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Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
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Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Bei der arteriellen Hypertonie ist der Druck in den Schlagadern (Arterien) dauerhaft zu hoch: in der Praxis oben 140 und/oder unten 90 mmHg oder mehr, bestätigt durch weitere Messungen (Quelle: NVL Hypertonie 2023). Sie ist weltweit der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten (Quelle: ESC 2024).
Was im Körper passiert
Der obere (systolische) Wert zeigt den Druck, während sich der Herzmuskel anspannt. Der untere (diastolische) Wert zeigt den Druck in der Entspannung. Ist der Druck über Jahre zu hoch, werden die Arterienwände überlastet und steifer. Das Herz braucht mehr Kraft, die Wand der linken Kammer wird dicker (Linksherzhypertrophie) – wie ein Muskel, der ständig schwer arbeiten muss.
Besonders empfindlich sind die kleinen Gefäße in Gehirn, Nieren und Augen. Die Schäden entstehen langsam und schmerzen nicht. Darum merken viele Betroffene lange nichts.
Ursachen und Risikofaktoren
- Primäre (essenzielle) Hypertonie: meist keine einzelne Ursache. Begünstigend wirken Übergewicht, salzreiches Essen, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen, höheres Alter und familiäre Veranlagung.
- Sekundäre Hypertonie: Folge einer anderen Krankheit, zum Beispiel einer Nierenerkrankung oder einer verengten Nierenarterie.
- Hormonstörungen, etwa Hyperaldosteronismus, Schilddrüsenüberfunktion, Cushing-Syndrom oder Phäochromozytom (seltener hormonbildender Tumor).
- Nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe).
- Arzneimittel wie Schmerzmittel, orale Verhütungsmittel, systemische Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Antidepressiva können den Druck erhöhen.
Symptome
- Meist keine Beschwerden. Der Hochdruck fällt oft zufällig bei einer Messung auf.
- Bei sehr hohen Werten: Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, rotes Gesicht, Sehstörungen.
- Bei Folgeschäden: Atemnot, Wassereinlagerungen, Herzklopfen, Brustschmerz.
- Hypertensive Entgleisung (Krise): sehr hohe Werte ohne Hinweis auf akute Organschäden.
- Hypertensiver Notfall: sehr hohe Werte plus akute Organschäden, erkennbar etwa an Verwirrtheit, Lähmungen, Atemnot, starker Brustenge, Krampfanfällen, Seh- oder Sprechstörungen oder Bewusstlosigkeit.
Therapie
- Lebensstil: weniger Salz, mehr Bewegung, Abnehmen bei Übergewicht, Rauchstopp, wenig Alkohol, Entspannungsverfahren.
- Der Zielwert wird individuell und gemeinsam mit der betroffenen Person vereinbart.
- Wirkstoffgruppen der ersten Wahl: ACE-Hemmer oder Sartane (Angiotensin-II-Rezeptorblocker), Kalziumantagonisten, Thiazide oder thiazidartige Diuretika – allein oder kombiniert.
- Betablocker sind ohne zusätzliche Herzerkrankung nicht erste Wahl.
- Vor jeder Steigerung wird geprüft, ob Tabletten und Lebensstil-Änderungen wirklich umgesetzt werden (Adhärenz).
- Hypertensiver Notfall: Behandlung im Krankenhaus. Das geschädigte Organ bestimmt Tempo und Ausmaß der Senkung.
Pflege
- Nach Regeln messen: mindestens 5 Minuten ruhig sitzen, Arm entspannt auf Herzhöhe, während der Messung nicht sprechen (Quelle: NVL-Patientenblatt Messen 2024).
- Manschette passend zum Oberarmumfang wählen und etwa 2 bis 3 cm über der Ellenbeuge anlegen (Quelle: NVL-Patientenblatt Messen 2024).
- Anfangs an beiden Armen messen, später auf der Seite, die höhere Werte zeigt. Werte mit Uhrzeit dokumentieren.
- Bei Schwindel oder Sturzgefahr auch im Stehen messen (Blutdruckabfall beim Aufstehen, orthostatische Hypotonie).
- Warnzeichen eines hypertensiven Notfalls erkennen und sofort ärztliche Hilfe holen.
- Nebenwirkungen beobachten und melden, etwa trockenen Reizhusten unter ACE-Hemmern oder geschwollene Knöchel unter Kalziumantagonisten.
- Zur regelmäßigen Einnahme beraten: Ausgelassene Tabletten sind ein häufiger Grund für eine Entgleisung.
- Selbstmessung und Blutdrucktagebuch erklären, zu Salz, Bewegung, Gewicht, Rauchen und Alkohol beraten.
Vorbeugung
- Salzarm essen und Normalgewicht halten.
- Regelmäßig bewegen, nicht rauchen, wenig Alkohol, Stress abbauen.
- Blutdruck prüfen lassen: bei normalen Werten unter 40 Jahren mindestens alle 3 Jahre, ab 40 Jahren jährlich (Quelle: ESC 2024).
- Bei bekanntem Hochdruck die Behandlung dauerhaft fortführen, damit Folgeschäden ausbleiben.
Komplikationen
- Herz: Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt.
- Gehirn: Schlaganfall.
- Nieren: Nierenschäden.
- Augen: Schäden an der Netzhaut.
- Beine: periphere arterielle Verschlusskrankheit.
- Hypertensiver Notfall, zum Beispiel mit Schlaganfall, akutem Koronarsyndrom, Lungenödem, akuter Erkrankung der Hauptschlagader oder schwerer Präeklampsie.
Ergänzt aus Leitlinien
- Grenzwerte: Praxis ab 140/90, Selbstmessung ab 135/85, 24-Stunden-Mittel ab 130/80, tagsüber ab 135/85, nachts ab 120/70 mmHg (Quelle: NVL Hypertonie 2023).
- Grade in der Praxismessung: Grad 1 ab 140/90, Grad 2 ab 160/100, Grad 3 ab 180/110 mmHg. Isoliert systolisch: oben ab 140, unten unter 90 mmHg (Quelle: NVL Hypertonie 2023).
- Praxis: dreimal messen, 2 Minuten Abstand, Mittelwert aus 2. und 3. Messung. Zu Hause: morgens und abends je zweimal, sieben Tage lang (Quelle: NVL Hypertonie 2023).
- Orthostatische Hypotonie: Abfall um mindestens 20 mmHg systolisch und/oder 10 mmHg diastolisch, 1 und/oder 3 Minuten nach dem Aufstehen (Quelle: ESC 2024).
- Zielwert: individuell, meist unter 140/90 mmHg (Quelle: NVL Hypertonie 2023). Die ESC strebt systolisch 120–129 mmHg an, wenn das gut vertragen wird (Quelle: ESC 2024).
- Kochsalz: unter 6 g täglich. Bewegung: moderat; als Richtgröße nennt die NVL (Expertenkonsens) wöchentlich insgesamt wenigstens zwei Stunden, gut verteilt (Quelle: NVL Hypertonie 2023).
- Ab 180/110 mmHg auf einen hypertensiven Notfall prüfen (Quelle: ESC 2024). Entscheidend ist die akute Organschädigung, nicht der Wert allein (Quelle: ESC Council on Hypertension 2019).
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: NVL Hypertonie 2023 (Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien von BÄK, KBV und AWMF, Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Kurzfassung Version 1.0, publiziert 29.06.2023, gültig bis 29.06.2028); NVL-Patientenblatt Messen 2024 (NVL-Programm, Wie messe ich meinen Blutdruck richtig?, Patientenblatt zur NVL Hypertonie, 2024); NVL-Patientenblatt Entgleisung 2023 (NVL-Programm, Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich viel zu hoch ist?, Patientenblatt zur NVL Hypertonie, 2023); ESC 2024 (European Society of Cardiology, 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension, European Heart Journal 2024); ESC Council on Hypertension 2019 (Position document on the management of hypertensive emergencies, European Heart Journal Cardiovascular Pharmacotherapy 2019); IQWiG 2024 (gesundheitsinformation.de, Bluthochdruck und Mit welchen Medikamenten wird Bluthochdruck behandelt?, aktualisiert 22.05.2024); gesund.bund.de 2026 (Bundesministerium für Gesundheit, Bluthochdruck, Stand 05.03.2026); NVL Hypertonie Langfassung 2023 (Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien, Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Langfassung Version 1.0, Kapitel 3 Diagnostik, Suchauszug vom 30.09.2026). Abgerufen am 29.09.2026. Stand 29.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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