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Allergien und Anaphylaxie
Überempfindlichkeits-/Hypersensitivitätsreaktion; anaphylaktische Reaktion, anaphylaktischer Schock
Wichtiger Hinweis. Nurmedizinius ist Lernmaterial zur Vorbereitung auf Unterricht und Prüfungen in der Pflegeausbildung. Die Inhalte sind keine Handlungsanweisung für die Versorgung einzelner Patientinnen und Patienten und ersetzen weder ärztliche Anordnungen noch die Standards deiner Einrichtung. Im Notfall: Notruf 112.
Definition
Allergie: erworbene Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf eigentlich unschädliche Stoffe aus der Umwelt (Allergene). Anaphylaxie: schwere, plötzliche Allergiereaktion des ganzen Körpers bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.
Was im Körper passiert
Beim ersten Kontakt wird der Körper sensibilisiert: B-Zellen bilden IgE gegen das Allergen, die IgE setzen sich auf Mastzellen und basophile Granulozyten. Beim nächsten Kontakt bindet das Allergen an diese IgE. Innerhalb von Sekunden bis Minuten schütten die Zellen Histamin und weitere Botenstoffe (z. B. Leukotriene) aus. Die Gefäße werden weit und durchlässig, die Bronchien eng, der Darm arbeitet schneller. Beim Spättyp (Typ IV) setzen sensibilisierte T-Zellen erst nach Stunden bis Tagen Botenstoffe (Zytokine) frei → örtliche Entzündung.
Ursachen und Risikofaktoren
- Allergene über Luft (Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben), Nahrung (z. B. Haselnüsse, Äpfel, Erdnüsse, Medikamente), Haut (z. B. Nickel, Latex), Blut (Insektengift, Medikamente, Kontrastmittel)
- Anaphylaxie am häufigsten durch Insektengifte, Nahrungsmittel, Medikamente
- Einfluss: Veranlagung (Atopie), wenig früher Keimkontakt, Umweltreize (Feinstaub, Abgase); Latexallergie häufig in Gesundheitsberufen
- Typen nach Coombs/Gell: I Soforttyp (IgE); II zytotoxisch (Transfusionszwischenfall); III Immunkomplexe im Gewebe (SLE); IV Spättyp (T-Zellen; Kontaktekzem, Transplantatabstoßung)
Symptome
- Rötung, Flush, Quaddeln (Urtikaria), Ödeme, Schleimhautschwellung → Gefäße weit und durchlässig; Juckreiz → Histaminwirkung an der Haut
- Atemnot, Giemen → Bronchien eng; inspiratorischer Stridor, kloßige Sprache → Kehlkopfschwellung
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall → Darm arbeitet schneller
- Tachykardie, Blutdruckabfall bis Schock → Gefäße weit, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus
- Anaphylaxie-Schweregrade (Karte: „Phasen"): I leicht (Unruhe, Flush, Urtikaria, Juckreiz) – II ausgeprägt (Tachykardie, Hypotonie, Dyspnoe, Erbrechen) – III bedrohlich (Bronchospasmus, Schock, Einkoten) – IV Kreislaufstillstand;
- eingestuft nach dem bedrohlichsten Zeichen
Therapie
- Allergenkarenz: Allergen meiden
- H1-Antihistaminika (1. Generation, z. B. Clemastin, Dimetinden, machen müde; 2. Generation, z. B. Loratadin, Cetirizin), Glukokortikoide, Mastzellstabilisatoren
- Hyposensibilisierung (Allergen-Immuntherapie) über Jahre; nach jeder Gabe mind. 30 min überwachen
- Insektenstich: lokal Glukokortikoidsalbe, ggf. Antihistaminikum; bei bekannter Allergie Notfallset
- Anaphylaxie: Notruf 112, Auslöser soweit möglich stoppen. Adrenalin i. m. ist die medikamentöse Erstbehandlung; geschulte Personen wenden es nach Notfallstandard bzw. ärztlicher Anordnung an. Verordneten Autoinjektor nach persönlichem Notfallplan anwenden. Nicht auf das Eintreffen eines Arztes warten. Keine Dosieranleitung in diesem Lerntext. (Quelle: RCUK Erste Hilfe 2025)
- Weitere Notfallmaßnahmen übernimmt das Rettungsteam. Bei fehlender normaler Atmung Reanimation beginnen. (Quelle: RCUK Erste Hilfe 2025)
Pflege
- Allergien und Allergiepass erfragen; bekannte Allergien gut sichtbar dokumentieren
- auf allergische Zeichen achten, bei Reaktion Vitalzeichen überwachen, Arzt informieren; beim Hauttest Patient
- beobachten, Notfallausrüstung bereit
- allergenfreie Pflegeprodukte und Kost; Latexhandschuhe nur wenn unbedingt nötig; Notfallmedikamente bereithalten beraten: Allergene meiden, Notfallausweis, Notfallset (Antihistaminikum, Glukokortikoid zum Trinken, Adrenalin-Pen – bei Kindern immer griffbereit), Schulung, Selbsthilfegruppen
Vorbeugung
- Expositionsprophylaxe: bei Pollen starken Pollenflug meiden, Haare abends waschen; bei Insektengift lange Kleidung, nicht barfuß laufen
Komplikationen
- anaphylaktischer Schock bis Herz-Kreislauf-Stillstand; Larynxödem → Atemwege ggf. sichern
- Kreuzallergien (z. B. Birkenpollen – Apfel, Latex – Kiwi/Banane/Avocado)
Ergänzt aus Leitlinien
- Beginn meist innerhalb von 15 min; Spätreaktion nach 4–8 h oder später möglich → nach der Akutbehandlung
- mehrere Stunden überwachen (Quelle: MSD Manual Profi-Ausgabe Anaphylaxie 2024)
- Serum-Tryptase möglichst innerhalb von 2 h nach der Reaktion bestimmen → stützt die Diagnose (Quelle: MSD Manual Profi-Ausgabe Anaphylaxie 2024)
- Nach Anaphylaxie SOS-/Medizinarmband mit den Allergien tragen (Quelle: MSD Manual Anaphylaxie 2024)
Angaben zu Arzneimitteln und Dosierungen stehen hier bewusst nicht; sie richten sich immer nach ärztlicher Anordnung.
Quellen: Abgeglichen mit: MSD Manual Profi-Ausgabe: Anaphylaxie (2024), Übersicht der allergischen und atopischen Erkrankungen (2026); MSD Manual Patientenausgabe: Anaphylaktische Reaktionen (2024); ergänzende Korrekturquellen: RCUK Erste Hilfe 2025. Korrigierte Abschnitte abgerufen am 30.09.2026. Stand 30.09.2026. Fachlicher Stand: 09/2026.
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