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Autoimmunerkrankungen
Autoimmunkrankheiten; organspezifisch oder systemisch
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Das Immunsystem hält körpereigene Strukturen fälschlich für fremd und bildet Autoantikörper bzw. autoreaktive Lymphozyten, die diese Strukturen angreifen und zerstören. Das Immunsystem arbeitet „falsch" – gegen den eigenen Körper.
Was im Körper passiert
Normalerweise dürfen im Knochenmark und im Thymus nur Lymphozyten ausreifen, die Körpereigenes in Ruhe lassen. Bei einer Autoimmunerkrankung hält die Abwehr trotzdem körpereigene Strukturen für fremd. Ein möglicher Auslöser ist ein harmloser Virusinfekt: Ähnelt ein Virusbaustein einem körpereigenen Eiweiß, richtet sich die Abwehr auch gegen den eigenen Körper (molekulares Mimikry). Weil dabei Gedächtniszellen entstehen, bleibt der Angriff meist dauerhaft. Es folgen Entzündung und Gewebezerstörung – begrenzt auf ein Organ (organspezifisch) oder im ganzen Körper (systemisch).
Ursachen und Risikofaktoren
- genetische Veranlagung, Verbindung zu bestimmten HLA-Merkmalen (z. B. HLA-B27 bei ankylosierender Spondylitis)
- Auslöser: wahrscheinlich Virusinfekte; diskutiert werden auch psychischer Stress und Umweltfaktoren (z. B. Schadstoffe)
- Frauen deutlich häufiger (möglicherweise wegen der immunstimulierenden Wirkung der Östrogene)
Symptome
- organspezifisch – Beschwerden je nach Zielorgan:
- Bauchspeicheldrüse: insulinbildende β-Zellen werden zerstört → Insulinmangel = Typ-1-Diabetes
- Schilddrüse: Gewebe wird zerstört → Unterfunktion (Hashimoto); TSH-Rezeptor wird aktiviert → Überfunktion (Morbus Basedow)
- Muskel: Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren → Muskelschwäche (Myasthenia gravis); ZNS: Markscheiden → Multiple Sklerose
- Blut: Erythrozyten werden schneller abgebaut → Anämie (Autoimmunhämolyse); Magen: Antikörper gegen Belegzellen/Intrinsic-Faktor → kein Vitamin B12 → Anämie (perniziöse Anämie, Typ-A-Gastritis)
- Darm: Colitis ulcerosa (Geschwüre der Darmschleimhaut), Morbus Crohn (gesamter Verdauungstrakt)
- systemisch: rheumatoide Arthritis → Gelenkentzündung, ggf. Schäden innerer Organe; Kollagenosen (Angriff auf Bindegewebe), z. B. SLE → starke Allgemeinbeschwerden, Entzündung von Gelenken, Haut, Herz, Lunge, Nieren, ZNS; Vaskulitiden → entzündete, meist arterielle Gefäße
Therapie
- symptomatisch: Fehlendes ersetzen (Insulin bei Typ-1-Diabetes, Schilddrüsenhormon bei Hashimoto)
- Immunreaktion dämpfen: Glukokortikoide, Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, Methotrexat), monoklonale Antikörper („-mab", z. B. gegen TNF-α), JAK-Hemmer; Immunglobuline; Plasmapherese bei schweren Schüben (z. B. Myasthenia gravis)
- meist chronisch mit Schüben → lebenslange Therapie; Ziel: Funktion und Lebensqualität erhalten
Pflege
- Immunsuppression erhöht Infektions- und Tumorrisiko → auf Infektzeichen achten, Hygiene beraten
- Glukokortikoide: Dosis möglichst morgens; nach > 3 Wochen nie abrupt absetzen, sondern ausschleichen (Addison-Krise); Blutzucker und Blutdruck kontrollieren; Vitamin D und Kalzium gegen Osteoporose Ängste vor Kortison ernst nehmen, zum offenen Gespräch mit dem Arzt ermutigen
Komplikationen
- Organschäden je nach Erkrankung (z. B. Gelenkzerstörung, Nierenbeteiligung beim SLE)
- Nebenwirkungen der Dauertherapie: Infektionen, Tumoren; bei Glukokortikoiden Cushing-Syndrom, Osteoporose, Diabetes
Ergänzt aus Leitlinien
- Beschwerden durch Entzündung und Gewebeschaden: Schmerzen, Gelenkverformungen, Schwäche, Juckreiz, Atembeschwerden; z. B. bei RA auch Fieber und Müdigkeit (Quelle: MSD Manual Autoimmunerkrankungen 2025)
- Diagnostik: Entzündungswerte BSG und CRP (bei aktiver Autoimmunerkrankung erhöht) plus Tests auf bestimmte
- Antikörper (Quelle: MSD Manual Autoimmunerkrankungen 2025)
- Rheumatoide Arthritis: Rheumafaktor bei ca. 70 %, CCP-Antikörper bei über drei Viertel; Risikofaktor Rauchen;
- Morgensteifigkeit, symmetrischer Befall von Händen, Fingern, Füßen; früh Basistherapie (DMARD), z. B. Methotrexat 1× wöchentlich (Quelle: MSD Manual Rheumatoide Arthritis 2024)
- Impfen: Totimpfstoffe unabhängig von der immunsuppressiven Therapie möglich; Lebendimpfstoffe nur ohne oder bis 4 Wochen vor Beginn einer Immunsuppression (Quelle: RKI-FAQ Kontraindikationen bei Impfungen)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Autoimmunerkrankungen (2025), Rheumatoide Arthritis (2024); RKI-FAQ Kontraindikationen bei Impfungen (2020). Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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