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Arzneimittelexanthem
Arzneimittelausschlag, Medikamentenausschlag
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Hautausschlag als unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW). Ursache ist eine Allergie gegen den Wirkstoff oder eine Pseudoallergie (nicht allergisch).
Was im Körper passiert
Allergische Form: Das Immunsystem ist gegen den Wirkstoff sensibilisiert. Meist reagieren T-Zellen verzögert (Typ IV) → Entzündung der Haut → Ausschlag erst nach Tagen. Pseudoallergie: Der Wirkstoff bindet direkt an Mastzellen, diese schütten Histamin aus. Eine Sensibilisierung ist nicht nötig, deshalb ist die Reaktion schon beim ersten Kontakt möglich. Histamin weitet die Gefäße und macht sie durchlässig → Rötung, Schwellung, Juckreiz.
Ursachen und Risikofaktoren
- grundsätzlich jedes Medikament
- gehäuft: Antibiotika, Schmerzmittel, Schilddrüsenmedikamente
Symptome
- Ausschlag mit ganz unterschiedlichem Aussehen, oft juckend → Entzündung bzw. Histamin
- Beginn meist 4–14 Tage nach Behandlungsbeginn
- startet häufig am Stamm und breitet sich auf Arme und Beine aus
Therapie
- auslösendes Medikament absetzen (ärztliche Anordnung)
- Juckreiz lindern: Antihistaminikum, ggf. Glukokortikoid
- Warnzeichen einer schweren Reaktion → Notfall (s. „Ergänzt“)
Pflege
- neuen Ausschlag unter Medikamenten sofort dem Arzt melden: Exanthem oder Nesselsucht kann in einen anaphylaktischen Schock übergehen
- bei allergischer Reaktion während einer Infusion (z. B. Antibiotikum): Zufuhr sofort unterbrechen
- Haut und Schleimhäute beobachten, Juckreiz nach Anordnung lindern
- Medikament in den Allergiepass eintragen lassen
Vorbeugung
- auslösende Medikamente künftig meiden; Allergiepass immer mitführen
Komplikationen
- anaphylaktischer Schock
- Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxische epidermale Nekrolyse (TEN) (s. „Ergänzt“)
Ergänzt aus Leitlinien
- Zeitlicher Ablauf: Soforttyp (Urtikaria, Anaphylaxie) meist innerhalb von 1 h; Spättyp (makulopapulöses Exanthem = häufigste Form) 4–14 Tage nach Beginn, bei erneuter Gabe schneller (Quelle: S2k-Leitlinie Arzneimittelüberempfindlichkeit, DGAKI 2015; MSD Manual 2024)
- Warnzeichen SJS/TEN: Fieber, Unwohlsein, schmerzende Haut, Blasen (Nikolski-Zeichen), wunde Schleimhäute an Mund, Augen, Genitale → Notfall: Medikament sofort absetzen, schwere Fälle ins Zentrum für Brandverletzte;
- Sterblichkeit bei TEN 25–35 %, beim SJS deutlich niedriger (Quelle: MSD Manual Profi, SJS/TEN 2024)
- Typische Auslöser von SJS/TEN: Sulfonamide, Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Lamotrigin, Phenytoin), Allopurinol, NSAR vom Oxicam-Typ, Nevirapin; meist 1–3 Wochen nach Therapiebeginn (Quelle: MSD Manual 2024)
- Diagnose v. a. klinisch: alle Medikamente erfragen, auch rezeptfreie (Quelle: MSD Manual Profi, Arzneimittelexantheme 2024) Allergietest (Hauttest, ggf. Provokation) möglichst 4 Wochen bis 6 Monate nach Abheilung; Allergiepass mit Reaktionstyp, nicht vertragenen Stoffen, möglichen Kreuzreaktionen und getesteten Ausweichmitteln (Quelle: S2k-Leitlinie DGAKI 2015)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: S2k-Leitlinie Allergologische Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel (DGAKI u. a., AWMF 061-021), 2015; MSD Manual Profi-Ausgabe: Arzneimittelexantheme und -reaktionen, 2024; MSD Manual Profi-Ausgabe: Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse, 2024. Stand 27.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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