivität in mind. 2 selbstschädigenden Bereichen; wiederholte Suizidhandlungen oder Selbstverletzung (z. B. Ritzen) → gestörte Gefühlsregulation
- Selbst: chronische innere Leere; instabiles Selbstbild; unter Belastung kurz paranoide Vorstellungen oder Dissoziation Beziehungen: verzweifeltes Bemühen, nicht verlassen zu werden; intensive, instabile Beziehungen zwischen
- Idealisierung und Entwertung
Therapie
- Grundlage ist Psychotherapie: strukturiert und BPS-spezifisch; bei schwerer Selbstverletzung DBT oder mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT, Marsha Linehan): Balance aus Veränderung (behavioral) und Akzeptanz
- (dialektisch); Einzeltherapie, Gruppentraining, Telefoncoaching, Konsultationsteam
- Skills: Achtsamkeit; Stresstoleranz (Anspannung auf Skala 0–10, ab 7 starke Sinnesreize wie Kälte oder scharfe Chili statt Selbstverletzung); Umgang mit Gefühlen; zwischenmenschliche Fertigkeiten; Selbstwert
- Medikamente nicht als Haupttherapie, möglichst wenige, nichts mit Abhängigkeitspotenzial
- meist ambulant; stationär nur für kurze Krisen oder zeitlich begrenzte Programme
- Familie einbeziehen (Aufklärung, Schulung, systemische Familientherapie)
Pflege
- Bezugspflege: kontinuierliche, verlässliche Beziehung gibt Sicherheit
- Nähe und Distanz professionell wahren – dafür ist immer die Pflegeperson zuständig; keine eigenen Probleme
- erzählen; bei Schwierigkeiten kollegiale Beratung, Supervision
- klare Grenzen, wertschätzend und konsequent; Gespräche nicht in stark angespannten Momenten
- Selbstverletzung ruhig und sachlich ansprechen, ohne Vorwürfe; Auslöser gemeinsam suchen; Wunden versorgen
- Anspannung erfragen, Skills im Alltag üben; auf Suizidalität achten
- Angehörige aufklären, schulen, entlasten
Vorbeugung
- Risikofaktoren früh erkennen: besonders gefährdet sind Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen
Komplikationen
- Suizidversuche und Suizid
- Wunden und Narben durch Selbstverletzung
- weitere psychische Störungen, z. B. Essstörung
- instabile Beziehungen, starke Belastung der Familie
Ergänzt aus Leitlinien
- strukturierte, BPS-spezifische Psychotherapie für alle; bei schwerer Selbstverletzung DBT oder MBT (Quelle: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, DGPPN 2022)
- ICD-10 F60.31, ICD-11 6D11.5; Dissoziation unter Belastung; mittlere bis hohe Erblichkeit; Diagnose ab 12 Jahren, halbstrukturiertes Interview (Quelle: S3-LL BPS 2022)
- Medikamente nicht primär, keine mit Abhängigkeitspotenzial; bei Überdosis tödliche Mittel nur sehr zurückhaltend (Quelle: S3-LL BPS 2022)
- in der Regel ambulant, stationär nur kurz bei Krisen oder in definierten Programmen (Quelle: S3-LL BPS 2022)
- Häufigkeit 0,7–2,7 %; Suizidrate nach neueren Studien 2–6 %, Risiko ca. 40-fach erhöht (Quelle: S3-LL BPS 2022; MSD Manual Profi BPS 2026)
- oft günstiger Verlauf: 10 Jahre nach Behandlung erfüllten 7 von 8 die Diagnose nicht mehr (Quelle: S3-LL BPS 2022)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, DGPPN 2022; MSD Manual Profi Borderline-Persönlichkeitsstörung 2026. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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